Wer kennt das nicht? Eine Aktie verdoppelt sich – und plötzlich entsteht eine schwierige Charakterfrage. Soll man den Gewinn sichern oder weiter investiert bleiben?
Genau an diesem Punkt verkaufen leider viele Anleger. Im Nachgang allerdings viel zu früh, denn die ganz großen Vermögenseffekte von 1.000 oder 10.000 % stellen sich selten innerhalb weniger Monate ein – sondern über viele Jahre und Jahrzehnte.
Wer also einen echten Multi-Bagger erwischen möchte, braucht nicht nur eine gute Aktie, sondern vor allem die Disziplin, ihr Zeit zu geben.
Das klingt jetzt einfacher, als es ist, denn einen Buchgewinn von 50 oder 100 % zu realisieren, fühlt sich vor dem Verkauf immer gut an.
Die Aussicht auf eine mögliche Verzehnfachung in zehn oder 15 Jahren dagegen bleibt zunächst abstrakt. Es dominiert am Ende auch die Angst, dass die Gewinne nur für den Moment nachhaltig sein könnten. Wer dem jedoch nachgibt, hat das langfristige Investieren nicht verstanden.
Warum gerade erfolgreiche Aktien zum Verkaufsproblem werden
Das Paradoxe an der Börse ist eben, dass der Wunsch, den Gewinn endlich festzuschreiben, umso stärker werden kann, je besser sich eine Aktie entwickelt. Aus eigener Erfahrung kann ich dagegen sagen, dass sich der überwiegende Teil meiner Aktien nach dem Verkauf deutlich besser entwickelt hat als davor.
Aus 10.000 Euro werden 20.000 Euro. Statt sich über die Entwicklung des Unternehmens zu freuen, denkt ein Anleger plötzlich: „Was ist, wenn ich das alles wieder verliere?“ Der Verkaufsbutton wirkt dann quasi wie eine Versicherung gegen die eigene Angst.
Doch ein gestiegener Aktienkurs allein ist noch kein überzeugendes Verkaufssignal. Entscheidend ist, ob sich die Investmentthese verändert hat?
Produziert das Unternehmen weiterhin steigende Gewinne? Ist der Markt, in dem es tätig ist, langfristig attraktiv? Besitzt das Unternehmen Wettbewerbsvorteile und kann es Kapital gewinnbringend reinvestieren?
Wenn die fundamentale Entwicklung intakt bleibt, kann ein zwischenzeitlicher Kursanstieg nur eine Etappe einer wesentlich längeren Wachstumsgeschichte sein.
Eine Aktie muss dabei keineswegs eine geradlinige Erfolgsgeschichte liefern. Kursrückgänge gehören an der Börse dazu. Auch kräftige Korrekturen können auftreten, obwohl sich am langfristigen Geschäftsmodell wenig verändert hat.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Anleger jede Gewinneraktie für immer halten sollten. Wenn sich die Bilanz nachhaltig verschlechtert, die Wachstumsperspektiven einbrechen oder die ursprüngliche Investmentthese nicht mehr trägt, kann auch ein Verkauf sinnvoll sein.
Wer Gewinner laufen lassen will, muss Unternehmen verstehen
Die Geschichte von Amazon, Netflix oder Monster Beverage zeigt, was an der Börse passieren kann, wenn außergewöhnliche Unternehmen über viele Jahre wachsen können – und Anleger ihnen die nötige Zeit geben. Der entscheidende Punkt ist dabei nicht, jede dieser Aktien frühzeitig zu erkennen. Viel wichtiger ist zu verstehen, welche Eigenschaften langfristig erfolgreiche Unternehmen gemeinsam haben.
Der Artikel 9 von 10 Anlegern scheitern: Diese emotionale Hürde kostet Anleger die größten Börsengewinne! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.