Die Talfahrt der BYD-Aktie nimmt momentan kein Ende. Seit über einem Monat findet der Kurs des chinesischen Autokonzerns nun schon keinen Boden. Inzwischen ist er seinem 2-Jahrestief bei 8,16 € bedrohlich nahegerückt. Was zieht die BYD-Aktie immer weiter in den Kurskeller und können Anleger hier schon ein Schnäppchen machen?

Krise in China

Die BYD-Aktie ist derzeit zerrissen zwischen einem sehr schwachen Inlandsgeschäft und einem sehr starken Auslandsgeschäft. Die Börse scheint dem miesen Business auf dem Heimatmarkt momentan mehr Gewicht beizumessen. Wie sehen denn die Zahlen aus?

Im August verkaufte BYD in China rund 251.000 Fahrzeuge. Das sind 14% weniger als noch im Vorjahr.

Ein noch viel schlechteres Bild ergibt sich beim Blick auf den bisherigen Inlandsabsatz im laufenden Jahr. Von Januar bis August brachen die Verkäufe von Build Your Dreams in der Volksrepublik um 32,7% ein. Diese dramatische Zahl macht deutlich, wie stark die Nummer 1 auf dem chinesischen Automarkt zuletzt an Marktanteilen verloren hat.

Gleichzeitig boomt der Export von BYD. Im August schossen die Absatzzahlen der Chinesen im Ausland um 134,5% auf Jahressicht nach oben. Trotzdem kann dieser Exportboom noch nicht das wegbrechende Inlandsgeschäft kompensieren, wie die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 zeigen.

Insgesamt verzeichnete BYD einen Umsatzrückgang um 7,1%. Noch dramatischer ist jedoch die Ergebnisentwicklung. Der Nettogewinn brach in den ersten sechs Monaten des Jahres um 20,5% ein. Die anhaltende Rabattschlacht auf dem chinesischen Markt hinterlässt auch in der G&V von BYD deutliche Spuren.

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Boom in Europa

Um den Exportboom weiter anzukurbeln gibt BYD derzeit vor allem auf dem europäischen Markt Vollgas. Besonders gut läuft es derzeit auf dem deutschen Markt. Der chinesische Autokonzern hat bereits den Absatz des Vorjahres übertroffen.Getrieben wird der Erfolg vor allem durch Modelle wie den Plug-in-Hybrid BYD SEAL U DM-i, der sich mehrfach als meistverkaufter Plug-in-Hybrid in Deutschland behaupten konnte.

Auf seiner diesjährigen Händlerkonferenz in Deutschland hat BYD seine Strategie bekräftigt, das Händlernetz stark auszubauen. Bis Jahresende sollen bis zu 350 Standorten eröffnet und der Fokus noch stärker auf den stationären Autohandel gelegt werden. Zudem wurden Pläne für ultraschnelle Ladeinfrastrukturen (Lade-Hubs im Handel) vorgestellt.

Auf Grundlage der großen Absatzerfolge in Europa will BYD auch seine Produktion hierzulande ausbauen. Langfristig sind drei Montagewerke und eine Batteriefabrik geplant. Nach dem Werk in Ungarn könnte ein zweites in Frankreich oder Spanien entstehen. Eine Entscheidung darüber soll bis Jahresende fallen.

Kurs auf das 2-Jahrestief

Das Chartbild der BYD-Aktie hat sich zuletzt deutlich verdüstert. Seit dem 3-Monatshoch Ende Juli befindet sich der Kurs auf einer mehr oder weniger kontinuierlichen Talfahrt.

Aktuell notiert die Aktie nur noch knapp 5% über ihrem 2-Jahrestief bei 8,16 €. Es deutet viel darauf hin, dass BYD dieses Mehrjahrestief in den kommenden Tagen testen wird.

Vom Wettbewerb eingeholt

Obwohl das Forward-KGV der BYD-Aktie inzwischen auf 13 gesunken ist, stehe ich dem chinesischen Autokonzern nach wie vor skeptisch gegenüber und rate Anleger trotz des gesunkenen Aktienkurses nicht zu einem Kauf. Meine Skepsis liegt in der globalen Wettbewerbssituation begründet.

Der massive Verlust von Marktanteilen auf dem chinesischen Markt zeigt mir deutlich, dass andere Autobauer inzwischen attraktivere Modelle auf den Markt bringen als BYD. Daran wird sich meiner Meinung nach in Zukunft wenig ändern. Build Your Dreams wurde meiner Ansicht nach zwar nicht vom Wettbewerb überholt, aber es fährt ihm auch nicht mehr voraus.

Ein Kampf gegen Löwen

Eine ähnliche Entwicklung wie in China sehe ich für BYD auch am Horizont in Europa. Noch gewinnt der Konzern aufgrund seines „Neuigkeitswertes“ rasant Marktanteile.

Das wird aber nicht immer so bleiben. Die europäischen Platzhirsche werden wie die Löwen um ihre angestammten Plätze kämpfen. Das müssen sie auch, denn für Volkswagen & Co. geht es schlichtweg ums Überleben. Sollte sich die jüngste Entwicklung in China auch in Europa wiederholen, wäre es um den größten europäischen Autokonzern geschehen.

Gleichzeitig mischt sich auch die europäische Politik immer stärker in den globalen Automarkt ein. Aufgrund des gewaltigen Erfolgs chinesischer Hybridfahrzeuge denkt die Europäische Kommission über weitere Handelsbeschränkungen nach. Das würde BYD direkt treffen solange nicht ausreichend große Produktionskapazitäten in Europa selbst verfügbar sind.

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Mir ist die Situation von BYD im internationalen Wettbewerb zu unsicher. Auf dem chinesischen Markt wird der Autokonzern von anderen Herstellern massiv in die Mangel genommen.

Auf den Auslandsmärkten läuft es noch blendend. Aber die Frage ist, wie lange noch. Bei zunehmendem Wettbewerb könnte auch der Exportboom ein baldiges Ende nehmen.

ℹ BYD in Kürze

  • BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vor allem im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
  • Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
  • Mit einer Marktkapitalisierung von rund 80 Milliarden € zählt BYD zu den wertvollsten Konzernen Chinas.

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