Die Porsche-Aktie stürzte gestern auf ein neues 3-Monatstief. Kann der Kapitalmarkttag dem Stuttgarter Sportwagenbauer wieder etwas mehr Schwung an der Börse verleihen oder sollten Anleger besser nicht mehr auf Porsche setzen?

Große Veränderungen geplant

Auf seinem heutigen Capital Markets Day stellt Porsche seine neue strategische Ausrichtung bis 2035 unter dem Titel „Sportwagenschmiede ’35“ vor. Im Fokus stehen dabei eine stärkere Fokussierung auf Exklusivität, neue Sportwagen, strikte Kapitaleffizienz und eine verbesserte Profitabilität. Hier die Details:

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Kehrtwende in der Absatzpolitik

Die wohl wichtigste Neuigkeit ist eine strategische Kehrtwende in Bezug auf die Absatzpolitik. Porsche verabschiedet sich heute von der früheren Strategie, möglichst viele Fahrzeuge zu verkaufen. In Zukunft gilt die Maßgabe „Value over Volume“.

Porsche verfolgt nun also das Ziel, möglichst viel Geld mit einzelnen Fahrzeugen zu verdienen. Künftig soll der Break-even bereits unter 200.000 verkauften Autos pro Jahr liegen.

Um dieses Ziel zu erreichen, will Porsche in Zukunft wieder wesentlich stärker auf Exklusivität setzen. Der durchschnittliche Verkaufspreis eines Autos soll um etwa 20% steigen. Gleichzeitig soll der Umsatz aus dem Sonderwunsch-/Individualisierungsgeschäft versechsfacht werden. Das ist wirtschaftlich attraktiv, weil zusätzliche Individualisierung typischerweise wesentlich höhere Margen hat als das Basismodell.

Große Antriebsvielfalt

Eine der größeren Überraschungen des Capital Markets Day ist die Aussage, dass Porsche auch in Zukunft am Verbrennungsmotor festhalten wird. Der Sportwagenbauer will seinen Kunden weiterhin einen Antriebs-Dreiklang aus Verbrenner, Plug-in-Hybrid und Elektromotor anbieten.

Damit korrigiert Porsche die frühere Strategie, nach der die Elektromobilität wesentlich stärker im Mittelpunkt stehen sollte. In Zukunft wollen sich die Schwaben darauf konzentrieren, welche Antriebsarten in den jeweiligen Absatzmärkten tatsächlich nachgefragt werden.

Die Kosten müssen runter

Trotz dieser maximalen Bandbreite an Antriebsarten will Porsche die Kosten beim Bau seiner Sportwagen deutlich senken. Dazu soll die Zahl der Modellvarianten in Zukunft um 20% sinken. Porsche erwartet sich dadurch künftig rund 30% mehr Absatz je Modellvariante.

In Sachen Kostensenkung sollen auch eine schlankere, agilere Organisation, effizientere Prozesse und ein umfassendes Kosteneinsparprogramm helfen. Porsche will seine Fixkostenbasis deutlich reduzieren, um den Break-Even-Punkt nach unten zu drücken.

Die Personalkosten in der Fertigung sollen mittelfristig um bis zu 30% sinken. In Vertrieb und Marketing ist die Zielvorgabe eine Kostensenkung um 20%.

Die Zahl der Managementposition will der Autobauer um 40% reduzieren. Insgesamt will Porsche die Belegschaft um rund 25 bis 30% verkleinern.

Auch in Sachen Entwicklung wird der Rotstift angesetzt. Die Entwicklungskosten zukünftiger Modellreihen sollen nach dem Willen des Managements um 20% sinken. Dieses Ziel soll unter anderem durch mehr Plattform- und Komponenten-Sharing mit Audi erreicht werden.

Ehrgeizige Ziele

Die genannten Maßnahmen münden in Summe in ehrgeizigen finanziellen Zielen. Mittelfristig will Porsche seinen Umsatz wieder auf 41 bis 45 Milliarden € steigern. Zur Erinnerung: 2025 lag der Umsatz bei knapp über 36 Milliarden €.

