Die Spannung steigt. Heute Abend wird Oracle die Zahlen für das erste Quartal des neuen Geschäftsjahres vorlegen und die Erwartungen sind hoch. Wird Oracle für eine positive Überraschung sorgen oder müssen sich Anleger auf eine Enttäuschung einstellen? Und was heißt das für den Kurs der Oracle-Aktie?
Das erwartet die Börse
Die Erwartungen der Analysten an die Umsatz- und Gewinnentwicklung des Software- und Cloud-Konzerns sind ziemlich hoch. Sie gehen im Schnitt von einem Umsatzwachstum von 14,93 Milliarden US$ im Vorjahresquartal auf 19,13 Milliarden US$ im letzten Quartal aus. Das entspricht einer Wachstumsrate von 28%. Oracle selbst hatte im Vorfeld eine Wachstumsspanne von 27 bis 29% in Aussicht gestellt.
Mit Argusaugen wird die Börse vor allem die Entwicklung der Cloud-Erlöse beobachten. Oracle geht von einem Wachstum zwischen 58 und 64% auf Jahressicht aus.
In Sachen Ergebnis liegt die Markterwartung bei einem Gewinn je Aktie von 1,74 US$. Das ist deutlich mehr als die EPS von 1,01 US$ vor einem Jahr.
Wie hoch werden die Investitionen?
Neben der Umsatzdynamik, vor allem im Cloud-Segment, wird auch die Investitionsplanung von Oracle im Fokus der Börse stehen. Im laufenden GJ peilt der Konzern Investitionen in Höhe von 95 Milliarden US$ an.
Um diese gewaltigen Capex zu stemmen, geht Oracle von einem weiteren Finanzierungsbedarf von rund 40 Milliarden US$ aus. Bereits im vergangenen GJ hat der Tech-Konzern 43 Milliarden US$ an Fremdkapital und 5 Milliarden US$ an Eigenkapital aufgenommen.
Die Börse wird sehr genau darauf achten, ob es zu Abweichungen bei dieser Investitionsplanung kommt. Eine weitere Erhöhung der Capex dürfte sie mit einem Kursrückgang der Oracle-Aktie bestrafen.
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Deutliche Erholung
Nachdem die Oracle-Aktie Ende Juli auf ein neues 2-Jahrestief gefallen war, konnte sie sich bis heute deutlich erholen. Das Kursplus in den letzten sechs Wochen summierte sich auf satte +40%. Für einen weiteren Kursanstieg muss der Tech-Wert nun den Widerstand bei 184 US$ knacken.
Eine echte Schnäppchenbewertung
Bei kaum einem anderen Technologiewert ist die Bandbreite der Kursziele von Banken so groß wie bei der Oracle-Aktie. Während die Grizzlybären mit einem Kursziel von 145 US$ noch ein kleines Downside sehen, glauben die Oberbullen mit einem fairen Wert von 400 US$ an eine mehr als Verdoppelung des aktuellen Aktienkurses.
Warum ist das so? Die Antwort auf diese Frage liegt in der Unsicherheit, ob Oracle mittelfristig in der Lage sein wird, mit seinen gigantischen KI-Investitionen eine überdurchschnittliche Rendite zu erzielen.
Der aktuelle Kurs der Oracle-Aktie gibt die eindeutige Antwort der Börse auf diese Frage. Sie lautet „Nein“. Anders lässt sich die sehr moderate Bewertung des Tech-Titels überhaupt nicht erklären.
Die Oracle-Aktie wird derzeit mit einem Forward-KGV von 20 gehandelt. Das ist für einen hochprofitablen Technologiekonzern, der im laufenden GJ voraussichtlich mit 33% und im kommenden GJ mit über 40% wachsen wird, eine echte Schnäppchenbewertung. Noch dazu vor dem Hintergrund eines gewaltigen Auftragsberges von RPO in Höhe von über 600 Milliarden US$.
Was ist das Aber?
Aber diese Schnäppchenbewertung hat auch einen guten Grund. Oracle geht mit seiner massiven und weitgehend fremdfinanzierten Cloud-Investitionsoffensive gleich ein doppeltes Risiko ein. Zum einen könnte die Fremdfinanzierung in Anbetracht steigender Zinsen zu einer signifikanten Belastung des Cashflows werden.
Schon heute ist Oracle nicht in der Lage, seine Investitionen aus dem operativen Cashflow zu bezahlen. Die Börse wird deshalb sehr genau beobachten, wie sich die Zinsbelastung des Konzerns in den kommenden Quartalen entwickelt.
Zum anderen kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand sagen, wie gut sich die KI-Infrastrukturinvestitionen von Oracle mittelfristig rechnen werden. Niemand weiß, ob es in wenigen Jahren nicht zu Überkapazitäten bei Rechenzentren kommen wird. Gleichzeitig veraltet die darin eingesetzte Hardware in einem atemberaubenden Tempo, was Cloud-Konzerne mit gewaltigen Wertberichtigungen konfrontiert.
Zum Abschluss: Bei diesem Aktien glauben wir daran, dass sie zu den KI-Gewinnern zählen. Du findest sie in unserem KI-Gewinner 2026 Report!
Der Papierform nach ist die Oracle-Aktie ein klarer Kauf. Trotzdem rate ich Anlegern, die heute Abend vorgestellten Quartalszahlen und Prognosen abzuwarten. Sie könnten zu einem weiteren Abverkauf der Aktie führen.
Mit einem Rückfall unter das 2-Jahrestief von 115 US$ rechne ich nicht mehr. Aber auch einen Anstieg auf 400 US$ halte ich für völlig illusorisch.
Oracle in Kürze
- Oracle (WKN: 871460) ist ein US-Soft- und Hardwarekonzern mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas.
- Bekannt ist der Konzern vor allem als Betreiber eines Datenbanksystems. Darüber hinaus bietet Oracle seinen Kunden Cloud-Infrastruktur und zahlreiche Anwendungen an.
- Gegründet im Jahre 1977 und mit einem Jahresumsatz von fast 70 Milliarden US$ zählt Oracle zu den ältesten und größten Tech-Konzernen weltweit.
- Oracle ist Mitglied im US-Leitindex S&P 500 und ca. 466 Milliarden US$ wert.
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