Ein Kursplus von über +7% haben VW-Aktionäre schon lange nicht mehr gesehen. So geschehen am gestrigen Donnerstag. Und auch am Freitagmorgen startet die Volkswagen-Aktie freundlich in den Tag. Können sich Anleger angesichts des genehmigten Sanierungsplans jetzt auf ein großes Comeback der VW-Aktie freuen oder wird es mal wieder nur ein Strohfeuer bleiben?

Das ging schnell

h muss zugeben, dass ich von der Geschwindigkeit der Entscheidung überrascht bin. Gestern stimmte der Aufsichtsrat der Wolfsburger dem „Zukunftsplan 2030“ des Vorstandes zu.

Damit sollen bei Volkswagen Überkapazitäten von mehr als einer halben Million Fahrzeuge abgebaut und die operative Marge bis 2030 auf über 9% steigen. Zur Erinnerung: Im ersten Halbjahr 2026 betrug sie gerade mal 3,8%.

Der Sanierungsplan des VW-Managements besteht im Wesentlichen aus vier Teilbereichen: massiver Personalabbau, geplante Werksschließungen, Reduzierung von Beteiligungen und Verringerung der Modellvielfalt.

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Massiver zusätzlicher Stellenabbau

Zusätzlich zu früheren Performance-Programmen will Volkswagen in den kommenden Jahren weltweit rund 50.000 weitere Stellen streichen. Diesen Umstrukturierungsprozess wird Erika Rasch von Bosch ab dem 1. Oktober als neue Vorständin des Personalressorts übernehmen.

Geplante Werksschließungen

Das umstrittenste Thema des Zukunftsplanes war zweifellos die Schließung der vier Werke in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau. Nach Aussage des Vorstands gibt es für diese Produktionsstätten von 2031 bis 2034 keine wettbewerbsfähige Folgebelegung mehr.

Das heißt aber noch nicht, dass die vier Werke nun tatsächlich geschlossen werden. Der Aufsichtsrat nahm diesen Teil des Zukunftsplanes lediglich zur Kenntnis, stimmte ihm aber nicht zu. Vor allem für die Gewerkschaften war dieser Punkt nicht zustimmungsfähig.

Nun muss der VW-Vorstand alternative Nutzungsmöglichkeiten für die vier Werke finden. Denkbar ist beispielsweise ein Verkauf an andere Industriekonzerne.

Reduzierung von Beteiligungen

Um die für die Transformation zur Elektromobilität benötigte Liquidität zu verbessern, plant VW den Verkauf bzw. die Reduzierung von Beteiligungen. Dazu zählt die Senkung des Anteils an der Lkw-Tochter Traton (von 87 auf 75%) sowie potenzielle Teilverkäufe bei Marken wie Ducati, Europcar oder dem Ladedienst Elli.

Verringerung der Modellvielfalt

Um das Margenziel in vier Jahren zu erreichen, wird Volkswagen seine große Modellpalette drastisch verkleinern. Bis Bis 2035 soll die Zahl der Modelle ungefähr halbiert werden. Damit will VW die Komplexität und die Entwicklungskosten reduzieren und sich stärker auf die Modelle mit den höchsten Margen konzentrieren.

Ein großer Tag für den Chart

Es ist ein großer Tag für das Chartbild der Volkswagen-Aktie. Erstmals seit Juni gelingt dem DAX-Titel wieder der Sprung über die Marke von 80 €. Charttechnisch ist nun der Weg frei bis zur nächsten Widerstandszone bei 84/85 €.

Darf man wirklich optimistisch sein?

Mittlerweile haben die ersten Banken auf das genehmigte Sanierungspaket bei VW reagiert, aber keine von ihnen hat ihr Kursziel für die Volkswagen-Aktie nach oben angepasst. Jefferies beließ es bei 120 €, JPMorgan bei 110 € und RBC Capital Markets bei 120 €. Damit sehen diese drei Banken ein Upside für den Autowert von +38 bis +50% gegenüber dem aktuellen Kurs.

Ich bin nicht ganz so optimistisch in Bezug auf die Zukunft der Volkswagen-Aktie eingestellt. Das grüne Licht für den Sanierungsplan ist für mich eine zwingende Voraussetzung für die Überlebensfähigkeit der Wolfsburger — nicht mehr und nicht weniger.

Jetzt muss VW richtig Gas in der Umsetzung geben. Eine Erhöhung der operativen Marge von über 5% innerhalb von vier Jahren ist eine Herkulesaufgabe. Noch sehe ich nicht, wie sie erfolgreich umgesetzt werden soll.

Der Abbau von rund 100.000 Stellen wird Volkswagen extrem viel Geld kosten. Die Werksschließung sind noch nicht beschlossene Sache. Ich rechne damit, dass es in dieser Frage noch viel Streit zwischen dem Vorstand und der Gewerkschaft geben wird, sofern der Konzern keine alternativen Verwendungsmöglichkeiten für die Fabriken findet.

Und auch das drastische Einstampfen der Modellpalette könnte sich als zweischneidiges Schwert erweisen. Der Marge wird es guttun, aber möglicherweise den Absatz und Umsatz stark beeinträchtigen.

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Ich sehe die Volkswagen-Aktie noch lange nicht über den Berg. Der Anfang ist gemacht, aber mit einem großen Comeback rechne ich noch nicht. Dazu ist die Lage des deutschen Autokonzerns immer noch viel zu kritisch und der Wettbewerb viel zu hart.

ℹ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und aktuell ca. 44,8 Milliarden € wert.

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