Der MSCI World gilt als Klassiker für Anleger, die mit einem ETF möglichst breit in die Weltwirtschaft investieren wollen. Doch der Name verspricht inzwischen mehr geografische Streuung, als der Index tatsächlich bietet.
Rund 72 % des MSCI World entfallen auf US-Aktien – und wenige Mega-Konzerne haben ein erstaunlich hohes Gewicht. Genau das könnte zum Problem werden, wenn die Börsenrally ins Stocken gerät.
So viel USA steckt wirklich im Welt-ETF
Der MSCI World umfasst fast 1.300 Unternehmen aus 23 Industrieländern und soll jeweils rund 85 % der frei handelbaren Marktkapitalisierung abbilden. Das klingt nach maximaler Diversifikation – genau das Richtige für Anleger, die mit einem Trade die Welt ins Depot holen wollen.
Doch der Index ist marktkapitalisierungsgewichtet. Das bedeutet: Je wertvoller ein Unternehmen an der Börse ist, desto stärker beeinflusst es den Index.
Und weil US-Technologiekonzerne in den vergangenen Jahren besonders stark gewachsen sind, hat sich ihre Bedeutung immer weiter erhöht. Allein die zehn größten Unternehmen vereinen heute 26,4 %. Nvidia (WKN: 918422) steht dabei mit 5,2 % an der Spitze, gefolgt von Apple (WKN: 865985) mit 4,1 % und Microsoft (WKN: 870747) mit 3,7 %.
Damit ist der MSCI World keineswegs schlecht aufgestellt. Schließlich handelt es sich auch um Top-Unternehmen mit tiefen Burggräben und entsprechenden Wachstumsperspektiven.
Das eigentliche Risiko liegt jedoch ganz woanders: Gleich mehrere der größten Positionen reagieren auf ähnliche Faktoren. Hohe Erwartungen an künstliche Intelligenz, steigende Kapitalkosten, Veränderungen bei den Gewinnerwartungen oder eine Neubewertung hoch bewerteter Technologiewerte könnten deshalb die zukünftige Performance belasten.
Auch die Bewertung mahnt zur Aufmerksamkeit. Der MSCI World weist aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 24,3 auf; der MSCI USA liegt sogar bei mehr als 27.
Das macht einen Absturz keineswegs zwangsläufig. Aber es zeigt, warum Anleger einen MSCI-World-ETF nicht mit einem völlig neutralen Querschnitt der Weltwirtschaft verwechseln sollten. Diversifikation reduziert Einzelwertrisiken – sie beseitigt jedoch keine Konzentration auf eine Region, einen Marktstil oder bestimmte Branchen.
Fazit: Der MSCI World bleibt stark – aber nicht risikolos
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob der MSCI World vor dem Crash steht. Dafür gibt es keine seriöse Grundlage. Viel interessanter ist, was passiert, wenn einige der größten US-Aktien gleichzeitig enttäuschen. Und hier könnte angesichts der Entwicklungen im KI-Bereich einiges an Sprengstoff verbaut worden sein.
Wer langfristig investiert, muss deshalb nicht automatisch handeln. Er sollte aber wissen, welches Risiko tatsächlich im Depot steckt. Denn ein ETF kann breit aussehen und trotzdem an wenigen Börsenstars und Systemrisiken hängen.
Der Artikel Klumpenrisiko im MSCI World: Warum die Rekordjagd plötzlich gefährlich werden könnte! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.