Nach ihrem Allzeithoch Mitte August ging der HP Enterprise-Aktie in den letzten Tagen die Luft aus. Und auch am Donnerstagmorgen gehört der Serverhersteller mit einem Kursverlust von fast -5% zu den schwächsten Werten im S&P 500. Was drückt auf den Kurs von HPE und warum kann das Unternehmen nicht mit der Top-Performance von Wettbewerber Dell Technologies mithalten?

Starke Zahlen

HP Enterprise lieferte gestern Abend die Zahlen für das dritte Quartal des Geschäftsjahres 2025/26, das im Juli zu Ende ging, und es waren Rekordzahlen, die die Erwartungen der Wall Street bei Umsatz und Gewinn deutlich übertrafen. Ausschlaggebend war eine extrem dynamische Nachfrage nach Server- und Netzwerk-Infrastruktur für KI-Inferencing und Enterprise-KI-Anwendungen.

Der Umsatz stieg um 34% gegenüber dem Vorjahresquartal auf 12,2 Milliarden US$. Besonders stark entwickelte sich das Networking-Segment, das aufgrund der Integration von Juniper Networks um 75% auf 2,9 Milliarden US$ zulegte.

Aber auch das Cloud & AI-Segment steigerte seine Erlöse um 25,4% auf 9,0 Milliarden US$. Der KI-Auftragsbestand kletterte auf den Rekordwert von 7,6 Milliarden US$. Allein im letzten Quartal wurden neue KI-Systemaufträge im Wert von 2,4 Milliarden US$ verbucht.

Die Bruttomarge stieg um über 10 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr auf 40,4%. Der bereinigte Gewinn je Aktie pulverisierte mit 1,11 US$ die Analystenerwartung von rund 0,90 US$. . Damit übertraf HPE erstmals in der Unternehmensgeschichte die Marke von 1,00 US$ bei den EPS in einem einzelnen Quartal. Und der Free Cashflow stieg auf ein neues Allzeithoch von 958 Millionen US$.

Angesichts der hervorragenden Geschäftsentwicklung hob das HPE-Management die EPS-Prognose für das gesamte GJ um 0,40 US$ auf 3,75 bis 3,85 US$ an. Für das kommenden GJ peilt der Serverhersteller ein weiteres Umsatzwachstum von 13 bis 17% an.

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Was gibt es hier zu meckern?

Dass die HP Enterprise-Aktie trotz dieser bärenstarken Quartalszahlen und der Anhebung der Jahresprognose im heutigen Handel nachgibt, liegt an einer Kombination aus Margenbedenken, Lieferkettenengpässen und makroökonomischem Druck.

HPE-Finanzchefin Myers wies in der Analystenkonferenz darauf hin, dass die operativen Margen im laufenden vierten Quartal voraussichtlich leicht sinken werden. Der Grund: Der Produkt-Mix verschiebt sich stärker in Richtung von KI-Systemen, die zwar ein hohes Umsatzvolumen bringen, aber strukturell eine niedrigere Marge haben als das traditionelle Server- oder Netzwerkgeschäft.

Trotz eines Rekordauftragsbestands leidet HPE unter weltweiten Engpässen bei Schlüsselkomponenten wie DDR5-Arbeitsspeicher, NAND-Flash und Wafer-Kapazitäten. Während die Auftragseingänge im vergangenen Quartal um 42% zulegten, wuchs der Umsatz „nur“ um 34%. Der Markt sorgt sich nun offenbar, wie schnell HPE diese gewaltige Nachfrage in tatsächliche Umsätze ummünzen kann.

Zudem zeigte sich das Management zurückhaltend in Bezug auf eine neue Großchance. Potenzielle Erlöse aus der „AMD Helios“-Partnerschaft flossen noch nicht in den Ausblick für 2027 ein, um mehr Zeitplansicherheit zu bekommen, was einigen sehr bullischen Anlegern zu vorsichtig war.

Und nicht zuletzt leidet die HP Enterprise-Aktie möglicherweise unter dem makroökonomischen Gegenwind. Die steigenden US-Anleiherendite belasten den gesamten Technologiesektor über höhere Finanzierungskosten.

Charttechnische Spannung

Erst Mitte August kletterte die HP Enterprise-Aktie auf ein neues Allzeithoch bei 60 US$. Danach drehte sie allerdings stark nach unten.

Heute wird es charttechnisch spannend. Der wichtige Support bei 49 US$ muss halten. Sollte das nicht gelingen, könnte die Aktie sogar auf 45 US$ abrutschen.

Nicht so dynamisch, aber viel günstiger

Im Vergleich zum großen Konkurrenten Dell Technologies fielen die Zahlen und Prognosen von HP Enterprise recht mau aus. Der Umsatz von Dell schoss im letzten Quartal um 58% hoch, weshalb die Jahresumsatzprognose um satte 15% angehoben wurde. Offenbar bevorzugt die Börse aufgrund dieser Dynamik momentan die Dell-Aktie gegenüber der HP Enterprise-Aktie.

Trotzdem empfehle ich auch die HPE-Aktie zum Kauf, denn sie ist meiner Einschätzung nach auf dem aktuellen Kursniveau sehr vernünftig bewertet. Das Forward-KGV liegt bei 13, was ich angesichts eines geplanten Wachstums von 13 bis 17% nicht für zu hoch halte.

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Meiner Meinung nach hat sich das HPE-Management bei seiner Umsatzprognose für das kommende Jahr etwas Luft nach oben gelassen. Angesichts der ungebrochen hohen Dynamik im KI-Cloud-Segment gehe ich von einem stärkeren Geschäft aus.

Ich rate Anlegern aktuell zum Kauf der HP Enterprise-Aktie. Die Geschäftsentwicklung ist zwar nicht so dynamisch wie beim Wettbewerber Dell. Dafür bekommen Anleger die HPE-Aktie zu einer deutlich günstigeren Bewertung, die meiner Meinung nach sehr fair ist. Ein größeres Downside sehe ich deshalb nicht mehr.

ℹ HP Enterprise vorgestellt

  • Hewlett Packard Enterprise (HP Enterprise) ist ein amerikanischer IT-Konzern mit Sitz in Spring im US-Bundesstaat Texas.
  • HP Enterprise bietet Unternehmen aller Größenordnungen Server-, Storage- und Netzwerklösungen.
  • Anfang 2024 übernahm der Konzern mit Juniper Networks einen seiner größten Wettbewerber.
  • HP Enterprise notiert an der New York Stock Exchange und ist derzeit ca. 68,6 Milliarden US$ wert.

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