Wer dachte, die BMW-Aktie hätte sich inzwischen bei rund 60 € stabilisiert, hat sich leider getäuscht. Der Kurs des bayerischen Autobauers sackte heute auf den tiefsten Stand seit sechs Jahren ab. Warum verabschieden sich Anleger von der BMW-Aktie und tun sie es denn zu Recht?

Massiver Einbruch in China

Die aktuelle Misere der BMW-Aktie lässt sich mit einem einzigen Wort zusammenfassen: China. Der Absatz des deutschen Premiumherstellers schmiert auf dem wichtigsten Automarkt der Welt komplett ab und gleichzeitig drängen die chinesischen Autokonzerne mit Macht auf den europäischen Markt. BMW wird also in die Zange genommen.

Die Absatzentwicklung in China verdeutlich das Ausmaß der Probleme von BMW. Nachdem der Absatz der Bayern im vergangenen Jahr in der Volksrepublik bereits um -12,5% auf ca. 625.000 Fahrzeuge zurückging, brach er im ersten Halbjahr 2026 um weitere -20,4% auf 262.000 Autos ein.

Noch schlimmer: Der Absatzeinbruch hat sich zuletzt noch einmal deutlich beschleunigt. Im zweiten Quartal ging die Zahl der verkauften BMWs um -30,2% gegenüber dem Vorjahr auf nur noch 118.000 Stück zurück. Damit hat China seine langjährige Position als unangefochtener Spitzenreiter bei den weltweiten Einzelmärkten von BMW eingebüßt. Der Anteil an den Gesamtverkäufen sank von einst über einem Drittel auf rund 25%.

Um es auf den Punkt zu bringen: BMW hat in China dramatisch an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt. Lokale Marken dominieren den Markt mittlerweile stark bei digitalen Features, intelligenten Cockpits und fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen. Bei E-Autos fährt BMW den meisten chinesischen Herstellern sowieso hinterher. Um gegenzusteuern, mussten die Deutschen teils drastische Preissenkungen für im Land produzierte Modelle vornehmen, was die Profitabilität stark belastet hat.

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Preisdruck in Europa

Als wäre dieses Problem nicht schon groß genug, muss BMW nun auch noch an der Heimatfront gegen die chinesischen Autokonzerne kämpfen. Erst Anfang der Woche warnte der neue BMW-Chef Milan Nedeljković vor extrem günstigen chinesischen Fahrzeugen auf dem europäischen Markt. BMW befürchtet dadurch zusätzlichen Preisdruck auf europäische Hersteller.

Bereits im Juni hat der bayerische Autobauer die Prognose für 2026 massiv nach unten korrigiert. Die erwartete EBIT-Marge im Autogeschäft wurde von 4 bis 6% auf nur noch 1 bis 3% gesenkt. Für einen Premiumhersteller ist dieses Profitabilitätsniveau ein Armutszeugnis. Auch beim Absatz wird nun ein leichter Rückgang erwartet.

Ein verheerendes Chartbild

In charttechnischer Hinsicht ist es ein verheerender Tag für die BMW-Aktie. Sie durchbricht auf einen Schlag das bisherige Mehrjahrestief bei 57 € und sackt auf den tiefsten Stand seit Juli 2020 ab. Bei weiteren schlechten Nachrichten am bevorstehenden Kapitalmarkttag dürfte sich die Talfahrt des DAX-Wertes fortsetzen.

Nervosität vor dem Kapitalmarkttag

Die Nervosität der Börse vor dem nächste Woche stattfindenden BMW-Kapitalmarkttag ist zum Greifen — und das auch völlig zu Recht. Die Börse wird sich vom Management konkrete Antworten erwarten, wie es bis 2030 die EBIT-Marge auf 8 bis 10% hochzuschrauben gedenkt.

Die große Hoffnung des Autobauers ruht auf der „Neue Klasse“, mit der BMW technologisch wieder den Sprung an die Spitze schaffen will. Zumindest in Europa deutet sich ein recht erfolgreicher Marktstadt an. BMW meldete zuletzt 100.000 Bestellungen in Europa innerhalb des ersten Jahres. Ob die Neue Klasse jedoch auch in China erfolgreich sein wird, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

BMW ist nicht mehr wettbewerbsfähig

Ich will es mal in aller Deutlichkeit sagen: BMW ist derzeit nicht wettbewerbsfähig. Weder in China noch in Europa.

Die Absatzzahlen in der Volksrepublik zeigen eindeutig, dass die chinesischen Autokäufer die Lust auf BMW verloren haben und ich fürchte, sie wird nicht mehr zurückkommen. Der Wettbewerb auf dem weltgrößten Automarkt ist an Intensität kaum zu überbieten. BMW wird es meiner Überzeugung nach auch mit der Neuen Klasse weder preislich noch technologisch schaffen, seinen Marktanteil zu steigern.

Und auch für den europäischen Heimatmarkt sehe ich schwarz und das hat mit den Preisen der Bayern zu tun. Das Basismodell der Neuen Klasse, der iX3 40 kostet in der Grundausstattung 63.400 €. Wer ein paar Extras ankreuzt, kommt schnell auf Preise über 80.000 €.

Damit hat BMW keine Chance gegen chinesische Hersteller. Sie bringen technisch und qualitativ vergleichbare Fahrzeuge zu deutlich geringeren Preisen auf den europäischen Markt. Noch hat BMW hierzulande eine starke Fangemeinde und Kundentreue. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern.

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Die BMW-Aktie ist trotz ihres jüngsten Kurseinbruchs keinen Kauf wert. Dass der operative Gewinn trotz annähernd stabilen Absatzes dramatisch einbricht, ist ein Alarmsignal. Es bedeutet nichts anderes, als dass die Bayern nicht kostendeckend Autos produzieren können — und das bei diesen Preisen.

Aber bei den Preisen gibt es meiner Meinung nach überhaupt keinen Spielraum mehr nach oben. Die chinesischen Hersteller werden BMW in den nächsten Jahren auch in Europa die Hölle heiß machen. Das aktuelle 5-Jahrestief ist noch längst nicht der Boden für den deutschen Autotitel.

ℹ BMW in Kürze

  • Die BMW AG (WKN: 519000) baut Automobile und Motorräder im Premiumbereich. Neben der Stammmarke BMW gehören auch die Marken Mini und Rolls-Royce zum Autokonzern aus München.
  • Mit rund 2,6 Millionen abgesetzten Fahrzeugen (2025) zählt BMW zu den 15 größten Autoherstellern der Welt.
  • BMW ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50. Mit einem Börsenwert von 34,6 Milliarden € ist der Autobauer eines der wertvollsten Unternehmen Deutschlands.

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