Die Steyr-Motors-Aktie zeichnete sich zuletzt durch extreme Kursschwankungen aus. Ursachen hierfür waren erfolglose Übernahmegespräche sowie eine Prognoseanpassung. Vom Tief bei rund 26 € Ende Juli konnte sich die Aktie inzwischen wieder teilweise erholen. Am Donnerstag notiert sie aktuell bei etwa 29,20 €. Damit stellt sich die Frage: Wo liegt mittelfristig ein fairer Wert?

Prognose deutlich gesenkt

Nachdem sich mehrere Aufträge auf Kundenseite verzögert hatten, musste Steyr Motors seine Jahresziele deutlich nach unten korrigieren.

Insbesondere bei öffentlichen Aufträgen sind umfangreiche Genehmigungs- und Abnahmeverfahren erforderlich. Dadurch kam es zu Verzögerungen bei der Umsatzrealisierung. Das fehlende Umsatzvolumen wurde vom Unternehmen mit rund 10 Millionen € beziffert.

Statt eines Umsatzes zwischen 75 und 95 Millionen € erwartet Steyr Motors nun ein Wachstum von 15 bis 25%. Absolut entspricht dies einem Umsatz von etwa 55 bis 61 Millionen €.

Auch bei der Profitabilität wurde die Prognose reduziert. Statt einer EBIT-Marge von rund 15% werden nun 8 bis 12% erwartet.

Angesichts möglicher weiterer Verzögerungen wurde die neue Prognose nach Unternehmensangaben bewusst konservativ formuliert.

Zudem wurde die bisherige Prognose für 2027 zurückgenommen. Zuvor hatte das Unternehmen einen Umsatz von rund 140 Millionen € sowie ein EBIT von 40 Millionen € in Aussicht gestellt.

Die langfristigen Wachstumserwartungen wurden dagegen bestätigt. Basis hierfür ist die gut gefüllte Auftragspipeline mit 310 Millionen €.

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Umsatzverzögerungen belasten die Halbjahreszahlen

Die verschobenen Umsätze hinterließen im Halbjahresbericht deutliche Spuren – sowohl beim Umsatz als auch bei der Ertragsentwicklung.

Der Umsatz lag mit 22,8 Millionen € in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Das zivile Geschäft entwickelte sich positiv und erreichte einen Umsatz von 13,4 Millionen €. Im Defence-Geschäft lag der Umsatz dagegen bei 9,4 Millionen €. Hier machten sich die verzögerten Aufträge besonders bemerkbar.

Die Ertragslage wurde durch die fehlenden Umsätze erheblich belastet. Das bereinigte EBIT lag lediglich bei 0,1 Millionen €, was einer EBIT-Marge von 0,4% entspricht. Im ersten Quartal hatte die Marge noch bei 0,9% gelegen.

Beim Nettoergebnis wurde aus einem Vorjahresgewinn von 2,4 Millionen € ein Verlust von 1,1 Millionen €.

Bei der Bewertung dieser Finanzkennzahlen sollten allerdings die verschobenen Umsätze berücksichtigt werden. Die rückläufige Ertragslage hängt mit gestiegen Personalkosten zusammen.

Motorengeschäft deutlich erweitert

Um das bisherige Produktportfolio auszubauen, übernahm Steyr Motors das dänische Unternehmen BUKH. Die Übernahme wurde im April abgeschlossen. Der Kaufpreis lag im mittleren einstelligen Millionenbereich.

Durch die Übernahme erweitert Steyr Motors sein Angebot bei Marinemotoren erheblich. Während das bisherige Portfolio Motoren mit einer Leistung von etwa 120 bis 300 PS umfasste, können nun Motoren mit einer Leistung von 24 bis 700 PS angeboten werden.

Die Übernahme verbessert damit die Wettbewerbsposition von Steyr Motors deutlich. Mittelfristig dürften sich zudem positive Synergieeffekte ergeben.

Bewertung

Der starke Kursanstieg und der anschließende Rückgang im Juli waren zunächst maßgeblich von den Übernahmegesprächen mit Red Cat geprägt.

Zusätzlich belastete die deutliche Senkung der Jahresprognose den Kurs. Vor der Prognoseanpassung hatte die Aktie noch bei rund 33 € notiert.

Dabei sollte allerdings berücksichtigt werden, dass die fehlenden Umsätze nach aktuellem Kenntnisstand überwiegend verschoben und nicht storniert wurden.

Die operative Entwicklung dürfte sich daher verbessern, sobald die verzögerten Aufträge abgearbeitet und umsatzwirksam werden.

Trotzdem bleibt die Aktie derzeit angeschlagen. Weitere Kursrückgänge können aufgrund der gesenkten Prognose und der hohen Volatilität nicht ausgeschlossen werden.

Aus meiner Sicht fiel der Kursrückgang nach der gesenkten Prognose übertrieben stark aus. Mittlerweile konnte die Aktie bereits einen Teil der Verluste wieder aufholen.

Positiv ist, dass das aktuelle Kursniveau wieder günstigere Einstiegsmöglichkeiten bietet. Aus meiner Sicht liegt ein fairer Wert mittelfristig bei rund 40 €. Vom aktuellen Kursniveau entspricht dies einem Potenzial von etwa +37%. Sollten wieder Übernahmegerüchte auftreten, kann der Zielkurs deutlich früher erreicht werden.

Hierfür spricht, dass die langfristigen Wachstumsperspektiven intakt sind. Der Auftragseingang dürfte weiter stark ausfallen.

Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.

ℹ Steyr Motors in Kürze

  • Die Steyr Motors AG (WKN: A40TC4) ist ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung und Produktion von Hochleistungs-Motoren. Diese werden vorwiegend in militärischen Spezialfahrzeugen, Booten (sowohl militärisch als auch zivil) sowie als Hilfsaggregate für Kampfpanzer und Lokomotiven eingesetzt werden.
  • Der Hauptsitz ist im österreichischen Steyr, das Unternehmen agiert weltweit.
  • Größte Aktionärin bleibt die Beteiligungsgesellschaft Mutares.
  • Die Börsennotierung im Scale-Segment erfolgt im Oktober 2024, die Börsenbewertung liegt aktuell bei 154 Millionen €.

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