Die BioNTech-Aktie konnte ihren starken Kursanstieg im August bis auf rund 115 US$ nicht halten und korrigierte anschließend deutlich. Am Dienstag notiert die Aktie aktuell bei 99 US$. Hier stellt sich die Frage: Bestehen hier überhaupt noch Chancen auf nachhaltig steigende Kurse oder droht ihr das gleiche Schicksal wie Evotec.?
Drei Werke werden geschlossen
Im Zuge der eingeleiteten Restrukturierung war auch der Verkauf von drei Niederlassungen in Deutschland vorgesehen.
Mittlerweile steht fest, dass kein Käufer für die jeweiligen Standorte gefunden wurde. Damit sollen die Werke geschlossen werden. Für die Standorte sind folgende Termine vorgesehen: Tübingen Ende 2027 sowie Idar-Oberstein und Marburg jeweils Ende 2028.
Insgesamt sind davon rund 1.800 Mitarbeiter betroffen. Der notwendige Personalabbau soll sozialverträglich erfolgen.
Die Restrukturierung ist erforderlich, weil die Nachfrage nach dem Corona-Impfstoff drastisch zurückgegangen ist und weiter sinken dürfte. Gleichzeitig fehlen derzeit entsprechende Ersatzprodukte in vergleichbarer Größenordnung. Dadurch entstanden Überkapazitäten, die nun abgebaut werden müssen.
Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.
Gründerehepaar verlässt das Unternehmen
Ugur Sahin und Özlem Türeci wurden durch die Entwicklung des Corona-Impfstoffs weltweit bekannt und führten BioNTech zu einem enormen wirtschaftlichen Erfolg.
Mittlerweile steht fest, dass das Ehepaar das Unternehmen zum Jahresende verlassen. Beide bleiben BioNTech jedoch weiterhin als Anteilseigner verbunden.
Künftig wollen sich Sahin und Türeci wieder stärker auf die Forschung konzentrieren und haben dafür bereits das neue Unternehmen Arife gegründet. Der Forschungsschwerpunkt liegt ebenfalls auf der Krebsforschung.
Geschäftsentwicklung deutlich verschlechtert
Die Geschäftsentwicklung im laufenden Jahr ist von einem starken Umsatzrückgang und hohen Verlusten geprägt.
Der Nettoumsatz sank im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 59,5 % auf 105,6 Millionen €. Ausschlaggebend war vor allem der weitere Rückgang beim Absatz des Covid-19-Impfstoffs.
Gleichzeitig führten hohe Forschungs- und Verwaltungskosten zu einem bereinigten Verlust von 562,3 Millionen €.
Bereits im ersten Quartal hatte sich eine ähnliche Entwicklung gezeigt. Bei einem Umsatz von 224 Millionen € belief sich der bereinigte Nettoverlust auf rund 1,1 Milliarden €.
Prognose gesenkt
Die reduzierte Jahresprognose ist eine direkte Folge der schwachen Entwicklung im ersten Halbjahr.
Für das zweite Halbjahr wird zwar mit einer Verbesserung des Umsatzes gerechnet. Die bisherige Prognose von 2,0 bis 2,3 Milliarden € ist jedoch nicht mehr erreichbar.
Nun erwartet BioNTech für das Gesamtjahr einen Umsatz zwischen 1,6 und 1,9 Milliarden €. Die Gesamtkosten sollen bei 2,7 bis 3,1 Milliarden € liegen.
Bewertung
Dass für die drei deutschen Standorte kein Käufer gefunden wurde, ist ein Rückschlag für die Restrukturierung. Die Produktionsstätten müssen nun schrittweise geschlossen werden, wodurch zunächst zusätzliche Kosten entstehen können.
Gleichzeitig zeigt sich, wie schwierig der Übergang von den außergewöhnlich hohen Corona-Umsätzen zu einem nachhaltig profitablen Geschäftsmodell ist.
Auch die Übernahme von CureVac muss inzwischen kritisch betrachtet werden. Allerdings dürfte dabei nicht allein die operative Entwicklung eine Rolle gespielt haben. Mögliche Ansprüche im Zusammenhang mit Patenten und daraus resultierende rechtliche Risiken könnten ebenfalls ein wesentliches Motiv für die Transaktion gewesen sein.
Das größte Problem bleibt jedoch die fehlende Ertragskraft. Solange keine neuen Produkte den Rückgang beim Corona-Impfstoff kompensieren können, dürfte BioNTech weiterhin hohe Verluste schreiben.
Das vorhandene Finanzpolster von rund 17 Milliarden US$ bietet zwar eine erhebliche finanzielle Basis. Bei anhaltend hohen Verlusten wird dieses Polster jedoch schrittweise abnehmen.
Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch das Ausscheiden von Sahin und Türeci. Mit Arife entsteht ein neues Unternehmen, das ebenfalls einen Schwerpunkt auf der Krebsforschung hat. Damit könnten zumindest teilweise neue Wettbewerbsstrukturen entstehen.
Entscheidend für die weitere Bewertung von BioNTech ist deshalb, ob es dem Unternehmen gelingt, aus der umfangreichen Forschungspipeline neue Umsatz- und Ergebnistreiber zu entwickeln.
In der jetzigen Situation sehe ich keine ausreichenden Voraussetzungen für einen nachhaltigen Kursanstieg.
Kurzfristig halte ich daher eher eine Seitwärtsbewegung oder weitere Kursrückgänge für möglich. Für einen nachhaltigen Aufwärtstrend müsste BioNTech zunächst zeigen, dass neue Produkte den Wegfall der Corona-Umsätze tatsächlich kompensieren können.
In der Summe halte ich die Aktie von BionTech zukünftig als wenig interessant. Ohne das finanzielle Polster ist das Unternehmen deutlich überbewertet. Es könnte zur zweiten Evotec werden.
Übrigens: Mitglieder des auf Biotech-Aktien spezialisierten No Brainer Club kommen derzeit aus dem Feiern nicht mehr raus. Du möchtest das Mastermind hinter den NBC-Empfehlungen kennenlernen? Dann sichere Dir jetzt den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.
BioNTech in Kürze
- BioNTech (WKN: A2PSR2) ist ein deutsches Biotech-Unternehmen mit Sitz in Mainz, das auf die Entwicklung und Herstellung patientenspezifischer aktiver Immuntherapien zur Behandlung von Krebs und Infektionskrankheiten fokussiert ist.
- In den letzten Jahren wurde das Unternehmen durch seinen Impfstoff gegen das Coronavirus (Covid-19) weltbekannt und entwickelte sich zu einem Milliardenkonzern.
- An der Börse ist BioNTech derzeit mit rund 25 Milliarden US$€ bewertet.
The post BioNTech-Aktie: Entsteht hier eine zweite Evotec? first appeared on sharedeals.de.