Ein Depot ist heute in wenigen Minuten eröffnet und zusammengestellt. Doch zwischen „schnell investiert“ und „den Markt geschlagen“ liegen Welten.
Die Aussicht auf einen Tenbagger oder auch nur 20 % mehr Rendite als der Gesamtmarkt treibt viele Anleger an – gerade in Zeiten, in denen Anleger ständig mit neuen Börsen-Chancen konfrontiert werden. Aber lässt sich Outperformance tatsächlich systematisch planen?
Die kurze Antwort lautet: nicht wirklich. Aber es ist dennoch nicht gänzlich ausgeschlossen. Wer es versuchen will, braucht weniger Börseninstinkt als vielmehr einen klaren Prozess.
Das 10-Minuten-Depot: Schnell gebaut, aber nicht blind zusammengestellt
Die erste Ernüchterung liefert ein Blick auf die Statistik. Laut dem aktuellen SPIVA-Europe-Report verfehlten 2025 rund 71 % der aktiv gemanagten globalen Aktienfonds in Euro den S&P World.
Über einen Zeitraum von fünf Jahren lag die Unterperformance-Quote sogar bei rund 95 %. Das ist ein wichtig für Privatanleger.
Denn den Markt dauerhaft zu schlagen, ist somit deutlich schwieriger, als eine einzelne gute Aktie zu erwischen. Wer ein Depot in kurzer Zeit aufsetzen möchte, sollte deshalb nicht mit fünf vermeintlichen Geheimtipps beginnen.
Sinnvoller könnte daher ein breit diversifizierter Kern sein, etwa über einen kostengünstigen Aktien-ETF. Darauf können gezielt einzelne Unternehmen oder Branchen aufbauen, bei denen die eigene Investmentthese besonders überzeugend ist – Stichwort Core-Satellite-Strategie.
Genau hier entscheidet sich, ob aus einem schnellen Depot ein durchdachtes Portfolio wird. Eine Aktie sollte nicht gekauft werden, weil sie gerade stark steigt oder in sozialen Medien gefeiert wird. Entscheidend sind vielmehr die Umsatz- und Gewinnentwicklung, Verschuldung, Cashflow, Wettbewerbsvorteile und natürlich auch die Bewertung.
Auch die Gewichtung spielt eine zentrale Rolle. Wer beispielsweise stark auf Technologie, künstliche Intelligenz oder einzelne Wachstumswerte setzt, kann in einem günstigen Marktumfeld deutlich besser abschneiden als der Gesamtmarkt. Gleichzeitig steigt aber auch das Risiko, bei einer Trendwende erheblich zurückzufallen.
Die Zehn-Minuten-Idee sollte deshalb vor allem als Rahmen verstanden werden. Es geht darum, einen stabilen Kern schaffen, Chancen gezielt beimischen und vor dem Kauf festlegen, warum eine Position überhaupt ins Depot gehört. Wer dagegen lediglich zehn Minuten lang Kurscharts durchsucht und anschließend fünf heiße Aktien kauft, betreibt eher Börsenroulette als Vermögensaufbau.
Fazit: 20 % Outperformance sind möglich – aber kein Rezept
Ein Depot kann den Markt um 20 % schlagen. Aber eine solche Rendite lässt sich weder garantieren noch seriös versprechen. Selbst professionelle Fondsmanager schaffen es nur selten, ihre Vergleichsindizes dauerhaft zu übertreffen.
Der sinnvollere Ansatz könnte daher ganz anders aussehen. Nämlich: nicht auf den einen großen Treffer wetten, sondern die Qualität jeder Investmententscheidung erhöhen. Ein breit diversifizierter Kern, ergänzt um sorgfältig analysierte Einzelwerte, kann dafür eine solide Grundlage bilden.
Und genau hier beginnt die eigentliche Arbeit. Es geht um die Frage, woran man ein wirklich gutes Unternehmen erkennt. Wer Aktien gezielt auswählen möchte, sollte deshalb nicht nur auf den Aktienkurs schauen, sondern die wichtigsten Kennzahlen eines Unternehmens verstehen.
Der Artikel In nur 10 Minuten ein Depot bauen, das den Markt um 20 % schlägt? Der Realitätscheck! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.