Die Steyr-Motors-Aktie fiel zuletzt durch starke Kursschwankungen auf. Mal waren es Übernahmegerüchte, die den Kurs kräftig steigen ließen, mal sorgte eine Prognosesenkung Mitte August für einen deutlichen Rückgang. Am Montag notiert die Aktie aktuell bei 31,80 €. Hier stellt sich die Frage: Wo liegt ein fairer Wert für die Aktie?

Hoher Auftragsbestand als solide Basis

Eine wichtige Grundlage für die weitere Geschäftsentwicklung ist der hohe Auftragsbestand. Nach Unternehmensangaben verfügt Steyr Motors über einen Auftragsbestand von rund 310 Millionen € bis 2030.

Auch die Produktpipeline ist gut gefüllt und dürfte für weitere Auftragseingänge sorgen.

Zusätzlich zu den bereits kommunizierten Aufträgen über rund 500 Boote für die Navy Seals könnte ein weiterer Auftrag über bis zu 1.000 Boote von einem spanischen Kunden hinzukommen. Die Ausschreibung läuft bereits, der Produktionsstart ist für 2027 vorgesehen. Ob Steyr Motors den Auftrag tatsächlich erhält, ist allerdings noch offen.

Insgesamt spricht der Auftragsbestand dafür, dass das Unternehmen bereits für mehrere Jahre gut ausgelastet ist. Neue Aufträge könnten diese Visibilität weiter erhöhen.

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Prognose gesenkt

Bei Verteidigungsaufträgen gibt es die Besonderheit, dass die zuständigen Behörden zunächst entsprechende Freigaben und Abnahmegenehmigungen erteilen müssen. Dadurch können sich Aufträge und Auslieferungen teilweise verzögern.

Genau das belastete Steyr Motors zuletzt. Im Verteidigungsbereich konnten Umsätze von rund 10 Millionen € aufgrund verzögerter Freigaben nicht wie ursprünglich geplant realisiert werden.

Als Folge musste das Unternehmen seine Jahresprognose deutlich reduzieren.

Statt eines erwarteten Jahresumsatzes von 75 bis 95 Millionen € werden nun nur noch 55 bis 61 Millionen € erwartet.

Auch die EBIT-Marge wurde angepasst. Statt bislang 15 bis 25% werden jetzt nur noch 8 bis 12% in Aussicht gestellt.

Die bisherige mittelfristige Prognose wurde zudem vollständig gestrichen.

Zweites Halbjahr dürfte besser ausfallen

Trotz der Prognosesenkung bietet das zweite Halbjahr noch erheblichen Spielraum für eine Verbesserung.

Im ersten Halbjahr erzielte Steyr Motors einen Umsatz von 22,8 Millionen €. Die EBIT-Marge lag dabei unter 1%.

Aufgrund der angepassten Jahresprognose ist damit zu rechnen, dass Umsatz und insbesondere das Ergebnis im zweiten Halbjahr deutlich höher ausfallen werden.

Entsprechend spannend wird der nächste Quartalsbericht. Er dürfte zeigen, ob sich die erwartete operative Erholung tatsächlich materialisiert.

Bewertung

Im Hinblick auf den hohen Auftragsbestand ist in den kommenden Jahren grundsätzlich mit weiterem Wachstum zu rechnen.

Steyr Motors ist allerdings kein reiner Rüstungskonzern. Auch das zivile Geschäft besitzt eine hohe Bedeutung. Im ersten Halbjahr lag der Umsatz im zivilen Bereich mit 13,4 Millionen € sogar deutlich über dem militärischen Geschäft. Gerade im Defense-Bereich machten sich die verzögerten Auftragsfreigaben besonders bemerkbar.

Die inzwischen abgesagte Übernahme durch Red Cat sorgte zwar für einen Kursrückgang, gleichzeitig dürfte Steyr Motors aufgrund seiner Technologie und seiner Positionierung weiterhin für andere Unternehmen interessant sein.

Ob es tatsächlich zu einem neuen Übernahmeangebot kommt, ist derzeit offen. Für die operative Entwicklung ist ein solcher Schritt jedoch nicht notwendig.

Denn auch ohne Übernahme verfügt Steyr Motors über eine solide Auftragsbasis und eine gut gefüllte Produktpipeline. Gelingt es dem Unternehmen, die vorhandenen Aufträge planmäßig abzuarbeiten und neue Projekte zu gewinnen, dürfte sich dies langfristig auch positiv auf die Ertragslage auswirken.

Aus meiner Sicht besitzt die Steyr-Motors-Aktie mittelfristig weiteres Kurspotenzial.

Die Prognosesenkung hat zwar das Vertrauen der Anleger belastet. Die Aufträge sind damit nicht grundsätzlich weggefallen, sondern verschieben sich teilweise.

Der hohe Auftragsbestand von rund 310 Millionen € bis 2030 bildet daher weiterhin eine solide Grundlage. Hinzu kommt die gut gefüllte Produktpipeline.

Kurse von 40 € halte ich deshalb mittelfristig für realistisch. Ausgehend von aktuell 31,50 € entspricht dies einem Kurspotenzial von rund +27 %. Anleger sollten allerdings einen etwas  längeren Anlagehorizont mitbringen. Sollte dagegen erneut ein Übernahmeangebot auf den Tisch kommen, könnte der Kurs auch deutlich schneller in Richtung 40 € steigen.

Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.

ℹ Steyr Motors in Kürze

  • Die Steyr Motors AG (WKN: A40TC4) ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung und Produktion von Hochleistungs-Motoren. Diese werden vorwiegend in militärischen Spezialfahrzeugen, Booten (sowohl militärisch als auch zivil) sowie als Hilfsaggregate für Kampfpanzer und Lokomotiven eingesetzt werden.
  • Der Hauptsitz ist im österreichischen Steyr, das Unternehmen agiert weltweit.
  • Größte Aktionärin bleibt die Beteiligungsgesellschaft Mutares.
  • Die Börsennotierung im Scale-Segment erfolgt im Oktober 2024, die Börsenbewertung liegt aktuell bei 167 Millionen €.

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