Der Brent-Ölpreis kratzt an der Marke von 100 US-Dollar. Gleichzeitig erhöhen hohe Anleiherenditen den Druck auf Unternehmen, die stark auf Fremdkapital angewiesen sind.
In solchen Zeiten kann man sich als smarter Anleger fragen: Welche Geschäftsmodelle können steigende Kosten und teurere Kredite verkraften, ohne dass ihre Ertragskraft einbricht? Und welche dieser Aktien sind gleichzeitig fair bis attraktiv bewertet?
Drei Konzerne aus den Bereichen Konsum und Zahlungsverkehr sind aus meiner Sicht in diesem Umfeld besonders gut aufgestellt.
Coca-Cola: Preissetzungsmacht trifft auf starken Cashflow
Coca-Cola (WKN: 850663) gehört zu den Unternehmen, bei denen steigende Kosten nicht automatisch die Margen auffressen. Dank seiner starken Marken kann der Konzern Preiserhöhungen gut an die Verbraucher weitergeben. Das bewies auch das zweite Quartal 2026: Der Umsatz kletterte um 7 % auf 13,4 Mrd. US-Dollar, während die bereinigte operative Marge starke 35,6 % erreichte. Im ersten Halbjahr erwirtschaftete Coca-Cola einen operativen Cashflow von 7,54 Mrd. US-Dollar. Der freie Cashflow beläuft sich für diesen sechsmonatigen Zeitraum auf 6,9 Mrd. US-Dollar; auf Sicht der letzten zwölf Monate (TTM) liegt er bei rund 14,3 Mrd. US-Dollar.
Die Stärke dieses Geschäftsmodells liegt in der Kombination aus hoher Profitabilität und einer krisenresistenten Nachfrage. Selbst bei wirtschaftlichem Gegenwind sparen Verbraucher selten als Erstes an Getränken. Das gibt dem Unternehmen den nötigen Spielraum, um höhere Kosten für Rohstoffe, Verpackungen oder Logistik über den Preis abzufedern.
Hinzu kommt, dass Coca-Cola selbst kaum selbst als Abfüller auftritt, sondern diesen Teil des Geschäftsmodells ausgelagert hat. Das heißt, dass höhere Produktionskosten sich nicht automatisch schlecht auf die Ergebnisse des Unternehmens auswirken.
Auch die Bilanz ist solide. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu EBITDA liegt bei rund 1,4. Damit verfügt Coca-Cola über spürbar mehr finanziellen Spielraum als viele kapitalintensive Wettbewerber, die aktuell einen größeren Teil ihres Cashflows für die Deckung von Schulden aufwenden müssen.
Mit einem KGV von rund 26,5 (Stand: 08.09.2026, maßgeblich für alle Angaben) liegt das Multiple nur leicht über dem Schnitt der letzten drei Jahre. Für die hohe Stabilität des Geschäfts zahlen Anleger an der Börse also bereits einen kleinen Aufschlag. Aus meiner Sicht liegt dieser allerdings für die Qualität des Geschäftsmodells in einem fairen Rahmen.
Procter & Gamble: Defensive Marken mit Preisdurchsetzung
Procter & Gamble (WKN: 852062) nutzt einen anderen Hebel: Das Unternehmen verkauft Produkte, die aus dem Alltag kaum wegzudenken sind. Pampers, Gillette, Oral-B oder Head & Shoulders gehören zu Kategorien, bei denen Verbraucher ihre Ausgaben selbst in wirtschaftlich schwierigen Phasen kaum aufschieben können.
Im Geschäftsjahr 2026 erzielte P&G einen Umsatz von 87 Mrd. US-Dollar und einen operativen Cashflow von 19,6 Mrd. US-Dollar. In diesem Zeitraum konnte der Konzern Preiserhöhungen von 1 % durchsetzen, während das Volumen stagnierte.
