Die Deutz-Aktie hat in den letzten Tagen massiv zulegen können und am Freitag den Sprung auf ein neues Allzeithoch geschafft. Seit Jahresbeginn belaufen sich die Kursgewinne auf fast +50%. Damit rangiert der Kölner Motorenhersteller aktuell auf Platz 6 der besten Performer im MDAX. Was treibt den Kurs an und wie sind die weiteren Aussichten?

FFG macht Deutz zum Rüstungskonzern

Der entscheidende Kurstreiber ist die geplante Übernahme der Flensburger Fahrzeugbau Gesellschaft (FFG) für rund 1,6 Milliarden €. Nach der kartellrechtlichen Freigabe und der Zustimmung von 99,7% der Deutz-Aktionäre zur notwendigen Kapitalerhöhung ist der Deal auf einem guten Weg. Der Vollzug wird für Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 erwartet.

Mit FFG steigt Deutz massiv ins Verteidigungsgeschäft ein. Das Unternehmen erzielte zuletzt rund 760 Millionen € Umsatz und verfügt über einen Auftragsbestand von mehr als 1,9 Milliarden €. Deutz erwartet ab 2027 einen Defense-Umsatz von mehr als 1 Milliarde € bei einer EBITDA-Marge von über 20%. Damit erhält der bislang stark zyklische Motorenbauer ein zusätzliches, margenstärkeres und weniger konjunkturabhängiges Standbein.

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Analysten rechnen die Story neu

Die Neubewertung ist längst auch bei den Analysten angekommen. Warburg Research hat das Kursziel deutlich von 13,20 auf 19 € erhöht und die Kaufempfehlung bestätigt. Ausgehend von rund 12,65 € entspricht dies einem theoretischen Potenzial von knapp +50%.

Zuvor hatten bereits Kepler Cheuvreux und Oddo BHF ihre Kursziele auf 16 beziehungsweise 16,40 € angehoben. Die DZ Bank sieht den fairen Wert inzwischen bei 16 €. Auffällig ist, dass die Analysten den FFG-Deal nicht lediglich als Diversifikation betrachten, sondern vor allem auf zusätzliche Wachstums- und Synergiepotenziale setzen.

Starke Zahlen liefern die operative Basis

Die Übernahmefantasie trifft zudem auf ein bereits verbessertes operatives Geschäft. Im ersten Halbjahr steigerte Deutz den Umsatz um 10,7% auf 1,115 Milliarden €. Das bereinigte EBIT kletterte sogar um 43,1% auf 79,7 Millionen €, während der Auftragseingang um 28,7% auf 1,3 Milliarden € zulegte. Die Jahresprognose von 2,3 bis 2,5 Milliarden € Umsatz bei einer bereinigten EBIT-Marge von 6,5 bis 8,0% wurde bestätigt.

Auch die Bewertung spricht nicht gegen weitere Kursgewinne. Das erwartete KGV liegt für 2026 bei rund 15 und könnte 2027 auf etwa 10 sinken. Sollte Deutz die FFG-Integration erfolgreich umsetzen und die angekündigten Margen erreichen, wäre die Aktie damit trotz der Rallye nicht sonderlich teuer.

Kurzfristig überhitzt, langfristig weiter spannend

Charttechnisch ist allerdings Vorsicht angebracht. Seit Ende 2024 befindet sich die Aktie in einem starken Aufwärtstrend und hat sich gegenüber dem damaligen Niveau mehr als verdreifacht. Nach der volatilen Phase zwischen Ende Februar und Ende Juni nahm die Dynamik seit Anfang Juli wieder deutlich zu. Der FFG-Deal hat die Rallye zuletzt nochmals beschleunigt und den Kurs bis auf 12,98 € getrieben.

Mit RSI-Werten von über 70 ist die Aktie aber kurzfristig überhitzt. Gewinnmitnahmen wären daher keine Überraschung. Unterstützungen liegen zunächst bei 12,50 und 11,60 € sowie an der 21-Tage-Linie bei rund 10,85 €.

Kurzfristig könnte die Rallye eine Verschnaufpause einlegen. Fundamental spricht jedoch einiges dafür, dass die Neubewertung noch nicht abgeschlossen ist. Der FFG-Deal verändert das Geschäftsprofil, die operativen Zahlen stimmen und die Analysten erhöhen ihre Kursziele. Gelingt die Integration wie geplant, rückt für die Deutz-Aktie als nächstes Projektionsziel die Marke von rund 14 € in den Fokus. Der Aufwärtstrend bleibt damit trotz kurzfristiger Überhitzung intakt.

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ℹ Deutz in Kürze

  • Die Deutz AG (WKN: 630500) mit Hauptsitz in Köln ist einer der weltweit führenden unabhängigen Hersteller von Antriebssystemen. Das Unternehmen entwickelt und produziert sowohl Diesel- und Gasmotoren als auch Wasserstoff- und Elektromotoren.
  • Neben dem Hauptsitz in Köln gibt es weitere 4 Produktionsstandorte. Über 13 Vertriebsgesellschaften arbeitet das Unternehmen mit rund 800 Partnern in 130 Ländern zusammen.
  • Deutz ist Mitglied im deutschen Small Cap Index SDAX und an der Börse etwa 1,94 Milliarde € wert.

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