
Der Kospi-Index steckt nach einem Einbruch von 27 % gegenüber seinem Jahreshoch in einem Bärenmarkt, da wichtige Indexbestandteile wie Samsung, SK Hynix und SK Square an Schwung verlieren. Er notierte bei 6.852 Punkten vor der anstehenden Zinsentscheidung der südkoreanischen Zentralbank.
Südkoreanische Anleger haben 2,5 Billionen Dollar verloren
Der Kospi-Index, der einige der größten Unternehmen Südkoreas abbildet, hat sich in den letzten Monaten zurückgezogen, da bedeutende AI-nahe Aktien an Schwung verloren haben. Der Rückgang fiel besonders stark aus, weil der Index stark in Technologie- und Halbleiterunternehmen gewichtet ist.
Das Wall Street Journal bezeichnete Südkorea jüngst als „den verrücktesten Aktienmarkt der Welt“ und hob damit das Ausmaß der Verkaufswelle hervor, die mehr als 2,5 Billionen Dollar an Marktkapitalisierung ausgelöscht hat.
Samsung Electronics, das größte Unternehmen Südkoreas, ist um 30 % vom Jahreshoch gefallen. SK Hynix, der größte Anbieter im High-Bandwidth-Memory-(HBM)-Bereich, hat sich seit seinem Peak um 42 % verbilligt. SK Square, das eine große Beteiligung an SK Hynix hält, ist in diesem Jahr ebenfalls um 52 % vom Höchststand gefallen.
Der anhaltende Rückzug bei SK Hynix und Samsung Electronics fiel zusammen mit Verkäufen anderer Unternehmen der Branche. Der Roundhill Memory ETF (DRAM), der die größten Speicherunternehmen abbildet, ist mehr als 30 % vom Allzeithoch gefallen. Dazu zählen führende Unternehmen wie Micron, Kioxia Holdings und SanDisk.
Warum südkoreanische Aktien gefallen sind
Es gibt mehrere Gründe für den Rückgang des Kospi in den vergangenen Wochen. Erstens realisieren Anleger Gewinne, nachdem der Index Anfang des Jahres stark gelaufen war. Er erreichte ein Hoch von 9.387 Punkten, nachdem er von dem Tief des Vorjahres bei 2.295 Punkten steil gestiegen war. Es ist üblich, dass Vermögenswerte nach einem derartigen Anstieg korrigieren.
Zweitens bestehen anhaltende Sorgen über Hebel im südkoreanischen Markt, da viele Privatanleger und institutionelle Investoren stark auf Kredit investiert hatten. Ein aktueller Bericht zeigte, dass die Marginkreditbestände von 19,4 Milliarden Dollar im Januar auf über 27,7 Milliarden Dollar im Juni gestiegen sind. Infolgedessen begannen Anleger, Teile dieser Positionen abzubauen.
Darüber hinaus gibt es Anzeichen dafür, dass Ausländer begonnen haben, ihre Positionen zu reduzieren. Sie verkauften Vermögenswerte im Wert von Milliarden Dollar vor dem Einbruch. Aktuelle Daten zeigen zudem, dass der iShares MSCI South Korea ETF (EWY) in den letzten drei Tagen Mittelabflüsse verzeichnet hat.
Der Fokus richtet sich nun auf die bevorstehende Zinsentscheidung der südkoreanischen Zentralbank am Donnerstag. Ökonomen erwarten, dass die Bank die Zinsen bei 2,75 % belassen wird. Sie könnte sich jedoch auch zu einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte entscheiden, um die erhöhte Inflation zu dämpfen.
Technische Analyse des Kospi-Index

Kospi-Index-Chart | Quelle: TradingView
Das Tageschart zeigt, dass der Kospi Composite Index vor einigen Monaten bei 9.387 Punkten ein Hoch bildete und im August auf ein Tief von 5.279 Punkten fiel. Seitdem hat er sich auf aktuell 6.860 Punkte erholt.
Der Index ist an den 50-Tage-EMA herangelaufen und hat dabei einen aufsteigenden Kanal ausgebildet. Dieses Muster könnte als bärische Flaggenformation interpretiert werden. Daher besteht das Risiko, dass der Abverkauf kurzfristig weitergeht. Sollte dies eintreten, könnte der Index die wichtige Unterstützung bei 6.000 Punkten erneut testen. Dagegen würde ein Anstieg über den zentralen Widerstand bei 7.198 Punkten den bärischen Ausblick außer Kraft setzen.
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