Die Verbio-Aktie startete am Donnerstag zunächst positiv in den Handel, geriet im weiteren Verlauf jedoch unter Druck und notiert aktuell bei 30,80 €. Insgesamt bewegt sich die Aktie in den vergangenen Monaten überwiegend seitwärts. Die guten Geschäftszahlen wurden dabei von der allgemeinen Börsenschwäche überlagert. Hier stellt sich die Frage: Ist die Aktie inzwischen unterbewertet?
Ergebniswende vollzogen
Der bisherige Schwachpunkt von Verbio war die schwache Ertragslage. Das hat sich im vergangenen Geschäftsjahr deutlich verändert. Eine nachhaltige Verbesserung hatte sich bereits in den vorherigen Quartalsberichten abgezeichnet.
Das operative EBITDA stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr von 14,2 auf 193,9 Millionen €. Der Anstieg resultierte vor allem aus der verbesserten Entwicklung im Segment Bioethanol/Biomethan.
Wesentliche Treiber waren zudem die Normalisierung des THG-Quotenmarktes, bessere Marktspreads im Bioethanolgeschäft sowie eine höhere Auslastung der Anlagen in Nordamerika.
Auch beim Ergebnis je Aktie vollzog Verbio eine deutliche Wende. Aus einem Verlust von 2,17 € im Vorjahr wurde ein Gewinn von 1 € je Aktie.
Der Umsatz erhöhte sich von 1,58 auf 1,87 Milliarden €. Neben höheren Absatzmengen wirkten sich auch gestiegene Verkaufspreise positiv aus.
Besonders deutlich zeigt sich die Verbesserung beim Free Cashflow. Dieser stieg von 14 auf 164,6 Millionen €.
Insgesamt sind die Geschäftszahlen hervorragend ausgefallen. Wirklich überraschend kamen sie allerdings nicht, da bereits die vorherigen Quartalsberichte und die angehobene Prognose auf diese Entwicklung hingedeutet hatten.
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Geopolitische Unruhen treiben Energiepreise
Die geopolitischen Konflikte, insbesondere im Nahen Osten, haben die Preise für Erdöl und Gas zuletzt deutlich steigen lassen.
Für Verbraucher macht sich dies unter anderem an den höheren Preisen an den Tankstellen bemerkbar.
Die Unsicherheit über wichtige Transportwege und mögliche Einschränkungen bei Öl- und Gaslieferungen belastet die Energiemärkte zusätzlich. In der Folge sind auch die Preise für Benzin, Diesel und andere auf Erdöl basierende Produkte gestiegen.
Für Verbio können höhere Preise fossiler Energieträger grundsätzlich unterstützend wirken, da dadurch alternative Kraftstoffe und biobasierte Energieträger wirtschaftlich attraktiver werden.
EU geht gegen Billigimporte vor
Über einen längeren Zeitraum wurde die Geschäftsentwicklung von Verbio auch durch den internationalen Wettbewerbsdruck belastet.
Insbesondere günstige Importe von Biokraftstoffen aus Ländern wie China und Brasilien setzten die europäischen Hersteller unter Druck. Gleichzeitig gab es immer wieder Diskussionen über mögliche Verstöße gegen Nachhaltigkeitsanforderungen und entsprechende Zertifizierungen.
Mit der Umsetzung der europäischen RED-III-Richtlinie verändern sich die Rahmenbedingungen zunehmend.
Ziel der neuen Regelungen ist unter anderem, die Nachhaltigkeitsanforderungen zu verschärfen und Wettbewerbsverzerrungen zu reduzieren. Gleichzeitig gewinnen die Treibhausgasminderungsquoten, kurz THG-Quoten, weiter an Bedeutung.
Davon könnte Verbio als europäischer Produzent weiter profitieren.
Bewertung
Eigentlich sprechen mehrere Faktoren für eine bessere Kursentwicklung. Dennoch bewegt sich die Verbio-Aktie zuletzt überwiegend seitwärts.
Der stärkere Kursrückgang im Mai und Juni stand unter anderem im Zusammenhang mit den damaligen Hoffnungen auf eine Entspannung der geopolitischen Lage. Damit verbunden war die Erwartung, dass die Energiepreise wieder stärker zurückgehen könnten. Eine nachhaltige Entspannung hat sich bislang jedoch nicht eingestellt.
Für die weitere Geschäftsentwicklung spricht auch die Prognose. Beim EBITDA erwartet Verbio im kommenden Geschäftsjahr 210 bis 250 Millionen €. Damit würde die Ertragslage auf dem bereits verbesserten Niveau bleiben beziehungsweise nochmals zulegen.
Positiv ist zudem, dass wieder eine Dividende von 0,20 € je Aktie vorgeschlagen wurde. Damit beteiligt das Unternehmen die Aktionäre wieder stärker an der verbesserten Ertragslage.
Aus meiner Sicht besitzt die Verbio-Aktie mittelfristig weiteres Kurspotenzial. Die entscheidende Grundlage dafür ist die vollzogene Ergebniswende.
Gleichzeitig sprechen die hohe Nachfrage nach erneuerbaren Kraftstoffen, die veränderten europäischen Rahmenbedingungen und die aktuelle Entwicklung der Energiepreise für ein weiterhin interessantes Marktumfeld.
Mittelfristig halte ich daher Kurse von rund 40 € wieder für möglich. Vom aktuellen Niveau entspricht dies einem zusätzlichen Kurspotenzial von rund +32%.
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Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Verbio. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
Verbio in Kürze
- Die Verbio SE ist einer der führenden Bioenergieproduzenten und gleichzeitig der einzige großindustrielle Hersteller von Biodiesel.
- Neben dem Hauptsitz in Leipzig befinden sich Produktionsstätten in Deutschland, Polen und den USA. In Indien ist eine Anlage im Bau.
- Das im SDAX gelistete Unternehmen wird mit etwa 2 Milliarden € bewertet.
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