Vonovia-Aktionäre wollen den heutigen Tag am liebsten aus ihren Kalendern streichen. Der Kurs des deutschen Immobilienkonzerns fällt am Mittwochvormittag auf den tiefsten Stand seit Februar 2014. Kann diese Entwicklung den tiefen Fall der Vonovia-Aktie noch aufhalten oder sollten Anleger sich endgültig vom DAX-Wert verabschieden?
Eine neue Marke für einen neuen Geschäftsbereich
Vonovia will sich einen neuen Geschäftsbereich erschließen. Auf der Immobilienmesse Expo Real hat Vonovia die neue B2B-Marke Veveus ins Leben gerufen. Damit will das Unternehmen sein Geschäft jenseits der klassischen Vermietung, die sogenannten „Non-Rental-Aktivitäten“ massiv ausbauen.
Unter dem Namen Veveus werden zukünftig bestehende Dienstleistungen rund um die Immobilie, wie Investment Management, Asset Management, Property Management und Facility Management für externe, institutionelle Eigentümer und Investoren gebündelt. Das ist ein strategisch durchaus sinnvoller Schritt, denn bereits heute bewirtschaftet der Immobilienkonzern rund 75.000 Wohnungen für Dritte.
Bis 2028 sollen die Veveus-Dienstleistungen rund 20 bis 25% des bereinigten EBITDA ausmachen. Damit will sich der Konzern unabhängiger vom klassischen Mietengeschäft und den damit verbundenen politischen Einflüssen machen. Im ersten Halbjahr erzielte Vonovia in diesem Segment bereits Erlöse in Höhe von knapp 80 Millionen € — ein Wachstum von rund 14% gegenüber dem Vorjahr.
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Ausführliche Chartanalyse
Eine ausführliche Chartanalyse der Vonovia-Aktie findet ihr bei meinem Kollegen Christian Kämmerer.
Der Papierform nach ein Kauf – Aber!
Der Ausbau und die Bündelung der Non-Rental-Aktivitäten unter einem einheitlichen Markendach sind zweifellos zu begrüßen. Ich fürchte nur, dass sie in Summe zu wenig Einfluss auf das Gesamtgeschäft von Vonovia haben werden.
Angesichts des katastrophal negativen Momentums der Vonovia-Aktie rate ich Anlegern, auch weiterhin die Finger von ihr zu lassen. Solange nicht geklärt ist, wie die neue Berliner Stadtregierung aussieht und was in ihrem Koalitionsvertrag steht, wird die Vonovia-Aktie keinen Boden finden.
Das Damoklesschwert einer Enteignung in der Hauptstadt schwebt über dem Immobilienkonzern. Dieses Schwert muss erst vom Himmel geholt werden, um der Vonovia-Aktie eine Stabilisierung zu ermöglichen.
Gleichzeitig belasten auch die steigenden Zinsen das Geschäftsmodell des Immobilienkonzerns. Sie erhöhen die Finanzierungskosten von Vonovia, aber der Konzern ist auf der anderen Seite angesichts der prekären Lage auf dem Vermietungsmarkt in Deutschland und dem politischen Widerstand kaum imstande, steigende Kosten 1:1 auf seine Mieter umzulegen.
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Der Papierform nach ist die Vonovia-Aktie inzwischen ein klarer Kauf. Der Immobilienbestand des Konzerns wird an der Börse mit einem gewaltigen Sicherheitsabschlag von über 60% bewertet und die Dividendenrendite ist mittlerweile auf 7,4% gestiegen.
Jetzt kommt das Aber: Der politisch-markoökonomische Gegenwind ist derzeit so groß, dass ich davon abraten muss, in die Vonovia-Aktie zu investieren. Das Momentum spricht klar dagegen. Für eine Rettung des Immobilientitels müssen sich erst einmal die Zinsen stabilisieren und die politische Linke beruhigen.
Vonovia in Kürze
- Vonovia (WKN: A1ML7J) mit Sitz in Bochum verwaltet und vermietet Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden.
- Durch die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen im Jahr 2021 ist das Unternehmen zum größten Immobilienkonzern Europas avanciert mit ca. 550.000 Wohneinheiten.
- Vonovia ist Mitglied im DAX und aktuell rund 14,2 Milliarden € wert.
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