Europa will im Satellitengeschäft unabhängiger werden und seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber internationalen Anbietern stärken. Dazu wollen Airbus, Thales und Leonardo ihre Raumfahrtaktivitäten in einem gemeinsamen Unternehmen bündeln. Hier stellt sich die Frage: Was bedeutet der geplante Zusammenschluss für die drei Konzerne und welche Vorteile könnte er bringen?
Satellitenbedarf steigt
Seit dem Ausbruch des Ukraine-Krieges ist die strategische Bedeutung eigener Satellitenkapazitäten für Europa deutlich gestiegen. Die Abhängigkeit von außereuropäischen Anbietern bei Kommunikation und Aufklärung wird zunehmend als sicherheitspolitisches Risiko betrachtet.
Entsprechend investieren die europäischen Staaten verstärkt in eigene Raumfahrtkapazitäten. Allein die Bundeswehr plant nach Angaben des Handelsblatts in den kommenden Jahren Investitionen von rund 35 Milliarden € in Weltraumtechnik.
Da Satelliten nur eine begrenzte Lebensdauer haben, entsteht zudem ein kontinuierlicher Bedarf an Ersatz- und Neuinvestitionen.
Davon profitieren bereits heute die europäischen Raumfahrtunternehmen. Airbus, Thales und Leonardo verzeichnen eine steigende Nachfrage nach entsprechenden Produkten und Dienstleistungen.
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Geplantes Gemeinschaftsunternehmen
Airbus, Thales und Leonardo haben das sogenannte „Projekt Bromo“ bereits 2025 offiziell vorgestellt. Dabei sollen wesentliche Raumfahrt- und Satellitenaktivitäten der drei Konzerne in einem gemeinsamen Unternehmen gebündelt werden.
Das Vorhaben soll nun bei der EU-Kommission angemeldet und wettbewerbsrechtlich geprüft werden. Hintergrund ist unter anderem die Frage, ob durch den Zusammenschluss eine zu starke Marktposition in Europa entstehen könnte und ob Wettbewerber wie OHB dadurch benachteiligt werden.
Die neue Gesellschaft soll rund 25.000 Mitarbeiter beschäftigen und auf Pro-forma-Basis einen Jahresumsatz von etwa 6,5 Milliarden € erzielen. Der vorhandene Auftragsbestand soll einer Auslastung von mehr als drei Jahren entsprechen.
Airbus soll 35 % an dem Gemeinschaftsunternehmen halten. Auf Thales und Leonardo entfallen jeweils 32,5 %.
Bis Ende 2026 soll der rechtsverbindliche Rahmenvertrag unterzeichnet werden. Eine Entscheidung der EU-Kommission wird bis Mitte 2027 erwartet. Anschließend könnte das neue Unternehmen seine operative Tätigkeit aufnehmen.
Bewertung
Ein solches Gemeinschaftsunternehmen könnte die europäische Satellitenindustrie deutlich stärken. Durch die Bündelung der Aktivitäten entsteht ein Anbieter mit einer größeren technologischen und finanziellen Basis.
Fusionen beziehungsweise Zusammenlegungen von Geschäftsbereichen bieten zudem grundsätzlich Synergiepotenziale. Das dürfte auch beim Projekt Bromo eine wichtige Rolle spielen.
Bei Airbus beispielsweise hat sich das Raumfahrt- und Verteidigungsgeschäft zuletzt deutlich verbessert. Die Airbus-Tochter Defence and Space erzielte im vergangenen Jahr erstmals einen Gewinn von rund 800 Millionen €. Bis 2029 soll dieser nach Unternehmensangaben auf bis zu 1,3 Milliarden € steigen.
Auch Thales und Leonardo verfügen bereits über gemeinsame Aktivitäten im Raumfahrtbereich. Thales Alenia Space ist ein Gemeinschaftsunternehmen beider Konzerne. Durch die geplante Neuordnung könnten weitere Skaleneffekte entstehen.
Allerdings ist noch offen, ob und unter welchen Bedingungen die EU-Kommission den Zusammenschluss genehmigt. Gerade kleinere europäische Anbieter befürchten eine stärkere Konzentration des Marktes. Auch die ESA verfolgt das Vorhaben mit Blick auf den Erhalt eines wettbewerbsfähigen europäischen Raumfahrtsektors.
Ein weiterer Punkt ist die Umsetzung. Die Geschichte europäischer Großprojekte zeigt, dass unterschiedliche nationale Interessen und Unternehmensstrategien solche Vorhaben erschweren können.
Entscheidend für den Erfolg wird jedoch sein, dass die beteiligten Unternehmen und Staaten ihre Interessen ausreichend miteinander abstimmen und die geplanten Synergien tatsächlich realisiert werden.
Insgesamt halte ich die geplante Zusammenlegung der Raumfahrtaktivitäten von Airbus, Thales und Leonardo für sinnvoll.
Europa benötigt angesichts der zunehmenden Bedeutung von Satelliten für Kommunikation, Aufklärung und Sicherheit einen wettbewerbsfähigen eigenen Anbieter. Durch die Bündelung der Aktivitäten könnte ein europäischer Satellitenkonzern entstehen, der im internationalen Wettbewerb über eine größere technologische und wirtschaftliche Schlagkraft verfügt.
Für mich ist Airbus der größte Gewinner des Vorhabens, da der Konzern mit 35 % die größte Beteiligung am neuen Unternehmen halten soll. Aber auch Thales und Leonardo dürften strategisch profitieren.
Kurzfristig erwarte ich allerdings nur begrenzte Auswirkungen auf die Aktienkurse. Für alle drei Konzerne sind die übrigen Geschäftsbereiche weiterhin wesentlich wichtiger für die Gesamtbewertung.
An dieser Stelle sei erwähnt: Die Nachfrage nach Militärrohstoffen übersteigt das Angebot nun bei weitem – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ präsentiert zwei Aktien, die für künftige Preissprünge optimal positioniert sind.
Satellitengeschäft in Kürze
- Im Zuge der steigenden Verteidigungsausgaben in Deutschland und anderen europäischen NATO-Staaten gewinnt auch die Bedeutung von Satelliten- und Raumfahrtsystemen.
- Neben Kommunikationssatelliten werden insbesondere Systeme für Aufklärung, Navigation und sichere Datenübertragung benötigt. Gleichzeitig ist der internationale Wettbewerb deutlich härter geworden. Unternehmen wie SpaceX und Amazon investieren Milliarden in eigene Satellitenkonstellationen.
- In Europa ist das Geschäft dagegen vergleichsweise fragmentiert. Neben Airbus, Thales und Leonardo gibt es weitere Anbieter wie das deutsche Unternehmen OHB.
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