Die Bayer-Aktie korrigierte nach dem starken Kursanstieg bis auf 53,30 € im Juli wieder und bewegte sich zuletzt seitwärts in einer Range zwischen 47 und 49 €. Am Donnerstag notiert sie aktuell bei 49,50 €. Der Analyst Wise sieht Überschuldungsrisiken. Hier stellt sich die Frage: Wie sind dies Befürchtungen einzuordnen und was ist zukünftig zu erwarten?

Bedeutung von Goodwill

Ein wesentlicher Bestandteil der Aktivseite der Bayer-Bilanz ist der Goodwill, also der bilanziell erfasste Geschäfts- oder Firmenwert.

Der Goodwill besteht aus mehreren Faktoren. Hierin sind oftmals immaterielle Werte aus Übernahmen enthalten sowie wichtigen Faktoren des Unternehmens. Bei Pharmaunternehmen spielen zusätzlich Forschungsergebnisse, Wirkstoffkandidaten und Produktentwicklungen eine wichtige Rolle bei der Bewertung eines Unternehmens.

Der Goodwill ist somit nicht automatisch „wertlos“. Allerdings kann sich seine Werthaltigkeit verschlechtern, wenn sich die wirtschaftlichen Erwartungen an ein übernommenes Geschäft deutlich reduzieren.

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Warren Wise sieht darin Gefahren

Der Analyst und Podcaster Warren Wise kommt in seiner Analyse von Bayer zu dem Ergebnis, dass der Goodwill den ausgewiesenen Eigenkapitalwert übersteigt.

Laut dem Geschäftsbericht 2025 weist Bayer einen Goodwill von rund 28 Milliarden € und ein Eigenkapital von etwa 26 Milliarden € aus.

Rein rechnerisch ist die Aussage von Wise damit nachvollziehbar: Würde der gesamte Goodwill auf null abgeschrieben, würde das ausgewiesene Eigenkapital rechnerisch aufgebraucht und ins Negative gedrückt.

Daraus lässt sich jedoch nicht unmittelbar ableiten, dass Bayer tatsächlich überschuldet ist. Entscheidend ist vielmehr, ob und in welchem Umfang der Goodwill künftig tatsächlich wertgemindert werden muss.

Mit der Monsanto-Übernahme wurde der Goodwill damals um 24,5 auf etwa 40 Milliarden € angehoben (Übernahmepreis etwa 60 Milliarden €). Mittlerweile wurde eine massive Abschreibung aufgrund der Glyphosat-Klagen abgeschrieben.

Solche Abschreibungen belasten nur das Nettoergebnis. Hier wurden zuletzt hohe Verluste ausgewiesen.

Unzureichende Kapitalrendite

Ein weiterer Kritikpunkt von Wise ist, dass die Kapitalrendite die Kapitalkosten nicht ausreichend deckt.

Ein wesentlicher Belastungsfaktor für Bayer bleibt die hohe Verschuldung. Diese liegt derzeit bei etwa 30 Milliarden €. Zuletzt konnte sie unter anderem durch eine Kapitaleinlage von Apollo in Höhe von 3 Milliarden € reduziert werden.

Ein großer Teil der Verschuldung steht dabei im Zusammenhang mit der Monsanto-Übernahme.

Die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC) lagen 2025 laut Unternehmensangaben bei 7,5 %. Gleichzeitig lag die Kapitalrendite (ROCE) bei -1,4 %.

Damit erwirtschaftete Bayer 2025 keine ausreichende Rendite auf das eingesetzte Kapital, um die Kapitalkosten zu decken.

Bewertung

So dramatisch wie Warren Wise die Eigenkapitalsituation darstellt, sehe ich die Lage insgesamt nicht.

Eine vollständige Abschreibung des Goodwills erscheint aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Allerdings können abhängig von der weiteren Entwicklung einzelner Geschäftsbereiche und insbesondere der Rechtsstreitigkeiten zusätzliche Wertminderungen erforderlich werden. Diese würden den ausgewiesenen Nettogewinn entsprechend belasten.

Problematisch bleibt jedoch die hohe Verschuldung und die damit anfallenden Kreditkosten. Der Abbau der Verbindlichkeiten kommt bislang nur langsam voran.

Für eine deutlich schnellere Entschuldung wären grundsätzlich auch größere Veräußerungen von Geschäftsbereichen oder eine Kapitalerhöhung denkbar. Derzeit stehen diese Optionen jedoch nicht im Mittelpunkt der Unternehmensstrategie.

Für die weitere Kursentwicklung bleibt insbesondere der Ausgang der US-Rechtsstreitigkeiten entscheidend. Von Bedeutung ist dabei, ob die derzeit angestrebte Lösung der Glyphosat- Verfahren rechtlich und finanziell wie geplant umgesetzt werden kann.

Die extreme Einschätzung von Warren Wise teile ich nicht. Seine Kritik enthält jedoch einen wichtigen Kern: Der hohe Goodwill und die hohe Verschuldung bleiben wesentliche Risiken für Bayer.

Ohne weitere Fortschritte bei den Rechtsstreitigkeiten dürfte das kurzfristige Kurspotenzial aus meiner Sicht begrenzt bleiben. Operativ befindet sich das Unternehmen allerdings auf einem grundsätzlich besseren Weg.

Mittelfristig sind höhere Kurse möglich. Einen fairen Wert sehe ich dann bei etwa 60 €.

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ℹ Bayer in Kürze

  • Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
  • Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
  • Das Unternehmen ist im DAX gelistet. An der Börse wird es aktuell mit 48,5 Milliarden € bewertet.

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