Europa macht aus Raumfahrtpolitik zunehmend konkrete Industrieaufträge. Ende August erhielt der Bremer Satellitenbauer OHB (WKN: 593612) einen Auftrag von knapp 1 Mrd. Euro für 18 Satellitenplattformen des europäischen IRIS²-Programms.
Für in Raumfahrt interessierte Anleger ist das wichtiger als die Schlagzeile selbst: 2026 markiert nämlich den Übergang von politischen Versprechen zu Milliardeninvestitionen, Aufträgen und künftig wiederkehrenden Erlösen.
Die neue europäische Raumfahrt-Strategie: Ein Milliarden-Markt entsteht
Die europäische Raumfahrt erhält derzeit deutlich mehr politische und finanzielle Unterstützung. Auf der ESA-Ministerkonferenz (European Space Agency) Ende 2025 wurden 22,3 Mrd. Euro zugesagt, der größte Finanzrahmen in der Geschichte der Organisation. Davon entfallen mehr als 4,4 Mrd. Euro allein auf Raumtransportprogramme. Europa will damit den Zugang zum All sichern und gleichzeitig eigene Fähigkeiten bei Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung und Sicherheit ausbauen.
SES, der Auftraggeber von OHB, verantwortet innerhalb des SpaceRISE-Konsortiums den mittleren Orbit. Insgesamt soll IRIS² aus 348 Satelliten bestehen. Die ersten Satelliten sollen 2029 starten, erste Dienste sind für 2030 vorgesehen. 2026 ist damit nicht das Jahr der großen Umsätze, sondern der Beginn der industriellen Umsetzung. Und OHB spielt mit dem erhaltenen Auftrag eine große Rolle in diesen Plänen.
So entwickelt sich die Raumfahrt-Auftragslage
2025 steigerte OHB die Gesamtleistung um 21 % auf 1,25 Mrd. Euro, welche neben den reinen Umsatzerlösen auch den Wert aller noch unfertigen Satelliten und erbrachten Entwicklungsleistungen des Rekordjahres umfasst. Das bereinigte EBITDA kletterte auf 125,6 Mio. Euro.
Noch wichtiger ist der Auftragsbestand: Nach sechs Monaten 2026 lag er bei 3,3 Mrd. Euro. Das entspricht mehr als dem Zweieinhalbfachen der Jahresleistung von 2025.
SES profitiert auf einer anderen Ebene. Der Satellitenbetreiber führt den MEO-Teil von IRIS² und kann dadurch seine künftige Netzwerkkapazität ausbauen. Im ersten Halbjahr 2026 unterzeichnete SES neue Geschäfte und Verlängerungen über 1,2 Mrd. Euro. Der gesamte Auftragsbestand lag bei 6,4 Mrd. Euro. Für 2026 erwartet SES auf vergleichbarer Basis stabile Umsätze und ein stabiles bereinigtes EBITDA.
Auch Eutelsat gehört zum SpaceRISE-Konsortium. Der Konzern will 2027 bis 2034 insgesamt 3,39 Mrd. Euro in die gemeinsame und kommerzielle IRIS²-Infrastruktur investieren. Im Gegenzug erwartet Eutelsat aus der zusätzlichen Kapazität mehr als 10 Mrd. Euro Umsatz zwischen 2032 und 2040. Das zeigt zugleich, wie kapitalintensiv das Geschäft ist.
Bewertung vs. Risiko: Was ist der faire Preis für Weltraum-Technik?
Raumfahrtaktien sind nicht automatisch Wachstumsaktien. Bei OHB entscheidet die Qualität der Auftragsabwicklung darüber, ob der hohe Auftragsbestand tatsächlich in steigende Margen und Cashflows übersetzt wird. Bei SES und Eutelsat steht dagegen die Frage im Mittelpunkt, ob die massiven Investitionen in neue Satellitenkapazitäten ausreichend Rendite abwerfen.
Ein weiterer Risikofaktor bleibt die staatliche Abhängigkeit. Ein großer Teil der europäischen Raumfahrtbudgets hängt von politischen Entscheidungen ab. Das schafft langfristige Nachfrage, verhindert aber nicht Verzögerungen bei Programmen und Vergaben.
Auch technologisch ist der Weg vom Auftrag zum Umsatz nicht linear. Die IRIS²-Satelliten sollen erst ab 2029 gestartet werden. Bis dahin müssen Entwicklung, Fertigung und Tests funktionieren. Für Anleger bedeutet das: Ein Milliardenauftrag erhöht die Visibilität, ersetzt aber keine laufende Kontrolle von Margen, Cashflow und Kapitalbedarf.
Eine Position zur Positionierung für das nächste Jahrzehnt
Die Raumfahrt entwickelt sich 2026 von einem Zukunftsthema zu einem konkreteren europäischen Industriegeschäft. OHB ist dabei der unmittelbarste börsennotierte Profiteur des jüngsten IRIS²-Auftrags. SES und Eutelsat bieten zusätzliche Wege, vom Aufbau der europäischen Satelliteninfrastruktur zu profitieren, sind aber stärker durch hohe Investitionen und ihre bestehenden Geschäftsmodelle geprägt.
Für ein langfristiges Depot spricht deshalb einiges für eine gestaffelte Vorgehensweise. Ein direkter Raumfahrtwert wie OHB sollte aufgrund der höheren Projektrisiken nur einen begrenzten Anteil ausmachen. Als Beimischung können auch größere Unternehmen mit Raumfahrtgeschäft interessant sein, wenn man als Investor die geringere Hebelwirkung auf den Weltraumsektor bewusst akzeptiert.
Die entscheidende Kennzahl wird in den kommenden Jahren nicht die Zahl neuer Satelliten sein. Es sind die Cashflows, die aus ihnen entstehen. Wer in die Raumfahrt investiert, sollte deshalb nicht nur auf Raketenstarts und Großaufträge schauen, sondern darauf, ob aus politisch finanziertem Wachstum ein dauerhaft profitables Geschäft wird.
Der Artikel Wie man 2026 in die Raumfahrt investiert: Europäer sichern sich Milliarden-Deal! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.