Zuletzt nahm die Zuversicht der Anleger bei der ThyssenKrupp-Aktie deutlich zu. Der Kurs stieg bis auf 15,80 € und erreichte damit wieder das Niveau von 2018. Am Dienstag notiert die Aktie aktuell bei etwa 15,20 €. Seit März hat sich der Aktienkurs damit in etwa verdoppelt. Hier stellt sich die Frage: Besteht jetzt noch weiteres Potenzial?
EU-Zölle schützt einheimische Stahlhersteller
Aufgrund der hohen US-Zölle leitete China einen größeren Teil seiner Exporte in Richtung Europa um. Davon waren insbesondere die europäischen Stahlhersteller betroffen, darunter auch ThyssenKrupp.
Um die heimische Stahlindustrie vor Billigimporten und möglichen Dumpingpreisen zu schützen, hat die EU ihre Schutzmaßnahmen ausgeweitet. Die zollfreie Importmenge wurde um 47% auf 18,3 Millionen Tonnen reduziert. Für Importe außerhalb dieser Kontingente wurde der Zollsatz von 25 auf 50% erhöht.
Diese Maßnahmen können die europäischen Stahlhersteller grundsätzlich vor zusätzlichem Preisdruck durch Importe schützen. Allerdings bleiben die Produktionskosten deutscher Stahlhersteller im internationalen Vergleich hoch.
Auch innerhalb Europas unterscheiden sich die Herstellungskosten erheblich. Insbesondere die hohen Energiekosten in Deutschland belasten die Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Stahlindustrie.
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EU-Klimapolitik verändert Rahmenbedingungen
Ursprünglich war vorgesehen, dass die Preise für CO₂-Zertifikate stärker steigen. Die deutsche Stahlindustrie setzte deshalb verstärkt auf den sogenannten grünen Stahl.
Dieser soll unter anderem mithilfe von grünem Wasserstoff hergestellt werden, der aus erneuerbaren Energien gewonnen wird.
Die erforderlichen Umrüstungskosten wurden in Deutschland in erheblichem Umfang staatlich gefördert. Einen weiteren Teil der Investitionen müssen die Stahlkonzerne selbst tragen.
Mittlerweile wurden die Rahmenbedingungen für den Anstieg der CO₂-Kosten auf EU-Ebene angepasst. Das verändert die wirtschaftlichen Anreize für die Umstellung auf eine CO₂-arme Stahlproduktion und kann für deutsche Stahlhersteller zu zusätzlichen Wettbewerbsfragen innerhalb Europas führen.
Auch Thyssenkrupp hat bereits hohe Summen in den Umbau der Stahlsparte investiert.
Ertragslage deutlich verbessert
Das größte Problem von Thyssenkrupp war in den vergangenen Jahren die schwache Profitabilität. Um dies zu ändern, wurde ein weitreichender Konzernumbau eingeleitet.
Operativ sind erste Fortschritte erkennbar. Im dritten Quartal verbesserte sich das bereinigte EBIT gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 18% auf 183 Millionen €.
Auch der Umsatz entwickelte sich positiv und stieg um 8% auf 8,8 Milliarden €.
Damit bewegt sich Thyssenkrupp operativ in die richtige Richtung. Der Konzernumbau ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
Bewertung
In dem starken Kursanstieg sind inzwischen mehrere positive Faktoren berücksichtigt.
Neben den verbesserten Rahmenbedingungen für europäische Stahlproduzenten profitiert der Konzern insbesondere von der Entwicklung der Tochter TKMS. Sie gehört zu den wichtigsten Profiteuren der steigenden Verteidigungsausgaben in Deutschland und anderen NATO-Staaten.
Zusätzlichen Rückenwind lieferte die Anhebung der Jahresprognose. Das bereinigte EBIT soll nun zwischen 600 und 900 Millionen € liegen. Zuvor wurde eine Bandbreite von 500 bis 900 Millionen € erwartet.
Die größte Herausforderung bleibt jedoch die Stahlsparte. Über die früher diskutierten Übernahmepläne beziehungsweise einen möglichen Einstieg von Jindal ist zuletzt weniger zu hören. Die Restrukturierung dürfte der Konzern daher zunächst weitgehend eigenständig vorantreiben.
In dem starken Kursanstieg ist bereits viel Positives enthalten. Insgesamt halte ich das weitere Kurspotenzial auf dem aktuellen Niveau für begrenzt. Vielmehr rechne ich mit einer Korrektur.
Anleger mit hohen Kursgewinnen sollten daher über eine Teilgewinnmitnahme nachdenken. Neueinsteiger sollten eine Korrektur abwarten.
In diesem Zusammenhang: Regierungen stocken strategische Rohstoffreserven massiv auf – unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ analysiert zwei Aktien, die Profiteur zu großen Profiteuren werden dürften.
Thyssenkrupp in Kürze
- Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell etwa 9,5 Milliarden € wert.
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