Die Bayer-Aktie erlitt am Donnerstag einen deutlichen Kursrückgang von rund -5% und notiert am Freitag aktuell bei etwa 45 €. Damit ist ein großer Teil des Kursanstiegs aus dem Juni wieder verloren gegangen. Hier stellt sich die Frage: Sind die neuen Sorgen um die Geschäftsentwicklung gerechtfertigt – oder bietet der Kursrückgang bereits eine Einstiegschance?
Markterwartungen möglicherweise zu hoch
Am Donnerstag war die Bayer-Aktie mit einem Verlust von mehr als -5% der größte Verlierer im DAX.
Auslöser für den Abverkauf war eine Einschätzung von JPMorgan. Das Institut hält die Erwartungen des Marktes an das dritte Quartal für zu hoch. Insbesondere im Agrargeschäft könnten Risiken bestehen.
Im dritten Quartal bestellen Landwirte unter anderem Saatgut für die Winteraussaat. Nach Einschätzung von JPMorgan könnte Bayer hier mit einem stärkeren Preisdruck seitens der Abnehmer konfrontiert sein.
Die tatsächlichen Zahlen werden erst mit der Veröffentlichung des Quartalsberichts am 3. November vorliegen.
Auch die Deutsche Bank äußerte sich zuletzt vorsichtiger zur Geschäftsentwicklung. Von Bayer selbst gab es bislang keine entsprechende Gewinnwarnung.
Die Folge der Einschätzungen war ein deutlicher Kursrückgang, bei dem offenbar auch zahlreiche Anleger Gewinne mitnahmen.
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Anhörung im US-Vergleichsverfahren
Neben dem operativen Geschäft bleibt der Glyphosat-Rechtsstreit der entscheidende Unsicherheitsfaktor.
Am 14. September fand vor einem US-Gericht in Missouri eine wichtige Anhörung statt. Bayer möchte die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Unkrautvernichtungsmittel Roundup über einen Sammelvergleich beilegen.
Dabei steht eine maximale Vergleichssumme von 7,2 Milliarden US$ über einen Zeitraum von 21 Jahren im Raum. Aktuell bestehen noch rund 67.000 offene Verfahren.
Eine endgültige Entscheidung über die Genehmigung des Vergleichsverfahrens steht noch aus.
Bewertung
Die mögliche Einigung im Glyphosat-Komplex bleibt für Bayer von großer Bedeutung.
Zusammen mit dem positiven Urteil des US Supreme Court zur Frage der fehlerhaften Kennzeichnung könnte ein genehmigtes Sammelvergleichsverfahren dazu beitragen, die langjährigen Rechtsstreitigkeiten deutlich zu reduzieren. Allerdings bleibt die Entscheidung des zuständigen Gerichts abzuwarten.
Die aktuellen Sorgen um das dritte Quartal sollten ebenfalls nicht überbewertet werden. Im Halbjahresbericht hatte Bayer seine Jahresprognose bestätigt.
Demnach wird für das Gesamtjahr ein Umsatz von 44 bis 47 Milliarden € erwartet. Das bereinigte EBITDA soll zwischen 9,6 und 10,1 Milliarden € liegen.
Damit würde Bayer beim EBITDA am oberen Ende der Prognose ungefähr das Vorjahresniveau erreichen beziehungsweise leicht übertreffen. Im Vorjahr wurden 45,58 Milliarden € Umsatz und 9,67 Milliarden € bereinigtes EBITDA erzielt.
Ein wesentlicher Wachstumstreiber war zuletzt das Agrargeschäft. Sollte sich dort die Entwicklung im dritten Quartal tatsächlich abschwächen, könnte sich die Belastung im weiteren Jahresverlauf teilweise wieder ausgleichen.
Auch die Analysten sehen trotz der aktuellen Sorgen weiterhin Potenzial. JPMorgan bestätigte sein Kursziel von 61 €, während die Deutsche Bank einen fairen Wert von 70 € nennt.
Kurzfristig spricht wenig für einen schnellen und nachhaltigen Kursanstieg. Nach dem starken Kursrückgang dürfte die Aktie zunächst stärker von den Erwartungen an die Quartalszahlen und den Nachrichten zum Glyphosat-Komplex abhängig bleiben.
Eine größere Seitwärtsbewegung zwischen etwa 45 und 55 € erscheint daher zunächst wahrscheinlicher. Für langfristig orientierte Anleger bietet der Kursrückgang wieder günstigere Einstiegschancen.
Mittelfristig bleibe ich zuversichtlich und halte einen Kurs von 60 € für realistisch.
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Bayer in Kürze
- Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
- Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
- Das Unternehmen ist im DAX gelistet. An der Börse wird es aktuell mit 44,1 Milliarden € bewertet.
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