Am 14. September fand das angekündigte Gespräch von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil mit dem CEO der UniCredit, Andrea Orcel, in Berlin statt. Dabei ging es darum, die jeweiligen Vorstellungen und Erwartungen im Hinblick auf die Zukunft der Commerzbank auszutauschen. Die Commerzbank-Aktie reagierte auf das Treffen kaum und notiert am Dienstag aktuell bei etwa 42,20 €. Hier stellt sich die Frage: Finden beide Seiten eine einvernehmliche Lösung?

Klare Vorstellungen des Bundes

Nach dem Gespräch stellte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die Position des Bundes klar.

Für den Bund ist es wichtig, dass die Commerzbank als bedeutender Finanzierer der Wirtschaft und insbesondere des deutschen Mittelstands erhalten bleibt.

Dazu gehört aus Sicht des Bundes auch der Erhalt des Filialnetzes im In- und Ausland.

Darüber hinaus soll die Zentrale in Frankfurt bleiben und die Commerzbank weiterhin als eigenständiges Unternehmen an der Börse notiert sein. Im Fall einer möglichen Übernahme beansprucht der Bund zudem zwei Sitze im Aufsichtsrat.

Im Vorfeld fanden bereits Gespräche zwischen Klingbeil mit dem Management der Bank und dem Betriebsrat statt. Der Bund betont dabei auch die Bedeutung der Arbeitsplätze. Ein umfangreicher Stellenabbau bei den rund 40.000 Mitarbeitern soll nach Möglichkeit vermieden werden.

Damit sind die wesentlichen Vorstellungen des Bundes klar umrissen.

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UniCredit hält an Übernahmeplänen fest

Die Vorstellungen der italienischen Großbank unterscheiden sich in wichtigen Punkten deutlich von denen des Bundes.

UniCredit argumentiert, dass durch einen Zusammenschluss ein international wettbewerbsfähigerer Bankkonzern entstehen könnte. Gleichzeitig sieht die italienische Bank erhebliche Synergiepotenziale.

Dazu gehört nach dieser Logik auch eine Straffung der Kostenstruktur. Insbesondere im mittleren Management könnten Stellen wegfallen. Auch die ausländischen Filialen der Commerzbank könnten deutlich reduziert werden.

Darüber hinaus dürfte auch das deutsche Filialnetz überprüft werden. Durch einen Zusammenschluss mit der UniCredit-Tochter HVB entstehen teilweise parallele Strukturen. Die HVB hat ihren Hauptsitz in München.

Eine Bereinigung dieser Doppelstrukturen wäre aus Sicht von UniCredit ein wichtiger Bestandteil möglicher Synergieeffekte.

Andrea Orcel kommentierte das Treffen:

Wir hatten ein gutes und konstruktives erstes Gespräch, dem rasch weitere folgen werden.

Diese Szenarien einer Einigung sind jetzt möglich

Szenario 1: Einvernehmliche Übernahme

Das wäre aus meiner Sicht das konstruktivste Szenario. UniCredit könnte ihren Einfluss bei der Commerzbank weiter ausbauen, während die Bank zunächst als eigenständiges, börsennotiertes Unternehmen bestehen bleibt.

Im Gegenzug könnte UniCredit bei bestimmten Themen Zugeständnisse machen, etwa beim Standort Frankfurt oder bei der Geschwindigkeit des Stellenabbaus.

Szenario 2: Übernahme mit späterer Zusammenlegung

Eine andere Möglichkeit wäre, dass die Commerzbank zunächst eigenständig bleibt und erst später mit der HVB zusammengeführt wird.

Damit könnten mögliche Synergien schrittweise realisiert werden. Für die Aktionäre wäre das grundsätzlich interessant, weil ein Zusammenschluss langfristig höhere Gewinne ermöglichen könnte.

Gleichzeitig wäre dieses Szenario für die Commerzbank-Beschäftigten und den Standort Frankfurt mit größeren Veränderungen verbunden.

Szenario 3: Commerzbank bleibt dauerhaft eigenständig

Auch eine dauerhafte Eigenständigkeit ist grundsätzlich möglich. Dafür müsste UniCredit allerdings auf eine vollständige Zusammenlegung verzichten und sich mit einer starken strategischen Beteiligung begnügen.

Das wäre für den Bund vermutlich die bevorzugte Lösung. Für UniCredit wäre ein solcher Zustand allerdings nur dann attraktiv, wenn der Konzern auch als Großaktionär ausreichend Einfluss ausüben und vom Wertsteigerungspotenzial der Beteiligung profitieren kann.

Bewertung

Die unterschiedlichen Positionen waren bereits vor dem Treffen bekannt. In dieser Form passen sie nur schwer zusammen.

Insbesondere beim Filialnetz, bei den Arbeitsplätzen und bei der Frage nach der zukünftigen Eigenständigkeit der Commerzbank liegen die Vorstellungen von Bund und UniCredit deutlich auseinander.

Die vollständige Umsetzung der Forderungen des Bundes dürfte für UniCredit daher kaum attraktiv sein. Gleichzeitig muss die italienische Großbank bei einer möglichen Übernahme politische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen berücksichtigen.

Positiv ist, dass beide Seiten das Gespräch als konstruktiv bezeichneten und weitere Treffen angekündigt haben. Welche konkreten Kompromissmöglichkeiten intern besprochen wurden, ist bislang nicht bekannt.

UniCredit dürfte daher versuchen, den bisherigen konfrontativen Ton durch konstruktivere Gespräche zu ersetzen. Entscheidend wird sein, ob sich bei zentralen Punkten eine Lösung finden lässt, mit der beide Seiten leben können.

Mit ihrer inzwischen sehr hohen Beteiligung hat UniCredit erheblichen Einfluss auf die Commerzbank. Für die weitere Entwicklung wird daher weniger die grundsätzliche Frage eines möglichen Zusammenschlusses entscheidend sein als vielmehr dessen konkrete Ausgestaltung.

Falls keine Einigung zustande kommt, geht der konfrontative Übernahmekampf weiter oder UniCredit zieht sich zurück.

Die Wahrscheinlichkeit einer stärkeren Einflussnahme von UniCredit auf die Commerzbank ist inzwischen hoch. Offen ist jedoch weiterhin, wie die zukünftige Struktur aussehen wird. Hierüber werden die folgenden Gespräche mehr Klarheit schaffen.

Einen Neueinstieg halte ich auf dem aktuellen Kursniveau vorerst für wenig attraktiv. Eine deutliche Erhöhung des Übernahmepreises erscheint derzeit ebenfalls nicht besonders wahrscheinlich.

Wer bereits investiert ist, kann aus meiner Sicht die weiteren Gespräche und die Entwicklung der Beteiligungsverhältnisse abwarten. Was weiterhin für die Aktie spricht, ist die aktuelle Dividendenrendite von 2,6%.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

ℹ Commerzbank in Kürze

  • Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
  • Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
  • Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 45,6 Milliarden € bewertet.

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