Gerade diese Kombination schützt das Geschäft in einem inflationären Umfeld. P&G muss nicht zwingend über höhere Absatzmengen wachsen. Entscheidend ist vielmehr, ob das Unternehmen steigende Preise durchsetzen kann, ohne dass die Kundschaft in größerem Stil zu günstigeren Produkten wechselt.
Bei der Bewertung zeigt sich die Aktie etwas moderater als Coca-Cola. Das KGV liegt aktuell bei etwa 22 und somit 4 Prozentpunkte unter dem 3-Jahres-Schnitt. Damit ist die Aktie im Moment zu einem leichten Abschlag zu haben.
Das größte Risiko für ein Unternehmen wie Procter & Gamble liegt in der Kostenstruktur. Wenn Rohstoffe und Verpackungen teurer werden und gleichzeitig der Spielraum für Preiserhöhungen sinkt, gerät die operative Marge unter Druck. Die Vergangenheit zeigt allerdings, dass P&G solche Phasen relativ gut abfedern kann.
Visa: Der kapitalleichte Zahlungsabwickler
Visa (WKN: A0NC7B) unterscheidet sich grundlegend von Coca-Cola und Procter & Gamble. Das Unternehmen stellt weder Getränke noch Konsumgüter her. Es verdient an der Abwicklung von Zahlungsströmen und benötigt dafür kaum Sachkapital.
Das macht den Konzern gerade bei anhaltend hohen Zinsen attraktiv. Da Visa keine Fabriken bauen oder großen Immobilienbestände finanzieren muss, bleibt es weitgehend unabhängig von den Kosten physischer Infrastruktur. In den zwölf Monaten bis Juni 2026 erwirtschaftete Visa einen operativen Cashflow von 22,6 Mrd. US-Dollar. Das Verhältnis von Schulden zu EBITDA war mit rund 0,77 äußerst niedrig.
Auch Inflation trifft Visa weniger hart als klassische Hersteller. Steigen die Preise und damit die nominalen Konsumausgaben, wächst automatisch das Transaktionsvolumen, an dem das Zahlungsnetzwerk über Gebühren mitverdient. Eine anhaltende Inflation ist für Visa daher nicht zwangsläufig negativ.
Diese Qualität hat ihren Preis: Mit einem KGV von aktuell rund 32 liegt die Aktie deutlich über den Multiplen von Coca-Cola und Procter & Gamble. Aber immerhin auch noch leicht unter dem dreijährigen Schnitt (ca. 33).
Betrachtet man rein die Bewertung, ist Visa der riskanteste Titel des Trios. Gleichzeitig bietet das Unternehmen die geringste Kapitalintensität und eine enorme Cashflow-Stärke. Das größte Risiko für Anleger liegt deshalb nicht in der Bilanz, sondern in der Frage, ob das künftige Gewinnwachstum hoch genug ausfällt, um diese Bewertung dauerhaft zu rechtfertigen.
In meinen Augen ist die Visa-Aktie jedoch nicht überzogen bewertet, sondern eher fair. Kursrücksetzer eröffnen bessere Einstiegsmöglichkeiten.
Welche der drei Aktien ist am defensivsten?
Die drei Konzerne behaupten sich unterschiedlich im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld. Coca-Cola überzeugt mit extrem hohen operativen Margen und der unschlagbaren Kraft seiner Marken. Procter & Gamble setzt ganz auf den täglichen Bedarf und hat zuletzt erneut höhere Preise durchgesetzt. Visa wiederum profitiert von einem kapitalarmen Geschäftsmodell und einer außergewöhnlich starken Cashflow-Position.
Für ein defensives Depot-Fundament bietet sich meiner Meinung nach ein Mix aus allen drei Werten gut an. Während der Fokus auf beiden krisenfesten Konsumgüter-Riesen liegt, rundet Visa als wachstumsstärkere Komponente das Portfolio etwas ab.
Der Artikel Zinsen, Öl und Inflation: Welche 3 Aktien jetzt defensiver aufgestellt sind ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.