Ralf Anders: Figma
Nachdem die 20-Milliarden-Übernahme durch Adobe 2023 an den Wettbewerbsbehörden gescheitert war, fuhr der Softwareriese seine Ambitionen in diesem Segment zurück, während Figma (WKN: A41DRC) auf sich allein gestellt durchstartete und zum De-facto-Standard für die umfassende Entwicklung digitaler Produktoberflächen wurde. Der Börsengang 2025 löste einen Hype aus, der Kurs kletterte auf über 120 US-Dollar. Seither ist Ernüchterung eingekehrt, die Aktie ist um mehr als 80 % günstiger geworden.
Ein wesentlicher Grund besteht in den Diskussionen um disruptive KI-native Konkurrenz. Doch die Zahlen erzählen eine andere Geschichte: Im Q2 wuchs der Umsatz um 48 % auf 370 Mio. Dollar, die Kundenbindungsrate lag bei herausragenden 136 % und die Jahresprognose wurde angehoben. Figma ist tief in den Technologie-Stack kreativer Teams integriert – ein Wechsel kostet mehr, als KI-Tools kurzfristig einsparen könnten. Die Aktie könnte im Oktober interessant werden.
Ralf Anders besitzt keine Aktien von Adobe oder Figma.
Caio Reimertshofer: Realty Income
Bei Realty Income (WKN: 899744) ist die Sache eigentlich ziemlich einfach: Die Aktie ist zuletzt deutlich gefallen und damit für langfristige Anleger wieder interessanter. Im Moment notiert Realty Income rund 17 % unter dem Jahreshoch. Gleichzeitig steigt mit dem fallenden Kurs die Dividendenrendite. Die aktuelle Jahresdividende liegt bei 3,258 US-Dollar je Aktie.
Warum ist der Kurs gefallen? Vor allem das Zinsumfeld macht Immobilienaktien aktuell unattraktiver. Genau darin kann aber auch die Chance liegen. Drehen Zinsen und Konjunktur wieder in eine bessere Richtung, dürfte das auch Realty Income helfen.
Für mich ist die Aktie deshalb besonders interessant für einen langfristigen Sparplan. Realty Income zahlt jeden Monat Dividende und hat diese zuletzt sogar weiter erhöht. Wer regelmäßig investiert und die Ausschüttungen wieder anlegt, kann über viele Jahre vom Zinseszinseffekt profitieren. Das Unternehmen selbst erwartet für 2026 ein AFFO von 4,44 bis 4,45 US-Dollar je Aktie – rund 4 % Wachstum gegenüber dem Vorjahr.
Gerade nach dem Kursrückgang bekommt man damit heute mehr laufenden Cashflow für das gleiche Geld. Das ist bei einem Unternehmen wie Realty Income aus meiner Sicht durchaus interessant.
Caio Reimertshofer besitzt Aktien von Realty Income.
Peter Roegner: Intercontinental Exchange (ICE)
Meine Aktie des Monats ist der Börsenbetreiber Intercontinental Exchange (WKN: A1W5H0). Zu der Gruppe gehören die traditionsreiche New York Stock Exchange (NYSE) ebenso wie der elektronische Handel von Optionen und Futures auf Elektrizität, Energie- und Agrarrohstoffe. Der bekannte Brent-Rohöl-Kontrakt wird an einer ICE-Börse in London gehandelt. In jüngster Zeit hat ICE zudem in innovative Bereiche wie Wetten, tokenisierte Wertpapiere und Blockchain-Infrastrukturen investiert.
Die ICE-Aktie bietet einen gewissen Schutz vor Krisen. Eine hohe Marktvolatilität führt zu mehr Handel an den Börsen und der Bedarf an Absicherungen steigt. Davon profitiert ICE direkt.
Das Unternehmen überzeugt mit regelmäßigem Umsatz- und Gewinnwachstum sowie extrem hohen Margen. Langfristige Anleger können mit dieser Aktie an den wachsenden Finanzmärkten teilhaben.
Peter Roegner besitzt Aktien von Intercontinental Exchange.
Frank Seehawer: AL Sydbank
Die Konsolidierung im europäischen Bankensektor schreitet voran. Sydbank, Arbejdernes Landsbank und die Vestjysk Bank haben diesen Schritt bereits im vergangenen Jahr vollzogen.
Heute ist die daraus entstandene AL Sydbank (WKN: A0D9FT) die fünftgrößte dänische Bank und mein Favorit für den Oktober 2026. Die Aktie profitiert aber auch von einem starken operativen Momentum. Wichtige operative Kennzahlen drehen sich nach oben.
Außerdem steigen die Zinsen in Europa wieder, während die konjunkturelle Lage weiterhin robust bleibt. Ein perfektes Umfeld also für einen Finanzwert.
Gemessen an den erwarteten Fusionssynergien halte ich die Bewertung mit einem erwarteten KGV von 15 für weiterhin attraktiv. Neue Allzeithochs könnten wahrscheinlich sein.
Frank Seehawer besitzt keine Aktien der AL Sydbank.
Hendrik Vanheiden: NextEra Energy
Im Oktober schaue ich mir NextEra Energy (WKN: A0M4B2) genauer an. Obwohl die Nachfrage nach Strom durch den KI-Rechenzentren-Boom rasant steigt und speziell grüne Energie gefragt ist wie nie, ist die Aktie des weltgrößten Betreibers von Wind- und Solarparks zuletzt deutlich gefallen.
Ein Grund dafür könnte die geplante Mega-Fusion mit Dominion Energy zum weltweit größten regulierten Stromversorger sein. Denn so große Transaktionen sind häufig mit Problemen verbunden – Aktionäre von Bayer (Monsanto) oder Discovery (WarnerMedia) können ein Lied davon singen. NextEra Energy und Dominion scheinen mir besser zusammenzupassen. Denn NextEra ist stark bei Erneuerbaren und in Florida verankert, Dominion bei regulierten Netzen und Kernkraft in Virginia und den Carolinas. So soll der Gewinn je Aktie zukünftig mit mehr als 9 % im Jahr zulegen. Gemessen daran und am äußerst verlässlichen Geschäft erscheint das erwartete KGV von 18 nicht zu hoch.
Hendrik Vanheiden besitzt Aktien von NextEra Energy.
Peter Wolf-Karnitschnig: OHB
Ich sehe im Oktober gute Chancen für einen Rebound der OHB-Aktie (WKN: 593612). Der deutsche Raumfahrttitel wurde in den letzten Monaten stark an der Börse abgestraft – meiner Meinung nach zu stark.
Für ein Hightechunternehmen, das mit voraussichtlich 16 % (2026) und 26 % (2027) wächst und gleichzeitig seine Gewinnmarge leicht steigern dürfte, halte ich ein Forward-KGV von 33 nicht für zu hoch. Die Bewertung spricht demnach für steigende Kurse.
Gleichzeitig sorgt OHB kontinuierlich für gute Nachrichten. Zuletzt vereinbarte der Bremer Satellitenhersteller eine Kooperation mit dem schwedischen Rüstungskonzern Saab. Darüber hinaus ist die OHB-Aktie seit wenigen Tagen Mitglied im TecDAX-Index. Auch diese Listung dürfte ihr weiteren Rückenwind durch mehr Visibilität bei Anlegern und stärkere Fondszuflüsse geben.
Peter Wolf-Karnitschnig besitzt keine Aktien von OHB.
Der Artikel Top-Aktien für Oktober 2026 ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.