Wesentlich ambitionierter sind die Ziele der Stuttgarter aber in Sachen Profitabilität. Die operative Marge soll mittelfristig wieder auf 10 bis 15% steigen. Langfristig peilt das Management ein Margenziel von 15% an. Die Netto-Cashflow-Marge soll knapp im zweistelligen Prozentbereich liegen.

Ist das der neue Boden?

Der gestrige Dienstag war ein charttechnisch schwarzer Tag. Die Porsche-Aktie durchbrach das 3-Monatstief bei 42,60 €. Heute scheint der Autotitel aber wieder über das Mehrmonatstief zu klettern. Sollte das gelingen, dürfte diese Kursmarke in Zukunft einen sehr starken Support darstellen.

Ganz schön ambitioniert

Die auf dem Kapitalmarkt formulierten Zielen kann man nicht anders als ambitioniert bezeichnen. Porsche will innerhalb weniger Jahre seine operative Marge von 1,1% (2025) auf über 10,0% anheben. Dazu muss einiges passieren.

Und das Management hat klar formuliert, was alles passieren soll. In erster Linie gibt sich Porsche eine neue Strategie, die für mich ein wenig nach Ferrari riecht: weniger Autos, mehr Exklusivität, höhere Preise, höhere Marge und unter dem Strich mehr Gewinn.

Gleichzeitig wollen es die Schwaben allen Kunden Recht machen. Wer einen Verbrenner will, bekommt einen Verbrenner. Wer lieber auf Plug-in-Hybrid oder E-Sportwagen umsteigen will, bekommt auch diese Antriebe.

Diese Vielfalt der Antriebsarten birgt meiner Meinung nach aber ein großes Risiko. Zum einen könnte sich Porsche damit verzetteln. Zum anderen steigen die Investitionskosten dadurch erheblich, schließlich müssen alle Antriebe permanent weiterentwickelt werden.

Porsche will seine Investitionen ab dem kommenden Jahr allerdings deutlich zurückschrauben. Das passt für mich nicht zusammen.

Zurück zum Luxusimage

Die neue Strategie von Porsche halte ich für absolut sinnvoll. Die Schwaben müssen es wieder schaffen, zu einer exklusiven und ikonischen Sportwagenmarke zu werden. Dieses Image haben sie in den letzten Jahren zunehmend verloren, vor allem auf dem chinesischen Markt.

Porsche muss es meiner Meinung nach vermeiden, im Markt gegen chinesische Elektro-Sportwagen in einem Preisbereich zwischen 50.000 und 100.000 € anzutreten. Hier können die Deutschen nur verlieren. Deshalb ist die neue Strategie vollkommen richtig, in Zukunft wieder hochpreisige, exklusive „Supersportwagen“ zu bauen — auch wenn das zu Lasten des Absatzes gehen wird.

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Grundsätzlich gefällt mir die neue Strategie von Porsche gut. Ich fürchte nur, dass die Schwaben bei deren Umsetzung etwas länger brauchen als geplant. Fraglich, ob die Börse der Porsche-Aktie diese Zeit geben wird.

Anleger müssen sich in den kommenden Quartalen auf weitere Absatzverluste einstellen, die gleichzeitig möglicherweise noch nicht von schnellen Margensteigerungen begleitet werden. Bei einem Forward-KGV von 22 hätte ich diese Geduld bei der Porsche-Aktie nicht. Die Aktie gehört deshalb meines Erachtens nur auf die Watchlist, aber noch nicht ins Portfolio.

ℹ Porsche AG in Kürze

  • Die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG (WKN: PAG911) mit Sitz in Stuttgart ist der größte reine Sportwagenhersteller der Welt.
  • Die Produktion erfolgt überwiegend in Stuttgart-Zuffenhausen sowie in Leipzig und Bratislava.
  • Porsche ist im deutschen Nebenwerteindex MDAX gelistet und an der Börse ca. 19,4 Milliarden € wert.

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