Der FTSE 100 Index geriet in den vergangenen Wochen unter Druck und fiel von einem Juli-Hoch von 10.990 auf aktuell 10.523. Diese Abwärtsbewegung setzte sich fort, da die Renditen britischer Staatsanleihen auf einem erhöhten Niveau blieben. Der Fokus verlagert sich nun auf die bevorstehende Berichtssaison, die nähere Hinweise zum Unternehmensgewinnwachstum liefern wird.

FTSE 100 verliert, da Renditen britischer Staatsanleihen fallen

Der FTSE 100 Index ist in den vergangenen Monaten gefallen, da die Renditen britischer Staatsanleihen gestiegen sind. Daten zeigen, dass die zehnjährigen Gilt-Renditen auf 5,45% von einem Jahrestief von 4,235% hochgeschnellt sind. 

Ähnliches gilt für kurzfristige Staatsanleihen: Die Fünfjahresrendite stieg auf 5%, die Zweijahresrendite auf 4,858%. 

Diesen Trend sehen wir auch in anderen Ländern wie den Vereinigten Staaten, Frankreich und Deutschland. In Frankreich kletterte die zehnjährige Rendite beispielsweise auf 4,87%, in Deutschland auf 3,50%.

Die Renditen britischer Staatsanleihen steigen aufgrund wachsender Haushaltsdefizite und öffentlicher Verschuldung. Die gesamte Staatsverschuldung ist auf etwa 3 Billionen angewachsen, was rund 95% des jährlichen BIP entspricht. Außerdem weitet sich das Haushaltsdefizit weiter aus, während das Wirtschaftswachstum stagniert. 

Historisch neigen Aktien dazu, sich zu verschlechtern, wenn es Verwerfungen am Anleihenmarkt gibt. Das ist einer der Gründe, warum führende Indizes wie der deutsche DAX und der französische CAC 40 in diesem Jahr leicht unter ihren Höchstständen geblieben sind. 

Britische Aktien werden zudem von der anhaltenden Krise im Nahen Osten belastet, die die Energiepreise nach oben getrieben hat. Brent, die globale Benchmark, stieg auf $101.75, während West Texas Intermediate (WTI) auf $90 kletterte. 

Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die BoE steigt

Die steigenden Ölpreise haben im Land zu höherer Inflation geführt. Jüngste vom Office of National Statistics (ONS) veröffentlichte Daten zeigten, dass die headline Verbraucherpreisinflation (CPI) im August 3,1% betrug gegenüber 2,9% im Juli. Die Kerninflation, die volatile Nahrungs- und Energiepreise ausschließt, stieg um 2,6%.

Daher besteht das Risiko, dass die Bank of England (BoE) bei der nächsten Sitzung im November die Zinsen anheben wird.

Ein weiterer Katalysator für den FTSE 100 Index ist die anstehende US- und UK-Berichtssaison, die nächste Woche beginnt. Große US-Banken wie JPMorgan, Morgan Stanley und Bank of America werden ihre Zahlen veröffentlichen.

Weitere große britische Unternehmen werden später in diesem Monat ihre Zahlen veröffentlichen. Zu den wichtigsten zu beobachtenden Namen gehören Lloyds Bank, Shell, Unilever, IG Group, Intercontinental Hotels und London Stock Exchange.

Technische Analyse des FTSE 100 Index

FTSE 100

Footsie-Chart | Quelle: TradingView

Das Tageschart zeigt, dass der Footsie-Index in den vergangenen Wochen unter Druck stand. Er ist von einem Hoch von 10.990 im Juli auf ein Tief von 10.387 gefallen. 

Er hat bereits das 38,2%-Fibonacci-Retracement-Niveau erreicht. Gleichzeitig ist er unter den 50-Tage-Exponential Moving Average (EMA) gerutscht. Positiv ist, dass sich eine fallende Megaphon‑Formation gebildet hat, die in der technischen Analyse häufig ein bullisches Umkehrsignal darstellt. Vorerst wird der Index wahrscheinlich unter Druck bleiben und sich dann schließlich wieder erholen. 

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