Die Gerresheimer-Aktie bewegte sich in den vergangenen Monaten seitwärts in einer Range zwischen 26 und 29 €. Am Dienstag notiert sie aktuell bei 27,60 €. Obwohl das Unternehmen bei der Sanierung wichtige Fortschritte erzielt hat, trauen die Anleger dem Turnaround offenbar noch nicht vollständig. Hier stellt sich die Frage: Sind höhere Kurse gerechtfertigt?

Hauptversammlung bestätigt eingeschlagenen Weg

Auf dem Weg zur Normalisierung war die Hauptversammlung am 1. September ein wichtiger Termin. Die Aktionäre bestätigten mit großer Mehrheit das eingeschlagene Sanierungskonzept.

Wie erwartet wurde die Entlastung des Aufsichtsrats und des ehemaligen Vorstands vertagt. Es wird weiterhin geprüft, ob Pflichtverletzungen vorliegen und gegebenenfalls Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden können.

Auch das Transformationsprogramm „gto“ wurde bestätigt. Dabei stehen insbesondere Kostensenkungen, eine Verbesserung des Free Cashflows, der Abbau von Schulden sowie die Bereinigung des Portfolios im Mittelpunkt.

Bei der Portfoliobereinigung trennte sich Gerresheimer bereits von margenschwächeren beziehungsweise weniger zukunftsträchtigen Geschäftsbereichen.

Durch den Verkauf des Geschäfts mit Primärverpackungen aus Kunststoff sowie der US-Tochter Centor flossen dem Konzern insgesamt rund 1,5 Milliarden € zu. Die Erlöse sollen überwiegend zur Entschuldung eingesetzt werden.

Vorstandsmitglied Achim Schalk erklärte:

Heute verfügt Gerresheimer wieder über eine klare strategische Perspektive.

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Prognose vorsichtig angepasst

Für das laufende Geschäftsjahr bleibt das Management allerdings vorsichtig.

Beim Umsatz wird nun das untere Ende der bisherigen Prognosespanne von 2,3 bis 2,4 Milliarden € erwartet.

Auch bei der bereinigten EBITDA-Marge wurde die Zielspanne angepasst. Statt 18 bis 19% werden nun 17 bis 18% erwartet.

Darüber hinaus rechnet Gerresheimer inzwischen mit einem negativen Free Cashflow zwischen 50 und 100 Millionen €.

Die vorsichtigere Prognose dürfte unter anderem die weiterhin anspruchsvollen Marktbedingungen und die laufenden Restrukturierungsmaßnahmen widerspiegeln.

Im ersten Quartal hatte sich der Free Cashflow bereits deutlich verbessert. Gleichzeitig stieg der Umsatz leicht auf 524 Millionen €. Das operative EBITDA verringerte sich allerdings von 81 auf 66 Millionen €.

Das Unternehmen erwartet für die zweite Jahreshälfte eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung. Die vollständigen Zahlen für das zweite Quartal stehen noch aus.

Bewertung

Aus meiner Sicht befindet sich Gerresheimer wieder auf dem Weg zu einer Normalisierung.

Besonders wichtig ist die finanzielle Entlastung durch die Verkäufe der beiden Geschäftsbereiche. Die daraus erzielten rund 1,5 Milliarden € stärken die Bilanz und schaffen zusätzlichen Spielraum beim Schuldenabbau.

Belastend wirken allerdings weiterhin die vergleichsweise hohen Shortpositionen. Insgesamt belaufen sie sich auf rund 6%.

Positiv ist dagegen, dass zuletzt Insiderkäufe gemeldet wurden. So erwarb Aufsichtsratsmitglied Klaus Röhrig Gerresheimer-Aktien im Volumen von etwa 2,1 Millionen €.

Aus meiner Sicht ist das Schlimmste überstanden und Gerresheimer befindet sich auf dem Weg zurück zu einer stabileren finanziellen und operativen Situation.

Die Entschuldung, die Portfoliobereinigung und das laufende Transformationsprogramm sollten sich mittelfristig positiv auf die Ertragslage auswirken. Entscheidend werden nun die kommenden Quartalsberichte sein. Sie müssen zeigen, dass sich die operative Entwicklung tatsächlich verbessert und die finanzielle Stabilisierung nachhaltig ist.

Ich bleibe daher zuversichtlich und erwarte mittelfristig deutlich höhere Kurse.

JP Morgan sieht das ähnlich und nennt ein Kursziel von 46 €.

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ℹ Gerresheimer in Kürze

  • Die Gerresheimer AG (WKN: A0LD6E) stellt Spezialprodukte in den Bereichen Glas und Kunststoff insbesondere für die Pharma- sowie Healthcare-Industrie her und gilt als weltweit führender Schlüssellieferant für diese Branchen. Die Produkte reichen vom Insulin-Pen bis zu Ampullen, aber auch schnöde Parfümflakons gehören zum Portfolio.
  • Der Hauptsitz ist in Düsseldorf, daneben ist der Konzern weltweit mit Standorten in Europa, Asien und Amerika vertreten.
  • Die Aktie ist im SDAX gelistet, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell etwa 954 Millionen €.

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