Die Aktie von Marvell Technology ist nach den jüngsten Quartalszahlen deutlich unter Druck geraten und verlor am Freitag rund zehn Prozent. Dabei stehen einem nur knapp über den Erwartungen liegenden Quartal ein deutlich beschleunigtes Umsatzwachstum und ein ausgesprochen kräftiger Ausblick für das laufende Geschäftsjahr gegenüber.

Börse straft Marvell trotz wachsender Dynamik ab

Die heftige Reaktion des Marktes (wir berichteten) erscheint vor dem Hintergrund der operativen Entwicklung von Marvell Technology überzogen. Zwar blieb das Unternehmen bei Umsatz und Gewinn nur knapp über den Konsensschätzungen, gleichzeitig beschleunigte sich das Wachstum im zweiten Quartal deutlich. Besonders bemerkenswert ist, dass Marvell erstmals einen bereinigten operativen Gewinn von mehr als einer Milliarde Dollar erzielte und dabei seine operative Marge ausweitete.

Das Unternehmen profitiert zunehmend von der steigenden Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz. Marvell baut sein Geschäft mit kundenspezifischen Chips konsequent aus und profitiert dabei unter anderem von seiner Zusammenarbeit mit großen Cloud-Anbietern. Die langfristigen Wachstumsperspektiven werden zusätzlich durch die weiterhin hohen Investitionen in Rechenzentren gestützt.

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Zahlen zeigen eine deutlich höhere Wachstumsrate

Marvell Technology erzielte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 einen bereinigten Gewinn von 0,94 Dollar je Aktie. Damit wurde die durchschnittliche Analystenschätzung lediglich um einen Cent übertroffen. Der Umsatz erreichte 2,74 Milliarden Dollar und lag damit rund 28,5 Millionen Dollar über den Erwartungen.

Entscheidend ist jedoch weniger die geringe Abweichung von den Prognosen als die Dynamik hinter den Zahlen. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahr um 37 Prozent. Im ersten Quartal hatte das Wachstum noch bei 28 Prozent gelegen. Gleichzeitig legten operativer Gewinn und Nettogewinn kräftig zu, während die operative Marge einen neuen Höchststand erreichte.

Marvell profitiert dabei insbesondere von der starken Nachfrage nach Chips und Hochleistungskomponenten für KI-Infrastrukturen. Dazu gehören unter anderem digitale Signalprozessoren und optische Module, die für die Vernetzung großer KI-Cluster benötigt werden.

Rechenzentren werden zum entscheidenden Umsatztreiber

Die Umsatzstruktur macht deutlich, wo die zentrale Dynamik des Geschäfts liegt. Im zweiten Quartal erwirtschaftete Marvells Rechenzentrumsgeschäft einen Umsatz von 2,17 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Damit entfielen inzwischen 79 Prozent des Konzernumsatzes auf den Bereich Data Center. Das Kommunikationsgeschäft entwickelte sich dagegen deutlich schwächer und kam lediglich auf ein Wachstum von zehn Prozent. Der Umsatz dieses Geschäftsbereichs lag bei 568 Millionen Dollar.

Die zunehmende Bedeutung des Rechenzentrumsgeschäfts verändert damit auch das Wachstumsprofil des gesamten Konzerns. Je stärker die Investitionen der großen Cloud- und Technologieunternehmen in KI-Infrastruktur steigen, desto stärker kann Marvell von dieser Entwicklung profitieren.

Milliardengewinn unterstreicht operative Stärke

Ein besonders wichtiger Aspekt der Quartalszahlen wurde an der Börse offenbar nur unzureichend berücksichtigt. Marvell überschritt beim bereinigten operativen Gewinn erstmals die Marke von einer Milliarde Dollar.

Der bereinigte operative Gewinn belief sich auf 1,003 Milliarden Dollar und lag damit 44 Prozent über dem Vorjahreswert. Das Wachstum beim operativen Ergebnis fiel somit sogar höher aus als das Umsatzwachstum von 37 Prozent.

Diese Entwicklung spricht für einen positiven operativen Hebel. Marvell erzielt nicht nur höhere Umsätze, sondern kann einen überproportionalen Teil des zusätzlichen Umsatzes in operativen Gewinn umwandeln. Die bereinigte operative Marge stieg im zweiten Quartal auf 37 Prozent, nachdem sie im Vorjahresquartal noch bei 35 Prozent gelegen hatte.

KI-Investitionen könnten langfristiger Natur sein

Ein wesentlicher Streitpunkt bei der Bewertung von Marvell betrifft die Nachhaltigkeit der derzeitigen Investitionsoffensive im KI-Sektor. Ein Teil des Marktes scheint davon auszugehen, dass die hohen Investitionen der Hyperscaler irgendwann deutlich nachlassen und damit auch die Nachfrage nach KI-Infrastruktur zyklisch zurückgeht.

Die Entwicklung der vergangenen Quartale spricht allerdings für ein anderes Szenario. Die großen Cloud-Anbieter erhöhen ihre Investitionsbudgets weiterhin massiv, weil die Nachfrage nach Rechenleistung für künstliche Intelligenz, Cloud-Anwendungen und große Sprachmodelle weiter zunimmt.

KI entwickelt sich damit zu einem der größten Infrastrukturprojekte der Technologiegeschichte. Für Anbieter wie Marvell eröffnet diese Entwicklung die Möglichkeit, über einen langen Zeitraum von steigenden Kapazitäten in Rechenzentren zu profitieren.

