Zuletzt sorgte die OHB-Aktie nur für lange Gesichter an der Börse. Innerhalb von drei Monaten verlor sie gut -60% ihres Börsenwerts und sackte unter die Marke von 200 €. Doch am Montagmorgen ist sie mit einem Kursgewinn von +7% Spitzenreiter im SDAX und schafft wieder den Sprung über die wichtige Kursmarke. Was gibt dem deutschen Raumfahrtunternehmen wieder Auftrieb und können Anleger hier nun ein Schnäppchen machen?
Ein Milliardenauftrag
Auslöser der starken Performance der OHB-Aktie zum Wochenauftakt ist die Bekanntgabe eines Großauftrags im Wert von knapp 1 Milliarde €. Das Raumfahrtunternehmen aus Bremen wird 18 Satellitenplattformen für das europäische Megaprojekt IRIS² (Infrastructure for Resilience, Interconnection and Security by Satellite) entwickeln und bauen. Dieser Auftrag füllt die ohnehin prall gefüllten Auftragsbücher massiv und gilt am Markt als wichtiger operativer Meilenstein.
Mit IRIS² baut Europa eine eigene hochsichere und unabhängige digitale Satelliteninfrastruktur im All auf, um sich von US-Systemen wie SpaceX abzukoppeln. Das System soll aus einer Konstellation von 348 Satelliten bestehen, die in niedrigen und mittleren Erdumlaufbahnen fliegen.
Entwickelt und errichtet wird das europäische Satellitennetzwerk von einem Konsortium namens SpaceRISE, dem neben OHB auch die beiden Satellitenkonzerne Eutelsat und Hispasat angehören. OHB verantwortet in diesem Konsortium die Lieferung der MEO-Satelliten, also der Erdtrabanten in einer mittleren Umlaufbahn.
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Ist der Horror zu Ende?
Das Chartbild der OHB-Aktie war zuletzt der reinste Horror. In den vergangenen drei Monaten befand sich der SDAX-Titel fast kontinuierlich auf Talfahrt, die erst bei 190 € ein Ende fand.
Die Rückeroberung der 200 €-Marke ist ein charttechnisch wichtiges Signal. Sollte sich die OHB-Aktie in den nächsten Tagen über dieser Kursmarke behaupten können, dürfte der Boden fürs Erste gefunden sein.
Kein Schnäppchen, aber trotzdem kaufenswert
Ich glaube, dass es die Börse mit der massiven Abstrafung der OHB-Aktie in jüngster Vergangenheit ein wenig übertrieben hat. Ende Mai war der Aktienkurs noch dreimal so hoch, doch weder am Geschäftsmodell noch an den Zukunftsaussichten hat sich in den letzten drei Monaten etwas fundamental geändert.
Als führender deutscher Systemspezialist für Kleinsatelliten und Aufklärungssysteme gilt OHB als direkter Hauptgewinner der staatlichen Milliardeninfrastrukturprogramme der EU und der ESA. Vor dem jüngsten Großauftrag lag der Auftragsbestand von OHB bereits bei über 3,3 Milliarden €. Die Projekt-Pipeline hat sogar ein Volumen von rund 20 Milliarden €.
Mit einem Forward-KGV von knapp 70 ist die OHB-Aktie selbstverständlich auch auf dem aktuellen Kursniveau ambitioniert bewertet. Aber wir sprechen hier über ein dynamisch wachsendes Unternehmen, das in den kommenden Jahren seinen Umsatz voraussichtlich um 15 bis 20% p.a. steigern wird. Gleichzeitig peilt das Management eine Verbesserung der operativen Marge von 10 auf 13% an.
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Auf dieser Grundlage halte ich die Bewertung der OHB-Aktie für vertretbar. Als Schnäppchen würde ich sie nicht bezeichnen, aber Raumfahrtaktien mit einer so exzellenten operativen und strategischen Positionierung bekommt man eben nicht zu einem Schnäppchenkurs.
Anleger, die ihr Geld gerne im Weltall vermehren wollen, können meiner Meinung nach zum aktuellen Kurs in die OHB-Aktie einsteigen. Ein größeres Downside erwarte ich nach dem heftigen Kursrückgang nicht mehr. Der Raumfahrttitel scheint endlich einen Boden bei knapp unter 200 € gefunden zu haben.
OHB in Kürze
- Die OHB SE (WKN: 593612) mit Sitz in Bremen ist ein deutscher Luft- und Raumfahrtkonzern, der in den beiden Geschäftsfeldern Space Systems und Aerospace aktiv ist.
- Im Bereich Space Systems entwickelt und produziert OHB Satelliten und sonstige Raumfahrtsysteme.
- Im Segment Aerospace ist das Technologieunternehmen in der Produktion von Komponenten für die Luft- und Raumfahrtindustrie aktiv, darunter Trägerraketen, Raumfahrzeuge und Flugzeuge.
- Mehrheitseigentümer von OHB ist die Gründerfamilie Fuchs. Seit 2024 ist die amerikanische Investmentfirma KKR im Besitz eines Minderheitsanteils.
- OHB ist seit August 2026 Mitglied im SDAX und ca. 4,2 Milliarden € wert.
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