Seit Monaten gelingt der Rheinmetall-Aktie nun schon kein nachhaltiger Aufschwung mehr. Mitte August scheiterte der Rüstungstitel an seinem 3-Monatshoch bei knapp über 1.200 € und drehte ein weiteres Mal nach unten in Richtung 1.000 €. Werden diese beiden Megarüstungsprojekte nun alles bei Rheinmetall verändern und die Aktie wieder nach oben katapultieren?

Eine Megaprojekt in den USA

Bei Rheinmetall steigt die Spannung, denn beim deutschen Rüstungskonzern bahnen sich die beiden größten Aufträge der Unternehmensgeschichte an: einer in den USA und einer in Deutschland.

In den USA geht es um nicht weniger als ein Volumen von über 45 Milliarden US$. Die US Army will ihre riesengroße Flotte vom rund 4.000 Schützenpanzern vom Typ M2 Bradley erneuern, die bereits seit den 1980er-Jahren im Dienst stehen.

Sie hat deshalb zwei Konzerne für die Endauswahl eines Nachfolgemodells ausgewählt: American Rheinmetall, die US-Tochtergesellschaft des Rüstungskonzerns, und den US-Rüstungsriesen General Dynamics. Beide Konzerne haben in den letzten Tagen ihre Prototypen des Schützenpanzers an die US Army übergeben. American Rheinmetall wird bis zum Jahresende noch weitere sieben Fahrzeuge für Testzwecke liefern.

Über den Entwicklungsvertrag mit der US Army verdient Rheinmetall rund 760 Millionen US$. Dieses Geld müssen sich die Deutschen allerdings mit den in die Entwicklung involvierten Partnern Allison Transmission, Anduril, L3Harris, Raytheon und Textron Systems teilen.

Die Entscheidung, ob Rheinmetall oder General Dynamics den Großauftrag der US Army gewinnen wird, fällt voraussichtlich Ende 2027. Bis dahin ist also Geduld gefragt.

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Und ein genauso großes in Deutschland

Bereits ein Jahr früher wird es für Rheinmetall in Deutschland spannend. Im Dezember wird voraussichtlich die Entscheidung über das Boxer-Radpanzerprogramm Arminius der Bundeswehr fallen. Es hat eine ähnliche Größe wie das Bradley-Programm in den USA.

Die Bundeswehr will in den kommenden Jahren bis zu 3.000 zusätzliche Boxer-Fahrzeuge in verschiedenen Varianten beschaffen. Auftragswert: bis zu 40 Milliarden €. Damit ist Arminius eines der bislang größten Rüstungsvorhaben für Landfahrzeuge in der Geschichte der Bundeswehr.

Als konkretes Schlüsseldatum für die Entscheidung gilt der 9. Dezember. Dann ist die Abstimmung im Haushaltsauschuss des Bundestages geplant.

Vom Abwärts- in den Seitwärtstrend

Der monatelange Abwärtstrend der Rheinmetall-Aktie ist inzwischen in einen Seitwärtstrend übergegangen. Seit Anfang Juni pendelt der DAX-Titel zwischen 940 und 1.240 € auf und ab.

Der Boden bei 940 € hat sich bislang als solide erwiesen. Genauso unüberwindbar scheint allerdings auch der Widerstand bei 1.240 € zu sein. Vorerst ist mit einer Fortsetzung der Seitwärtsbewegung zu rechnen.

Was ist schon eingepreist?

Es ist sehr schwer zu beurteilen, in welcher Größenordnung und mit welcher Erfolgswahrscheinlichkeit diese beiden Mammutrüstungsprojekte bereits in den Kurs der Rheinmetall-Aktie bereits eingepreist sind. Ich gehe davon aus, dass das Projekt Arminius in Deutschland weitgehend im Aktienkurs von Rheinmetall abgebildet ist.

Beim Schützenpanzerauftrag in den USA sehe ich das anders. Hier sind die Erfolgsaussichten sehr unsicher. Eine Vergabe an American Rheinmetall wäre meiner Überzeugung nach ein Paukenschlag, der den Kurs der Rheinmetall-Aktie in die Höhe katapultieren wird.

Das Wachstum geht weiter

Ganz abgesehen davon sehe ich die Rheinmetall-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau eher als unterbewertet an. Das Forward-KGV liegt bei 41. Für ein Unternehmen, das im laufenden Jahr mit rund 40% und im kommenden Jahr mit geschätzten 25 bis 30% wachsen wird, ist das kein zu hoher Wert.

Das fundamentale Umfeld der Rheinmetall-Aktie ist nach wie vor in bester Verfassung. Deutschland hat 2025 seine Verteidigungsausgaben das dritte Mal in Folge um einen zweistelligen Prozentsatz gesteigert. Von 2026 bis 2029 ist eine weitere Erhöhung des Wehretats von 108 auf 152 Milliarden € vorgesehen.

Die Zahlen auf europäischer Ebene lesen sich ähnlich. Die Verteidigungsausgaben der EU-Staaten stiegen in den vergangenen fünf Jahren von 218 auf 454 Milliarden €.

Angesichts der immer häufigeren und stärkeren Provokationen Russlands muss man sogar noch mit einer Verschärfung der geopolitischen Lage rechnen. Was schlecht für den Frieden in Europa ist, ist gut für den Kurs der Rheinmetall-Aktie.

Abschließend: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.

Für mich ist die Rheinmetall-Aktie bei Kursen im knapp vierstelligen Bereich eine klare Kaufempfehlung. Der Rüstungskonzern wird angesichts der bevorstehenden Großaufträge, von denen ich vor allem den in Deutschland für sehr wahrscheinlich halte, sein dynamisches Wachstum fortsetzen.

Das Downside der Rheinmetall-Aktie halte ich für sehr gering. Bei rund 950 € hat der Rüstungstitel meiner Meinung nach inzwischen seinen Boden gefunden.

ℹ Rheinmetall in Kürze

  • Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
  • Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
  • Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
  • Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und Euro Stoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 50 Milliarden €.

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