Der wochenlange Abwärtstrend der BYD-Aktie drückte den Kurs am gestrigen Donnerstag fast auf ein neues 2-Jahrestief. Doch am Freitagmorgen stemmt sich der chinesische Autokonzern mit einem Kursplus von über +3% gegen seine Talfahrt. Gibt es denn gute Nachrichten von Build Your Dreams und wie sollten Anleger darauf reagieren?

Boom im Ausland, Bust in China

BYD versorgte den Markt zum Wochenschluss in der Tat mit guten Nachrichten. Im September verkaufte der chinesische Autokonzern weltweit knapp 464.000 Fahrzeuge, das sind rund 17% mehr als im Jahr zuvor.

Besonders stark entwickelte sich das Exportgeschäft von BYD. Die Auslieferungen ins Ausland stiegen um 154% auf rund 180.000 Fahrzeuge. Damit entfiel knapp 40% des Monatsabsatzes auf Exportmärkte.

Sorgenkind von BYD bleibt aber weiterhin der chinesische Heimatmarkt. Hier ging der Absatz im vergangenen Monat um 13% im Jahresvergleich zurück.

Trotz der starken Absatzentwicklung im Ausland liegen die kumulierten Verkäufe von BYD von Januar bis September rund 4% unter dem Vorjahreswert. Der Exportboom reicht demnach immer noch nicht aus, um die Schwäche auf dem chinesischen Automarkt zu kompensieren.

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Bricht der Abwärtstrend?

Die BYD-Aktie befindet sich seit Ende August in einem Abwärtstrend. Umso wichtiger könnte der heutige Kursgewinn in charttechnischer Hinsicht sein. Es fehlt nicht viel, um diesen Abwärtstrend nach oben zu durchbrechen.

Es ist allerdings noch viel zu früh, von einer nachhaltigen Trendwende zu sprechen. Diese sehe ich erst bei Kursen im zweistelligen Bereich.

Alles hängt an Europa

Der zukünftige Erfolg von BYD hängt einzig und alleine an Europa. Auf dem chinesischen Markt ist der Wettbewerb meiner Einschätzung nach so intensiv, dass Build Your Dreams keine Chance mehr hat, seinen Marktanteil auszubauen.

Zugleich kommen auch die USA nicht als zukünftiger Absatzmarkt infrage. Erst gestern erklärte BYD-Vizepräsidentin Stella Li, dass geopolitische Spannungen und fehlende Planungssicherheit gegen einen Ausbau des Pkw-Geschäfts in den USA sprechen.

Bleibt also nur noch Europa. Die Montage im ungarischen Werk könnte laut einem aktuellen Bericht zum Jahresende anlaufen. Die Ziele von BYD sind gewaltig. Im laufenden Jahr wollen die Chinesen ihren Auslandsabsatz auf knapp 2 Millionen Fahrzeuge steigern. Im kommenden Jahr peilt BYD bereits die Marke von 2,5 Millionen verkauften Fahrzeugen im Ausland an.

Eine einfache Rechnung

Die Rechnung ist ganz einfach. Um dieses Absatzwachstum im Ausland, vor allem in Europa, zu erreichen, muss BYD den etablierten Autoherstellern massiv Marktanteile abnehmen.

Diese Rechnung wird aber nur aufgehen, wenn der chinesische Autohersteller ein deutlich besseres Preis-Leistungs-Verhältnis als die europäischen Hersteller anbietet. Auf diese Frage gibt es noch keine eindeutige Antwort.

Derzeit positioniert sich BYD in Europa preislich oft auf Augenhöhe oder nur knapp unter den etablierten europäischen Massenherstellern wie Volkswagen, Stellantis und Renault und nutzt den hiesigen Markt zur Absicherung höherer Gewinnmargen. Gleichzeitig sorgen aber die von der EU erhobenen Sonderzölle auf chinesische Elektrofahrzeuge sowie die zusätzlich anfallenden Logistik- und Vertriebskosten beim Export nach Europa für höhere Kosten.

Für BYD wird es deshalb alles andere als einfach, in Europa attraktive Preise anzubieten und gleichzeitig gutes Geld zu verdienen. Die Chinesen müssen sich möglicherweise für das eine oder das andere entscheiden.

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Ich rate Anlegern auch weiterhin von einem Investment in die BYD-Aktie ab. Meiner Meinung nach hat der chinesische Autokonzern seine besten Tage bereits hinter sich. In China ist der Wettbewerb zu stark für weiteres Wachstum geworden. Die USA sind ein derzeit unzugänglicher Markt.

Der Erfolg steht und fällt damit mit Europa. Aber die etablierten Platzhirsche werden diesen Markt nicht kampflos aufgeben und werden in ihrer Abwehrschlacht auch von der EU unterstützt. Sie kämpft inzwischen mit harten Bandagen gegen den teilweise unlauteren Wettbewerb durch chinesische Anbieter.

ℹ BYD in Kürze

  • BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vor allem im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
  • Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
  • Mit einer Marktkapitalisierung von rund 77 Milliarden € zählt BYD zu den wertvollsten Konzernen Chinas.

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