Engpässe stärken Position der Chiphersteller

Zusätzliche Unterstützung kommt von der angespannten Versorgungslage bei wichtigen Komponenten der Rechenzentrumsinfrastruktur. Dazu zählen neben Halbleitern auch Ausrüstung wie Generatoren und Schaltanlagen.

Die daraus resultierenden langen Lieferzeiten zeigen, dass die Nachfrage nach Rechenzentrumskapazitäten weiterhin erheblich ist. Für Marvell kann eine solche Marktphase positive Auswirkungen auf Preise und Margen haben, da knappe Komponenten tendenziell eine stärkere Preissetzungsmacht ermöglichen.

Ausblick signalisiert eine weitere Beschleunigung

Besonders interessant ist der Ausblick für das dritte Quartal. Marvell erwartet einen Umsatz von rund 3,15 Milliarden Dollar, wobei die Prognose eine Schwankungsbreite von fünf Prozent berücksichtigt.

Auf Basis des Mittelwerts würde dies einem Umsatzwachstum von rund 52 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen. Damit könnte sich die Wachstumsrate gegenüber dem zweiten Quartal noch einmal deutlich erhöhen.

Sollte sich diese Entwicklung bestätigen, würde Marvell nicht nur ein hohes Wachstum verteidigen, sondern dieses sogar weiter beschleunigen. Die anhaltenden Investitionen in KI-Infrastruktur und die knappe Verfügbarkeit bestimmter Komponenten sprechen dafür, dass die Dynamik auch in der zweiten Jahreshälfte Bestand haben könnte.

Google-Verbindung erhöht strategischen Wert

Ein wichtiger Bestandteil der Investmentthese ist die Zusammenarbeit mit Alphabet. Die Vereinbarung eröffnet Marvell Zugang zu einem der dynamischsten Bereiche des Cloud-Geschäfts und verbindet das Unternehmen enger mit der Entwicklung kundenspezifischer Beschleuniger.

Alphabet konnte zuletzt besonders stark im Cloud-Geschäft wachsen. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung eigener KI-Chips für die Bereitstellung großer Modelle und Anwendungen weiter zu. Für Marvell ergibt sich daraus die Chance, langfristig vom Ausbau dieser Infrastruktur zu profitieren.

Auch die Zusammenarbeit mit NVIDIA stärkt die strategische Position des Unternehmens innerhalb des KI-Ökosystems. Marvell ist damit nicht allein auf ein einzelnes Produkt oder einen einzelnen Kunden angewiesen, sondern partizipiert an mehreren wichtigen Entwicklungen innerhalb der KI-Infrastruktur.

Bewertung bleibt trotz Kursrückgang anspruchsvoll

Der Kursrückgang hat die Bewertung der Marvell-Aktie zwar reduziert, das Unternehmen bleibt im historischen Vergleich dennoch nicht günstig. Auf Basis der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2028 wird die Aktie derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 32,6 bewertet.

Der Dreijahresdurchschnitt auf Basis der jeweils für das Folgejahr erwarteten Gewinne liegt bei rund 26,1. Damit wird Marvell weiterhin mit einem Bewertungsaufschlag gegenüber der eigenen historischen Bewertung gehandelt.

Auch der Vergleich mit dem Wettbewerber Broadcom zeigt, dass Anleger für das Wachstum von Marvell einen erheblichen Aufpreis bezahlen. Broadcom wird derzeit mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 18,9 bewertet und profitiert ebenfalls stark vom Ausbau kundenspezifischer Chips für KI-Anwendungen.

Größtes Risiko liegt in nachlassender Nachfrage

Das zentrale langfristige Risiko für Marvell bleibt eine Abschwächung des Wachstums bei den Hardwarekomponenten, die für den Ausbau von KI-Clustern benötigt werden. Sollte die Investitionsbereitschaft der Hyperscaler deutlich zurückgehen, würde dies auch die Umsatz- und Gewinnentwicklung von Marvell belasten.

Derzeit deutet jedoch wenig darauf hin, dass die großen Cloud-Anbieter ihre Ausgaben für KI-Infrastruktur kurzfristig drastisch reduzieren werden. Die hohen Investitionsbudgets und der weiterhin steigende Bedarf an Rechenleistung sprechen vielmehr für eine anhaltend starke Nachfrage.

Die langfristige Wachstumsperspektive für KI-Rechenzentren bleibt positiv. Die Investitionsbudgets der großen Hyperscaler steigen weiter, während die daraus entstehenden Umsätze und Cashflows zunehmend zeigen, dass sich die hohen Infrastrukturinvestitionen wirtschaftlich rechtfertigen lassen.

Der zehnprozentige Kursverlust wirkt angesichts der beschleunigten Umsatzentwicklung, des erstmals erreichten operativen Milliardengewinns und des starken Ausblicks überzogen. Trotz der anspruchsvollen Bewertung bleibt Marvell Technology damit ein aussichtsreicher Profiteur des langfristigen Ausbaus von KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur.

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ℹ Marvell in Kürze

  • Marvell Technology (WKN: A3CNLD) ist ein Hersteller von Netzwerk-, Speicher- und Computerchips sowie Konnektivitätslösungen für verschiedene Branchen wie Rechenzentren, die Automobilindustrie, Carrier-Infrastruktur und Unternehmensnetzwerke.
  • Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien, betreibt jedoch auch Entwicklungszentren in Asien und Europa.
  • Marvell Technology ist an der Nasdaq gelistet und kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von 195 Milliarden US$.

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