Erst gestern schoss die Coinbase-Aktie um +10% nach oben. Am Dienstagvormittag geht es postwendend um über -4% nach unten, was die Kryptohandelsplattform zum Schlusslicht im S&P 500 macht. Was steckt hinter dem heutigen Kursverlust und könnte der US-Senat dazu beitragen, den Knoten bei Coinbase zu lösen?
Heute geht es um viel
Hinter dem heutigen Kursrückgang der Coinbase-Aktie dürfte primär die Unsicherheit rund um den CLARITY Act stehen, mit dem die USA der Kryptowährungswelt erstmals einen gesetzlichen Rahmen geben wollen. Heute stimmt der US-Senat über einen Verfahrensantrag ab, um die offizielle Debatte über das Gesetz überhaupt erst freizugeben.
Dafür ist eine Mehrheit von 60 Stimmen erforderlich. Die Republikaner haben 53 Sitze im Senat und werden wahrscheinlich geschlossen für den Antrag stimmen. Um auf die erforderliche Mehrheit zu kommen, werden also noch die Stimmen von mindestens sieben demokratischen/unabhängigen Senatoren gebraucht.
Aber diese entscheidenden Stimmen sind alles andere als sicher. Um die Demokraten auf ihre Seite zu ziehen, haben die Republikaner am Wochenende noch über 120 Änderungen im Entwurf des CLARTIY Acts eingebaut, bei denen es vor allem um strengere Ethikregeln geht. Einige Demokraten halten das Entgegenkommen der Republikaner allerdings immer noch für unzureichend.
Selbst wenn der Antrag heute angenommen wird, folgen erst die formelle Debatte, mögliche Abänderungsanträge und der eigentliche Hauptentscheid im Senat. Erst danach müsste der Gesetzestext mit der Version des Repräsentantenhauses abgeglichen werden.
Dementprechend gering ist die Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act noch in diesem Jahr im Kapitol durchgewunken wird. Politische Wettbörsen beziffern sie inzwischen auf nur noch rund 20 bis 40%.
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Warum ist dieses Gesetz so wichtig für Coinbase?
Für Coinbase geht es beim CLARITY Act schlichtweg um die Verwandlung des Kryptomarktes von einer juristischen Grauzone in einen regulierten Massenmarkt. Das Gesetz würde das juristische Risiko drastisch senken, die Listings vereinfachen und den Weg für massive institutionelle Erträge freimachen.
Das Gesetz würde die Zuständigkeiten der US-Aufsichtsbehören SEC und CFTC erstmals klar regeln. Für Coinbase ist das ein wichtiger Punkt, da sich das Unternehmen seit Jahren in einem Rechtsstreit mit der US-Börsenaufsicht SEC befindet. Die SEC stuft viele auf Coinbase gelistete Altcoins als nicht registrierte Wertpapiere ein. Sollte die CFTC die primäre Aufsicht über dezentrale Kryptowerte erhalten, könnte Coinbase rechtssicher hunderte Krypto-Assets listen, ohne ständig Klagen der SEC zu befürchten.
Der vielleicht wichtigste Aspekt des CLARITY Acts ist, dass er das Tor für institutionelles Kapital im Kryptosektor öffnet. Große Asset Manager, Pensionskassen und Banken halten sich bei vielen Kryptoaktivitäten, wie zum Beispiel Staking, Altcoin-Handel und Tokenisierung nach wie vor zurück, da das US-Rechtsumfeld unklar ist. Als führender Custodian (Verwahrer) für Bitcoin- und Ethereum-ETFs profitiert Coinbase direkt, wenn institutionelle Anleger durch klare Gesetze grünes Licht für breitere Kryptoinvestitionen erhalten.
Darüber hinaus sieht der CLARITY Act klare Regeln vor, wie Erträge aus Staking und Verleihgeschäften legal angeboten werden dürfen, ohne als illegales Wertpapierprodukt zu gelten. Als „Teilhaber“ von USDC profitiert Coinbase enorm von rechtlicher Klarheit für Stablecoin-Emittenten und deren Einbindung in das globale Zahlungssystem.
Beginn einer Trendwende?
Das Chartbild der Coinbase-Aktie trübt sich heute wieder ein. Gestern konnte der Kryptotitel nicht das erst vor wenigen Tagen aufgestellte 3-Monatshoch bei 193 US$ knacken. Der heutige Kursrückgang könnte deshalb den Beginn einer Trendwende darstellen.
Eine abwegige Bewertung
Trotz der Fortschritte in Sachen Kryptogesetzgebung mit der voraussichtlichen Verabschiebung des CLARITY Acts spätestens im Frühjahr 2027 sehe ich derzeit kein Upside mehr für die Coinbase-Aktie. Das liegt an ihrer meiner Ansicht nach viel zu hohen Bewertung.
Das Forward-KGV liegt bei 60. Für ein Unternehmen, das im laufenden Jahr voraussichtlich mit gerade mal 5% und im kommenden Jahr mit 15 bis 20% wachsen wird, ist das eine völlig abwegige Bewertung. Selbst unter der Annahme deutlicher Margensteigerungen ist sie meiner Überzeugung nach nicht gerechtfertigt.
Sollte der CLARITY Act verabschiedet werden, droht Coinbase meines Erachtens noch mehr Wettbewerb im Krypto-Business. Der Kryptosektor ist bereits heute sehr wettbewerbsintensiv und drückt auf die Margen der Handelsplattformen.
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Mir enthält die Bewertung der Coinbase-Aktie viel zu viel Optimismus. Die Verabschiedung des CLARITY Acts in den kommenden Monaten wird zwar die Branche ankurbeln, aber auch für mehr Wettbewerb sorgen.
A propos Wettbewerb: Auch bei der Ausweitung seines Produktportfolios in neue Asset-Klassen stößt Coinbase auf sehr starke und langjährig etablierte Wettbewerber. Sie werden das Umsatz- und Gewinnwachstum der Kryptobörse begrenzen.
Coinbase in Kürze
- Coinbase (WKN: A2QP7J) mit Sitz in San Francisco ist die weltweit größte börsennotierte Handelsplattform für Kryptowährungen.
- Über Coinbase können Anleger rund 250 Kryptowährungen, 3 Fiat-Währungen und knapp 600 Kryptowährungspaare handeln.
- Das 2012 gegründete Unternehmen notiert seit 2021 an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 50 Milliarden US$ wert.
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