An der deutschen Börse gibt es viele solide Unternehmen.  So auch bei SAP (WKN: 716460): Der Softwarekonzern wandelt sich immer stärker zum Cloud- und KI-Anbieter – genau dieser Umbau entscheidet über die nächste Phase der Investmentstory.

Die jüngsten Zahlen zeigen weiterhin ein kräftiges Wachstum. Die Bewertung ist noch attraktiv.

Risiken aus der KI-Agenten-Ökonomie sind dagegen allgegenwärtig. Dennoch überwiegen aus meiner Sicht die Chancen.

SAP wächst weiter zweistellig – doch die Erwartungen sind hoch

Die operative Entwicklung liefert bei SAP zunächst wenig Anlass für Skepsis. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Current Cloud Backlog um 27 % auf 22,9 Mrd. Euro. 

Auch die Cloud-Umsätze legten mit 22 % deutlich zu, die Erlöse der Cloud ERP Suite sogar um 25 %. Der Konzernumsatz wuchs am Ende mit 9 % solide.

Auch beim Ausblick bleibt SAP ambitioniert. Für 2026 erwartet das Unternehmen währungsbereinigt 25,8 bis 26,2 Mrd. Euro Cloud-Umsatz. Das entspricht einem Wachstum von 23 bis 25 %. 

Beim bereinigten Betriebsergebnis werden 11,8 bis 12,2 Mrd. Euro erwartet. Die Prognose wurde allerdings wegen des Verwässerungseffekts der Übernahmen von Dremio und Prior Labs leicht angepasst.

Genau hier liegt einer der entscheidenden Punkte für die Aktie. SAP muss das hohe Wachstum des Cloud-Geschäfts nicht auf die Konzernebene transferieren, sondern langfristig auch beim Gewinn in entsprechender Größenordnung abbilden. 

Allerdings steigen mit KI, Cloud-Infrastruktur und Akquisitionen die Investitionen. Mit einem 26er-KGV für 2026 und 22,5 für 2027 erwartet der Markt aber schon viel – und entsprechend wenig Spielraum bleibt für Enttäuschungen.

Die Equity Story ist für mich trotzdem überzeugend, denn SAP sitzt auf einem riesigen Bestand geschäftskritischer Unternehmenssoftware. Die Verlagerung bestehender Kunden in die Cloud ist ein notwendiger Prozess, sollte die wiederkehrenden Erlöse erhöhen und schafft zusätzliche Ansatzpunkte für Business-KI.

KI-Agenten: Der nächste Wachstumsschub – oder neue Konkurrenz?

Besonders spannend wird für SAP das Thema KI-Agenten. Gemeint sind intelligente Software-Systeme, die nicht nur Fragen beantworten, sondern eigenständig Geschäftsprozesse anstoßen und Aufgaben erledigen können. 

Für SAP eröffnet das eine große Chance, denn wenn solche Agenten direkt in ERP-, Finanz- und Personalprozesse integriert werden, könnte der Wert der SAP-Plattform für Unternehmenskunden weiter steigen. 

Allerdings entsteht auch ein Risiko, denn KI-Agenten könnten langfristig klassische Softwarefunktionen teilweise automatisieren und damit den Wert einzelner Anwendungen unter Druck setzen oder gar obsolet machen. Für SAP kommt es deshalb darauf an, nicht nur Anbieter der zugrunde liegenden Unternehmensdaten zu bleiben, sondern die eigenen Anwendungen zur zentralen Plattform für agentische KI zu machen. 

Gelingt das, könnte KI vom potenziellen Disruptionsrisiko zu einem weiteren Wachstumstreiber der Equity Story werden. Ich persönlich sehe die Chancen größer als die Risiken.

Fazit: SAP ist kein Schnäppchen – aber die Story bleibt intakt

SAP ist heute weniger eine klassische Substanzwette als eine Wette auf die Kombination aus Cloud, KI und steigenden wiederkehrenden Erlösen. Das Wachstum ist real, der adressierbare Markt groß und die strategische Position stark. Für mich bleibt SAP deshalb eine der interessantesten deutschen Wachstumsaktien.

Der Artikel Top-50-Aktien aus Deutschland: Nur diese Aktie kommt aktuell noch in mein Depot – SAP ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.