KI-Positionen könnten unter Druck geraten, wenn die 10-jährige Rendite dieses Niveau überschreitet

Eine einzige Zahl trennt jetzt ruhige Märkte von einer Abrechnung für Aktien im Bereich künstlicher Intelligenz: 5 % bei der Rendite der 10‑jährigen US-Staatsanleihe.

Wall Street hat den diesjährigen Anstieg der Finanzierungskosten weitgehend hingenommen – doch diese Toleranz könnte eine Grenze haben.

Die Benchmarkrendite stieg über 5 % am 15. September, ein 19‑Jahres‑Hoch, das zuletzt 2007 erreicht wurde, bevor sie bis Donnerstag auf etwa 4,94 % zurückfiel.

Ruchir Sharma – Vorsitzender von Rockefeller International – sagt, ein klares Überschreiten dieses Niveaus würde „ein Problem für die Aktienmärkte insgesamt und den KI-Handel darstellen.“

Er betrachtet die 10‑jährige US-Staatsanleihe als „den wichtigsten Vermögenswert der Welt“, da sie als Anker für Autokredite, Hypotheken und Unternehmensfinanzierungskosten dient.

Warum eine höhere 10‑Jahres‑Rendite KI‑Aktien schaden würde

Höhere Renditen erhöhen den Diskontsatz für künftige Unternehmensgewinne, was tendenziell vor allem Aktien mit langer Duration und hohem Wachstum trifft.

Vereinfacht: Je stärker die Bewertung eines Unternehmens von in Jahren erwarteten Gewinnen abhängt, desto weniger sind diese künftigen Erträge bei steigenden Zinsen wert.

Genau dieses Profil haben die meisten KI‑Aktien, da ihre Bewertungen auf Gewinnen beruhen, die erst in einigen Jahren anfallen.

Die Belastung verstärkt sich, wenn sich die Unternehmensfinanzierung innerhalb des Sektors verschiebt. Mega‑Cap‑KI-Unternehmen greifen zunehmend auf den Anleihemarkt zurück, um den Ausbau der Infrastruktur zu finanzieren, da Kapitalausgaben den Free Cashflow übersteigen und ihr Eigenkapital dadurch direkter an die Kosten der Verschuldung gekoppelt wird.

Goldman Sachs erklärte diese Woche, dass steigende Ausgaben für KI-Infrastruktur und hohe staatliche Kreditaufnahme den Wettbewerb um Kapital erhöhen, die Anleiherenditen und die Finanzierungskosten nach oben treiben, selbst während die Unternehmensgewinne widerstandsfähig bleiben.

Was treibt die 10‑Jahres‑Rendite nach oben?

Drei Kräfte treiben die Zinsen nach oben.

Die US-Notenbank erhöhte am Mittwoch ihren Leitzins um einen Viertelpunkt und hob die Zielspanne für den Federal Funds Rate auf 3,75 %–4,00 % an – die erste Anhebung seit 2023.

Vorsitzender Kevin Warsh verwies zudem auf eine Inflation von rund 3,4 % bis 3,7 %, deutlich über dem 2 %-Ziel der Fed – und damit im fünften Jahr in Folge über diesem Ziel.

Hinzu kommen steigende Energiekosten: Brent-Öl notiert aufgrund des Iran-Kriegs über $100 pro Barrel, wodurch Dieselpreise Rekordstände erreichen.

Und der Finanzierungsbedarf der Regierung wächst: die Bundesverschuldung hat die Marke von $40 Billionen überschritten – wodurch dem Anleihemarkt deutlich weniger freie Kapazität zur Verfügung steht als in den 1990er‑Jahren.

Bedeutung der 5%-Rendite

Ruchir Sharmas Forschung zeigt, dass sich die Beziehung zwischen Aktien und Anleihen oberhalb von 5 % verändert: Statt sich gegenseitig zu dämpfen, beginnen Aktien und Anleihen, sich gemeinsam zu bewegen – und oberhalb von etwa 5,25 % fielen Aktien historisch gesehen deutlich.

Das gibt Anlegern eine konkrete Zahl, auf die sie achten können, statt nur ein vages Gefühl von Zinsangst.

Ein Puffer bleibt jedoch: Sharma weist darauf hin, dass Unternehmensbilanzen heute gesünder sind als in den 1990er‑Jahren, was die Wahrscheinlichkeit einer Wiederholung jener Dekaden‑Stressereignisse verringert.

Bleibt die 10‑jährige jedoch über 5 % und stabilisiert sich dort, wird die Bereitschaft des Marktes, KI‑Ausgaben allein auf bloßem Vertrauen zu belohnen, an den tatsächlichen Kreditkosten gemessen werden.

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