Die Siemens Energy-Aktie hat sich in den letzten Tagen zwischen 140 und 146 € eingependelt. Wird sie diese Nachricht aus der Seitwärtsbewegung rausholen und wie sollten Anleger sich nun positionieren?

Prognose bestätigt

Gestern fand der Pre-Close-Call zu den Zahlen für das Geschäftsjahr 2026 statt, das am 30. September zu Ende ging. Die Quintessenz daraus ist, dass alle Prognosen im Wesentlichen vom Management bestätigt wurden.

Beim Umsatz rechnet Siemens Energy mit einem vergleichbaren Wachstum von 14 bis 16%. Etwas optimistischer ist der Ausblick auf die Ergebnismarge vor Sondereffekten. Hier geht das Management von oberen Ende der Spanne zwischen 10 und 12% aus. Ebenso bestätigt wurden der Nettogewinn von rund 4 Milliarden € und der Free Cashflow vor Steuern von etwa 8 Milliarden €.

In Summe: Die Zahlen werden nicht besser ausfallen als die bisherigen Prognosen, aber es gab auch keine Enttäuschung.

Der Engpass ist bei Siemens Energy schon längst nicht mehr die Nachfrage, sondern die Geschwindigkeit, mit der Energieanlagen genehmigt, finanziert, produziert, angeschlossen und in Betrieb genommen werden können. Bei vielen Produkten übersteigt die Nachfrage die physische Kapazität der Branche.

Der Auftragsbestand des Energietechnikkonzerns lag zum Ende des dritten Quartals bei rund 162 Milliarden €. Das entspricht in etwa dem 3,5-fachen Jahresumsatz. Allein im dritten Quartal kamen rekordhohe neue Aufträge von fast 18 Milliarden € hinzu. Das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei 1,57. Siemens Energy bekommt also weiterhin wesentlich mehr neue Aufträge herein, als es aktuell abarbeiten kann.

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Das Gasturbinengeschäft brummt

Besonders das Geschäft mit Gasturbinen brummt. Siemens Energy geht inzwischen von einem weltweiten Markt für große Gasturbinen von etwa 110 bis 120 Gigawatt pro Jahr aus. Zusätzlich könnten Rechenzentren weitere 10 bis 20 Gigawatt Nachfrage erzeugen.

Der Konzern will vor diesem Hintergrund die Produktion großer Gasturbinen von derzeit 35 auf zukünftig 50 Einheiten pro Jahr steigern. Diese zusätzliche Kapazität soll ab dem Geschäftsjahr 2027 zum Wachstum beitragen. Bei mittelgroßen Gasturbinen wurde die Produktionskapazität bereits in diesem Jahr von 50 auf 80 Einheiten erhöht. Auch diese Erhöhung wird sich erst im neuen GJ voll umsatzmäßig auswirken.

Und noch eine interessante Aussage des Managements beim Call: Neu abgeschlossene Aufträge haben höhere Margen als ältere Aufträge. Der positive Margeneffekt soll vor allem über die kommenden zwei bis drei Jahre durch die Umwandlung des Auftragsbestands in Umsatz kommen. Bei großen Gasturbinen erstreckt sich der Effekt jedoch über längere Zeiträume.

Gasturbinen haben nach dem Verkauf übrigens ein sehr lukratives Servicegeschäft. Die langfristigen Serviceverträge haben laut Management im Durchschnitt eine Laufzeit von etwa 17 Jahren.

Lichtblick bei der Windkraft

Nicht zuletzt gab es im Management-Call auch gute Nachrichten aus dem Windkraftsegment. Die Tochter Siemens Gamesa bleibt auf Kurs für ein ausgeglichenes Gesamtjahresergebnis 2026. Das vierte Quartal war das erste positive Vierteljahr seit mehreren Jahren.

Der Turnaround der Windkraftsparte ist laut Management aber noch nicht abgeschlossen. Probleme bleiben insbesondere Projektverschiebungen, die Kosten und die Qualität sowie die operative Umsetzung.

Gleichzeitig hält das Siemens Energy-Management den Offshore-Windmarkt wegen zu geringer Nachfrage derzeit für nicht besonders attraktiv. Für 2027 erwartet Siemens Gamesa aber eine bessere Auftragssituation. Das Management setzt inzwischen aber stärker auf selektives Geschäft und Profitabilität statt auf Volumen um jeden Preis.

Interessantes Chartsignal voraus

Die Siemens Energy-Aktie könnte charttechnisch vor einem größeren Signal stehen. Das sich seit Mai abzeichnende absteigende Dreieck nähert sich langsam seinem Schnittpunkt. Ich gehe davon aus, dass der DAX-Titel beim Zusammentreffen der oberen schrägen und der unteren waagrechten Trendlinie mit einem Ausbruch nach oben reagieren wird.

Noch weiteres Potenzial

Ich sehe auf Grundlage der Informationen aus dem Pre-Close-Call weiteres Potenzial in der Siemens Energy-Aktie. Mit einem Forward-KGV von 22 ist sie meiner Meinung nach nicht zu hoch bewertet.

Das dynamische Wachstum des Energietechnikkonzerns im mittleren Zehnerbereich wird sich auch 2027 und in den Jahren danach fortsetzen. Der Berg an Aufträgen von Siemens Energy ist bereits gewaltig hoch und wird zukünftig noch weiter wachsen.

Gleichzeitig hat der DAX-Konzern noch Potenzial bei den Margen. Das Gasturbinengeschäft brummt und sorgt aufgrund des knappen Angebots für Premiumpreise. Zugleich fokussiert sich das Management auch bei der Windkraft auf Ergebnisqualität vor Umsatzquantität. Ich gehe deshalb davon aus, dass Siemens Energy in der Lage ist, seinen Gewinn in den nächsten Jahren schneller zu steigern als seinen Umsatz.

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Bei knapp über 130 € scheint die Siemens Energy-Aktie einen Boden gefunden zu haben. Das aktuelle Kursniveau von etwas über 140 € halte ich deshalb für ein interessantes Einstiegsniveau.

Mit der Siemens Energy-Aktie können Anleger meiner Überzeugung nach wenig falsch machen. Die grandiose Performance der letzten Jahre wird sich zwar nicht wiederholen, aber eine weitere Outperformance des DAX ist realistisch.

ℹ Siemens Energy in Kürze

  • Siemens Energy (WKN: ENER6Y) ist ein Elektro- und Energietechnikhersteller mit Sitz in München. Der Konzern stellt etwa Windkraftturbinen, Dampf- und Gasturbinen, Generatoren, Transformatoren und sonstige Kraftwerkstechnik her.
  • Siemens Energy entstand 2020 durch eine Abspaltung aus dem Siemens-Konzern.
  • Die Aktie ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäische Leitindex EuroStoxx 50. An der Börse ist Siemens Energy derzeit mit rund rund 124 Milliarden € bewertet.

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