Nachdem sich die Mercedes-Benz-Aktie über die Sommermonate hinweg bei über 40 € stabilisiert hat, kämpft sie inzwischen mit ihrem 3-Monatshoch bei 49 €. Steigt der Stern aus Schwaben nun langsam wieder in den Himmel oder hat er seine Leuchtkraft endgültig verloren?
Zwei tolle Nachrichten
Bevor ich eine Antwort auf die eingangs gestellt Frage geben will, möchte ich noch kurz auf alle relevanten Entwicklungen bei Mercedes-Benz eingehen. Das vergangene Wochenende hätte kaum besser laufen können. Mercedes fuhr beim Formel 1-Grand Prix von Italien einen Doppelsieg ein. Ausgerechnet der italienische Mercedes-Pilot Kimi Antonelli gewann den Großen Preis in Monza vor seinem Teamkollege George Russell.
Erfolge in der Formel 1 sind schön und gut, haben aber nur begrenzte Auswirkungen auf den Erfolg des deutschen Autokonzerns. Kursbeeinflussender dürfte die jüngste Nachricht gewesen sein, dass Mercedes-Benz im September ein weiteres Aktienrückkaufprogramm gestartet hat.
Bis April 2027 wollen die Stuttgarter Aktien im Wert von 1 Milliarden € zurückkaufen. Erst im Juni hatte der Autokonzern sein letzten Rückkaufprogramm mit einem Volumen von 2 Milliarden € abgeschlossen. Beide Programme dürften sich stabilisierend auf den Kurs der Mercedes-Benz-Aktie auswirken.
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Und wie läuft es operativ?
Auch operativ gibt es einige Lichtblicke bei Mercedes-Benz, vor allem in Bezug auf das Geschäft mit Elektroautos. Die momentan wahrscheinlich wichtigste positive Nachricht ist, dass der Absatz vollelektrischer Mercedes-Pkw in zweiten Quartal um 51% gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. In Europa lag das Absatzplus sogar bei 87 %.
Der Auftragseingang für Elektroautos in Europa hat sich im abgelaufenen Vierteljahr mehr als verdoppelt. Mercedes-Benz erwartet für 2026 inzwischen einen Anteil elektrifizierter Fahrzeuge von 23 bis 25%, was eine leichte Steigerungen gegenüber dem Vorjahreswert von 21 bis 23% darstellt. Das spricht dafür, dass die neue Modellgeneration, insbesondere der neue CLA, gut auf dem Markt angenommen wird.
Keine Trendwende in Sicht
Trotz dieser Lichtblicke prognostiziert das Mercedes-Management für das Gesamtjahr 2026 noch immer keine Trendwende. Der Konzernumsatz wird knapp unter dem Vorjahresniveau von 132,2 Milliarden € erwartet.
Der Konzern-EBIT dürfte sogar spürbar unter dem Wert von 8,2 Milliarden € im vergangenen Jahr liegen. Und der Free Cashflow wird in einer Spanne von 3,5 bis 4,0 Milliarden € gesehen — deutlich unter dem Vorjahresniveau von 5,4 Milliarden €. Als bereinigte Umsatzrendite peilt Mercedes-Benz 2026 einen Wert zwischen 3 und 5% an.
Das wird entscheidend
Das Chartbild der Mercedes-Benz-Aktie hat sich zuletzt wieder etwas aufgehellt. Nachdem der DAX-Titel Ende Juni auf ein neues 5-Jahrestief gefallen war, konnte er sich um ca. +10% erholen.
Charttechnisch entscheidend wird nun das 3-Monatshoch bei 49 €. Sollte der Autotitel es knacken können, sind wieder Kurse zwischen 50 und 55 € möglich.
Noch lange nicht über den Berg
Mercedes-Benz ist noch lange nicht über Berg. Die Kombination aus Rabattschlachten in China, mehr Wettbewerb im Premiumsegment, höhere Zölle in den USA und hohe Kosten für die Umstellung der Modellpalette auf Elektroantrieb werden die Schwaben noch über Jahre begleiten.
Eine Umsatzrendite von 3 bis 5% ist für einen Premiumautobauer wie Mercedes-Benz ein erschreckend niedriges Niveau. Damit sind die Stuttgarter de facto kaum profitabler als ihre Kollegen aus Wolfsburg. Zu besseren Zeiten lieferten die Schwaben zweistellige Umsatzrenditen. Ich fürchte, dass eine Rückkehr zu diesen Zeiten niemals gelingen wird.
Die Leuchtkraft ist verlorengegangen
Der Stern von Mercedes-Benz hat seine Leuchtkraft meiner Meinung nach für immer verloren. Das gilt vor allem für den chinesischen Markt. Dort sind Käufer nicht mehr wie in der Vergangenheit bereit, sehr hohe Prämien für den Luxusstatus der Deutschen zu bezahlen. Chinesische Autokonzerne sind längst sehr erfolgreich in den Premiummarkt vorgedrungen und machen Mercedes das Leben schwer.
Hinzu kommt, dass sich die Elektrotransformation bei Mercedes-Benz quälend langsam vollzieht. Gerade einmal jedes vierte Auto der Stuttgarter hatte im letzten Quartal einen Elektroantrieb. Das ist im Jahr 2026 eine lächerlich geringe Quote.
Ich sehe nicht, wie Mercedes-Benz in den kommenden Jahren wieder zu einem Absatz- und Umsatzwachstum, geschweige denn zu einer höheren einstelligen Umsatzrendite zurückkehren will. Chinesische Hersteller werden den Deutschen in Zukunft auch auf dem europäischen Premiummarkt Marktanteile kosten. Mercedes wird hier aggressiv gegenhalten müssen, um nicht unter die Räder zu kommen.
Nicht einmal für Dividendenanleger ist die Mercedes-Benz-Aktie meiner Überzeugung nach noch einen Kauf wert. Nach massiven Dividendensenkungen in den beiden letzten Jahren dürfte die Gewinnausschüttung der Schwaben auch 2027 leicht sinken. Der Cashflow des Autobauers gibt einfach nicht mehr her.
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Ich sehe nicht, dass der Stern von Mercedes-Benz in absehbarer Zeit wieder in den Autohimmel steigt. Der Berg an Herausforderungen ist einfach zu groß und die Bewertung mit einem Forward-KGV von 7 nicht gerade günstig.
Wir sprechen schließlich von einem Autohersteller mit sinkendem Absatz und Umsatz sowie einer sehr mageren Profitabilität. Mercedes-Benz hat noch viel zu tun, um seinem Stern wieder die alte Leuchtkraft zurückzugeben.
Mercedes-Benz in Kürze
- Mercedes-Benz (WKN: 710000) ist einer der traditionsreichsten Autohersteller der Welt. Mit einem Absatz von rund 2 Millionen Fahrzeugen (Pkw und Vans) gehört der Konzern mit Sitz in Stuttgart zu den drei wichtigsten Autobauern Deutschlands.
- Gemessen am Umsatz zählt die Mercedes-Benz-Gruppe sogar zu den größten Autoherstellern der Welt.
- An der Börse wird das im DAX gelistete Unternehmen mit ca. 46 Milliarden € bewertet.
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