Stell dir vor, du kaufst eine US-amerikanische Aktie. Das Unternehmen entwickelt sich hervorragend, die Geschäfte laufen gut und der Aktienkurs steigt innerhalb weniger Monate um 10 %. Eigentlich sollte das Investment damit ein voller Erfolg sein.
Beim nächsten Blick ins Depot folgt allerdings die Ernüchterung. Statt eines ordentlichen Gewinns steht dort plötzlich ein Minus. Und das, obwohl die Aktie an ihrer Heimatbörse tatsächlich gestiegen ist.
Wie kann das sein? Die Antwort liegt nicht im Unternehmen, sondern im Wechselkurs.
Wenn der Dollar deine Gewinne auffrisst
Bei internationalen Aktien investieren wir häufig in einer anderen Währung, selbst wenn wir die Wertpapiere an deutschen Börsen in Euro kaufen. Besonders relevant ist das bei US-Aktien, deren Kurse üblicherweise in US-Dollar angegeben werden.
Nehmen wir ein Beispiel. Du investierst 10.000 Euro in eine US-Aktie. Zum Kaufzeitpunkt erhältst du für einen Euro exakt 1,10 US-Dollar. Dein Investment entspricht damit einem Gegenwert von 11.000 US-Dollar.
Anschließend steigt die Aktie um 10 %. Aus den ursprünglichen 11.000 US-Dollar werden also 12.100 US-Dollar. Operativ läuft bei unserem fiktiven Unternehmen alles nach Plan.
Allerdings hat sich zwischenzeitlich der Wechselkurs verändert. Statt 1,10 erhält man für einen Euro inzwischen 1,25 US-Dollar. Rechnen wir den neuen Aktienwert zurück, bleiben plötzlich nur noch 9.680 Euro übrig.
Obwohl die Aktie um 10 % gestiegen ist, hast du vor Kosten und Steuern rund 3,2 % verloren.
Auch ETFs sind davon betroffen
Das Währungsrisiko beschränkt sich keineswegs auf einzelne Aktien. Wer beispielsweise einen ETF auf den S&P 500 besitzt, investiert ebenfalls überwiegend in US-amerikanische Unternehmen.
Selbst wenn der ETF an einer deutschen Börse in Euro gehandelt wird, verschwindet das Wechselkursrisiko dadurch nicht. Entscheidend ist schließlich, in welche Vermögenswerte das Geld tatsächlich investiert wird.
Umgekehrt kann der Effekt natürlich auch positiv ausfallen. Wertet der US-Dollar gegenüber dem Euro auf, können sich zusätzliche Gewinne ergeben. Dann profitieren deutsche Anleger unter Umständen sogar dann, wenn sich der eigentliche Aktienkurs kaum bewegt.
Sollte ich deshalb amerikanische Aktien meiden?
Ich würde daraus keine grundsätzlich negative Schlussfolgerung für US-amerikanische Unternehmen ziehen. Gerade an der amerikanischen Börse finden wir schließlich viele der profitabelsten Geschäftsmodelle der Welt.
Zudem ist das wirtschaftliche Währungsrisiko oft komplexer als die reine Kursnotierung. Ein amerikanischer Konzern kann große Teile seiner Umsätze außerhalb der USA erzielen. Seine Gewinne hängen dann selbst von verschiedenen Wechselkursen ab.
Für mich bleibt deshalb entscheidend, wie sich das zugrunde liegende Unternehmen langfristig entwickelt. Wer über Jahrzehnte investiert, sollte sich nicht bei jeder Bewegung des Euro-Dollar-Kurses zu hektischen Entscheidungen verleiten lassen.
Trotzdem gehört das Währungsrisiko auf den Tisch. Gerade wenn Anleger nach wenigen Jahren verkaufen oder Kapital für größere Anschaffungen benötigen, kann der Wechselkurs einen spürbaren Unterschied machen.
Deshalb würde ich bei internationalen Aktien immer zwei Dinge unterscheiden: Wie erfolgreich war mein Unternehmen? Und welche Rendite ist tatsächlich in meiner Heimatwährung angekommen?
Denn manchmal kann eine Aktie sämtliche Erwartungen erfüllen, während der Wechselkurs aus einem guten Investment vorübergehend ein schlechtes Ergebnis macht.
Der Artikel Diese Aktie steigt um 10 % – und du verlierst trotzdem Geld! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.