Die Broadcom-Aktie pendelt seit Anfang September zwischen 340 und 370 US$ auf und ab. Könnte diese Nachricht in Zukunft für weitere Umsatzmilliarden sorgen und wie sollten Anleger sie einordnen?
Milliardenfinanzierung von Anthropic
Der Hunger von KI-Modellentwicklern nach Rechenleistung ist derzeit fast unersättlich. Genauso groß ist aber auch ihr Hunger nach frischem Kapital. Die Finanzierung der erforderlichen KI-Cloud-Kapazitäten wird aktuell immer mehr zum Thema.
Nun lässt Broadcom in diesem Zusammenhang von sich hören. Medienberichten zufolge wird der Halbleitergigant Anthropic eine Finanzierung in Höhe von 42 Milliarden US$ zur Verfügung stellen. Das Geld soll Anthropic dabei helfen, die Compute-Infrastruktur zu bezahlen, die der Claude-Entwickler für das Training und den Betrieb seiner Modelle benötigt.
Dabei geht es insbesondere um Google-TPUs, die Broadcom für Google entwickelt und liefert. Anthropic hat sich verpflichtet, über fünf Jahre TPU-Rechenkapazität im Wert von etwa 125 Milliarden US$ zu leasen. Die Broadcom-Finanzierung könnte also ungefähr ein Drittel dieser Verpflichtung abdecken.
Das Kapital wird Broadcom Anthropic in Form von Wandelanleihen zur Verfügung stellen, die später in Aktien des KI-Entwicklers umgewandelt werden können. Die Convertible Notes sollen jedoch erst nach dem erfolgreichen Abschluss des IPOs ausgegeben bzw. beansprucht werden. Das heißt, dass Broadcom zunächst Gläubiger von Anthropic wird, später aber auch Aktionär werden könnte.
Warum macht Broadcom das? Für Broadcom ist die Finanzierung strategisch enorm interessant. Anthropic soll laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters 2027 Broadcoms größter Compute-Kunde werden. Broadcom hat also ein überragendes Interesse daran, dass Anthropic seine Expansion so schnell wie möglich finanzieren kann.
Wie gefährlich ist das für Broadcom?
In der KI-Cloud-Branche ist derzeit viel von sogenannten „Kreislauffinanzierungen“ die Rede und auch der Broadcom-Anthropic-Deal fällt zweifellos in diese Kategorie. Bei diesen Finanzierungen leihen Chiphersteller (wie Broadcom und Nvidia) KI-Modellentwicklern (wie Anthropic und OpenAI) Milliardensummen, die sie in die Lage versetzen, sich Rechenkapazitäten bei Cloud-Anbietern (wie Alphabet, Amazon und Microsoft) zu mieten.
Mit dem Geld, das von den KI-Unternehmen an die Cloud-Anbieter fließt, kaufen diese wiederum neue Chips bei den Halbleiterherstellern, um ihre Rechenzentren auszubauen. Das Geld fließt somit über einen Umweg wieder an die Chiphersteller zurück und der Kreislauf ist geschlossen.
Grundsätzlich lässt sich nichts gegen solche Kreislauffinanzierungen sagen. Sie können sich als Win-win-win-Situation für alle drei beteiligten Parteien erweisen. Das aber nur, solange sich das Finanzierungsrad dreht. Gerät es ins Stocken, kann es sehr schnell sehr gefährlich werden.
Sollte die Nachfrage nach KI-Leistungen nicht so hoch wie erwartet ausfallen, müssten Anthropic & Co. ihrerseits ihre Nachfrage nach Rechenkapazitäten reduzieren. Das würde die Rentabilität der Rechenzentren der Cloud-Betreibern beeinträchtigen und sie würden weniger Chips bei den Halbleiterherstellern kaufen. Gleichzeitig könnten die KI-Modellentwickler die Finanzierung der Darlehen schlechter bedienen. Im Worst Case könnte dadurch der gesamte KI-Cloud-Chip-Markt in eine unkontrollierte Abwärtsspirale geraten.
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Eine gute und eine schlechte Nachricht
Charttechnisch gibt es bei Broadcom derzeit eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Bei 340 US$ scheint der Chipriese einen Boden gefunden zu haben. Die schlechte: Die Aktie schafft derzeit keine über 370 US$ hinausgehende Erholung. Ich gehe davon aus, dass die Broadcom-Aktie bei den nächsten guten Nachrichten nach oben aus dieser Kurs-Range ausbrechen wird.
Mehr Vorteile als Risiken
Ich bin grundsätzlich kein Fan von Kreislauffinanzierungsmodellen, sehe darin aber trotzdem keine größere Gefahr für Broadcom. Der Chipgigant ist finanziell so solide aufgestellt, dass er eine 42 Milliarden US$-Finanzierung locker tragen kann.
Broadcom generierte 2025 einen Free Cashflow von 27 Milliarden US$. Im laufenden Jahr dürfte der Wert auf über 40 Milliarden US$ steigen. Zudem ist die Nettoverschuldung des Tech-Konzerns mit rund 35 Milliarden US$ nicht sonderlich hoch.
Für mich ist die Broadcom-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau zweifellos einen Kauf wert. Das Forward-KGV liegt bei knapp unter 20 und das bei einem Umsatzwachstum von über 60% (2026 und 2027) und einer operativen Marge von mehr als 40%. Man kann also durchaus von einem Schnäppchen sprechen.
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Die Finanzierung von Anthropic hat durchaus ihre Risiken, aber meiner Meinung nach überwiegen die Vorteile. Sie wird den KI-Modellentwickler über Jahre eng an Broadcom binden — das dürfte sogar der primäre Zweck sein.
Wer auf der Suche nach einem sehr fair bewerteten Technologiewert ist, wird in der Broadcom-Aktie fündig. Sie hat meiner Überzeugung nach noch jede Menge Upside.
Broadcom in Kürze
- Broadcom (WKN: A2JG9Z) mit Sitz im kalifornischen San José ist ein Halbleiterkonzern, der Produkte in den Bereichen Analog- und Digitaltechnik, Mixed-Signal und Optoelektronik herstellt.
- Das Unternehmen produziert hochintegrierte Schaltkreise, die die Breitbandkommunikation sowie die Übertragung von Audio, Video und Daten ermöglichen.
- Broadcom bietet komplette System-on-a-Chip-Lösungen und damit verwandte Hardware- und Softwareanwendungen für jede Form von Breitbandkommunikation.
- Zur Produktpalette gehören Lösungen für Digitalkabel-, Satelliten- oder Internet-Protokolle, Set-Top-Boxen, HDTV-Geräte, Smartphones, GPS sowie Kabel-/DSL-Modems und Chips für die Mobilfunkkommunikation.
- Broadcom notiert sowohl im US-Leitindex S&P 500 als auch im Technologieindex Nasdaq 100. Mit einem Börsenwert von rund 1,64 Billionen US$ gehört Broadcom zu den zehn wertvollsten Unternehmen der Welt.
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