Die Lufthansa-Aktie zeichnet sich im bisherigen Jahresverlauf durch hohe Kursschwankungen aus. Die Handelsspanne reicht von etwa 7,20 bis 10 €. Seit dem Hoch Anfang Juli befindet sich die Aktie wieder in einem deutlichen Abwärtstrend. Am Freitag notiert sie aktuell bei 7,70 €. Hier stellt sich die Frage: Sind das jetzt wieder gute Einstiegschancen?

Hohe Kosten belasten

Durch die erneute Eskalation im Iran-Konflikt sind die Kerosinpreise zuletzt wieder deutlich gestiegen. Allein im zweiten Quartal entstanden dadurch Mehrkosten von rund 750 Millionen € – und das, obwohl 80% des gesamten Kerosinbedarfs abgesichert sind.

Der zwischenzeitliche Rückgang der Kerosinpreise hat sich damit weitgehend umgekehrt. Eine schnelle Lösung des Iran-Konflikts ist derzeit nicht absehbar. Zwar wird verhandelt, gleichzeitig kommt es jedoch weiterhin zu militärischen Auseinandersetzungen.

Mit einem nachhaltig niedrigeren Kerosinpreis ist daher kurzfristig nicht unbedingt zu rechnen.

Neben den Energiekosten belasteten auch Streiks die Ertragslage. Das Unternehmen bezifferte die daraus entstandenen Kosten auf rund 200 Millionen €. Die Streiks sind zwar vorerst beendet, die Tarifparteien haben sich jedoch auf Schlichtungsverfahren verständigt.

Unabhängig vom Ausgang der Schlichtung dürften die Personalkosten im Flugverkehr weiter steigen.

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Ertrag eingebrochen

Das zweite Quartal war für Lufthansa von unterschiedlichen Entwicklungen geprägt. Einerseits konnte der Konzern das 100-jährige Bestehen der Lufthansa feiern, andererseits belasteten höhere Treibstoffkosten, Streiks und steigende Personalkosten die Profitabilität.

Der Konzernumsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 8% auf 11,1 Milliarden €. Trotz des Umsatzwachstums verschlechterte sich die Ertragslage jedoch deutlich.

Das bereinigte operative EBIT sank von 870 auf 383 Millionen €, während sich das Konzernergebnis von rund 1 Milliarde € auf 123 Millionen € reduzierte.

Auch auf Halbjahressicht zeigt sich die Belastung deutlich. Aus einem Vorjahresgewinn von 127 Millionen € wurde ein Verlust von 542 Millionen €.

Neben den höheren Treibstoff- und Personalkosten wirkten sich auch operative Belastungen negativ auf das Ergebnis aus.

Als Konsequenz passte Lufthansa ihre Jahresprognose an. Beim bereinigten EBIT werden nun 1,7 bis 2,2 Milliarden € erwartet. Zuvor war noch ein Anstieg gegenüber dem Vorjahreswert von 1,96 Milliarden € in Aussicht gestellt worden.

Bewertung

Mit der erneuten Eskalation im Iran-Konflikt besteht weiterhin das Risiko hoher Kerosinkosten. Dies könnte die Ertragslage von Lufthansa auch im weiteren Jahresverlauf belasten.

Laut Konzernangaben verdient Lufthansa pro Passagier derzeit lediglich rund 10 €. Um das angestrebte Niveau von 20 € zu erreichen, könnten künftig unter anderem höhere Ticketpreise notwendig werden.

Um die Kosten zu reduzieren, wurde der Flugplan deutlich angepasst. Bis Ende Oktober sollen 20.000 Flüge im europäischen Flugplan gestrichen werden. Zudem wurden ältere beziehungsweise energieintensive Flugzeuge stillgelegt.

Positiv ist, dass die Gesamtflotte schrittweise durch energieeffizientere Maschinen modernisiert wird. Das dürfte sich langfristig positiv auf die Kostenstruktur und damit auf die Profitabilität auswirken.

Was momentan für die Aktie spricht, ist die derzeitige Dividendenrendite von rund 4,2%. Allerdings besteht angesichts der schwächeren Ertragslage das Risiko einer Kürzung der Dividende.

Mit einem nachhaltigen Kursanstieg rechne ich derzeit nicht. Wahrscheinlicher erscheint mir zunächst eine Fortsetzung der Seitwärtsbewegung innerhalb der bisherigen Handelsspanne.

Eine mögliche Strategie ist daher das aktive Trading der Aktie. Das aktuelle Kursniveau bietet aus meiner Sicht grundsätzlich wieder Chancen, wenn sich die Aktie innerhalb ihrer bisherigen Range bewegt.

Wichtig ist dabei, Kursgewinne konsequent zu realisieren. Ein Anstieg von 7,70 auf 8,50 € würde beispielsweise einem Kursgewinn von rund +10% entsprechen.

Anleger sollten bei dieser Strategie allerdings eine erhöhte Risikobereitschaft mitbringen, da die Lufthansa-Aktie stark von der Entwicklung der Kerosinpreise, geopolitischen Risiken und dem allgemeinen Marktumfeld abhängig bleibt.

Passend dazu: Während viele nur auf die Dividendenrendite schauen, bieten einige Titel derzeit beides – regelmäßige Ausschüttungen und deutliches Aufwärtspotenzial. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten für das kommende Jahr.

ℹ Lufthansa in Kürze

  • Mit einer Flottengröße von über 700 Flugzeugen und mehr als 200 Flugzielen in der ganzen Welt zählt die Lufthansa zu den zehn größten Fluggesellschaften der Welt.
  • Zur Lufthansa-Gruppe gehören auch die Fluggesellschaften Austrian, Brussels Airlines, Air Dolomiti, Eurowings und Swiss.
  • Seit Januar 2025 hält die Lufthansa auch eine 41%-Beteiligung an ITA Airways. Eine vollständige Übernahme der italienischen Staatsfluglinie ist geplant.
  • Die Lufthansa ist Mitglied im deutschen Nebenwerteindex MDAX und aktuell 9,3 Milliarden € wert.

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