Die Oracle-Aktie kennt dieser Tage nur noch eine Richtung, und zwar nach unten. An jedem der letzten fünf Handelstage ging es mit dem Kurs des Cloud- und Software-Riesen bergab. Der Kursverlust summierte sich in diesen fünf Tagen auf -14%. Warum will denn niemand mehr die Oracle-Aktie haben? Und tut ihr die Börse Unrecht?
Ein gewaltiger Schuldenberg
Der jüngste Kursrückgang der Oracle-Aktie ist auf ein Bündel von Faktoren zurückzuführen – allen voran erhebliche Kapitalbedenken, makroökonomischer Druck, Sektorsorgen im KI-Bereich und einem Management-Fehler.
Hauptursache für die seit Monaten anhaltenden Bauchschmerzen der Börse in Bezug auf die Oracle-Aktie sind die extremen Kapitalausgaben und der damit verbundene gewaltige Finanzierungsbedarf von Oracle. Der Tech-Konzern plant in diesem Geschäftsjahr Investitionen in KI-Infrastruktur in Höhe von nicht weniger als 90 Milliarden US$.
Da die operativen Cashflows aus dem Kerngeschäft nicht ausreichen, um diesen Expansionskurs allein zu stemmen, stehen Finanzierungspläne von rund 40 Milliarden US$ im Raum. Anleger sorgen sich deshalb nicht nur vor der steigenden Verschuldung, sondern auch vor einer möglichen weiteren Aktienverwässerung durch eine Kapitalerhöhung.
Die Nettoverschuldung von Oracle beträgt inzwischen fast 90 Milliarden US$. Angesichts steigender Zinsen in den USA stellt dies eine weitere Belastung des Cashflows dar.
Verunsicherung in der KI-Szene
Darüber hinaus haben am Wochenende Aussagen von Tech-Leadern wie Anthropic-CEO Dario Amodei sowie OpenAI-Chef Sam Altman über die Notwendigkeit von mehr KI-Sicherheit und einer eventuellen Drosselung des Entwicklungs- und Expansionstempos für einen Abverkauf von Aktien im gesamten Halbleiter- und KI-Infrastruktursektor gesorgt.
Wenn führende KI-Entwickler ihr Tempo verlangsamen oder Großprojekte anpassen, befürchten Investoren zeitliche Verzögerungen bei der Auslastung von Oracles neu gebauten Rechenzentrumskapazitäten.
Zudem sorgte OpenAI-Boss Altman mit der Verschiebung des Börsengangs seines Unternehmens auf 2027 für Aufsehen. Der KI-Modellentwickler gehört zu den wichtigsten Kunden von Oracle. Die Verschiebung des OpenAI-IPOs verstärkt nun die Sorge, dass das Unternehmen möglicherweise seine bei Oracle gebuchten Kapazitäten reduzieren muss.
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Ellison irritiert den Markt
Und als wäre das alles nicht schon genug, verstärkte ausgerechnet Oracle-Chef Ellison den Wirbel um seinen Konzern. Er kündigte vor wenigen Tagen den Verkauf von bis zu 50 Millionen Aktien (Wert ca. 7,5 Milliarden US$) an.
Diese Ankündigung sorgte für Verwirrung bei Anlegern und zu großen Irritationen an der Börse. Ellison nahm den geplanten Verkauf daraufhin wieder zurück.
Weiter bergab
Das Chartbild der Oracle-Aktie hat sich gestern verschlechtert. Der Kurs ist unter das Zwischentief bei 141 US$ gefallen. Nun steht zu befürchten, dass er sich erst wieder beim nächsten wichtigen Support bei 127 US$ fängt.
Eine sehr riskante Strategie
Obwohl die meisten Analysten derzeit ein großes Upside in der Oracle-Aktie sehe und sie der Papierform nach mit einem Forward-KGV von unter 20 günstig bewertet ist, bin ich nicht von ihr überzeugt. Die All-in-Strategie von Oracle in Sachen KI-Infrastruktur ist mir zu riskant.
Der Kapitalbedarf übersteigt bei weitem die Finanzierungsmöglichkeiten von Oracle und daran dürfte sich in den nächsten Jahren wenig ändern. Die Nettoverschuldung des Konzerns wird damit bald die Schwelle von 100 Milliarden US$ übersteigen. Wir sprechen hier aber über ein Unternehmen mit einem Jahresumsatz von knapp 70 Milliarden US$.
Oracle zwingt sich damit selbst zu einer extrem hohen Auslastung seiner Rechenzentren. Sollte diese nicht wie geplant eintreten oder die Preise für Rechenleistung aufgrund eines Überangebots unter Druck geraten, wird das Kartenhaus von Oracle ins Wanken geraten.
Zum Abschluss: Bei diesem Aktien glauben wir daran, dass sie zu den KI-Gewinnern zählen. Du findest sie in unserem KI-Gewinner 2026 Report!
Mir ist die extrem aggressive und kapitalintensive Strategie von Oracle zu riskant und die Börse scheint meine Meinung zu teilen (oder umgekehrt). Trotz zuletzt hervorragender Zahlen und Prognosen gelingt der Oracle-Aktie kein Aufschwung mehr. Daran wird sich in den kommenden Monaten wahrscheinlich wenig ändern.
Oracle in Kürze
- Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
- Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
- Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von fast 70 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
- Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 424 Milliarden US$ wert.
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