Die Hapag-Lloyd-Aktie konnte sich in den letzten Wochen deutlich erholen. Doch mit dem Tod von Klaus-Michael Kühne könnte sich viel ändern, denn der Unternehmer war mit 30% der Anteile größter Einzelaktionär der Hamburger Reederei. Oder müssen sich Anleger keine Sorgen vor einem Abverkauf machen?
Was passiert mit den Kühne-Aktien?
Ich will den Spannungsbogen gleich zerstören und die Antwort auf die eingangs gestellte Frage zu Beginn liefern: Nein, für Hapag-Lloyd wird sich durch den Tod von Klaus-Michael Kühne vorerst nichts ändern. Aktionäre müssen nicht befürchten, dass in den kommenden Tagen und Wochen größere Aktienpakete aus Kühnes Nachlass auf den Markt kommen und den Kurs der Hapag-Lloyd-Aktie massiv unter Druck setzen.
Kühne stieg 2009 bei der größten deutschen Container-Reederei ein, um eine drohende Übernahme durch ausländische Investoren zu verhindern. Heute ist seine Holding gemeinsam mit der chilenischen Reederei CSAV, die ebenfalls rund 30% der Anteile hält, Ankeraktionär von Hapag-Lloyd.
Es gibt drei Gründe, weshalb Aktionäre von Hapag-Lloyd nicht damit rechnen müssen, dass kurzfristig Aktien der Reederei aus dem Vermögen von Klaus-Michael Kühne auf den Markt geworfen werden:
Zum Ersten ist es die Tatsache, dass der Unternehmer die Aktien nicht persönlich, sondern über die Kühne Aviation GmbH hielt, die wiederum eine Gesellschaft der Kühne Holding AG ist. Das gesamte Vermögen von Kühne, der keine Kinder hat, geht nun in den Besitz der gemeinnützigen Kühne-Stiftung in der Schweiz über. Die Holding bleibt als juristische Person bestehen und behält die Aktien weiterhin im Depot.
Zum Zweiten hat Kühne die Satzung und Ausrichtung der Stiftung so angelegt, dass das von ihm aufgebaute Portfolio an Beteiligungen, bestehend aus den Hauptinvestments Hapag-Lloyd, Kühne + Nagel und Lufthansa, als strategisches Gesamtpaket zusammengehalten und langfristig verwaltet werden soll. Ein Verkauf von Hapag-Lloyd-Aktien ist demnach nicht im Interesse der Stiftung.
Und zum Dritten wird die Kühne-Stiftung durch einen Rat geleitet, in dem langjährige Vertraute des Unternehmers sitzen. Sie haben die Zielsetzungen von Klaus-Michael Kühne verinnerlicht und werden seinen Beteiligungsansatz zweifellos nicht kurzfristig verändern.
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Trendwende geglückt
Das Chartbild der Hapag-Lloyd-Aktie hat sich zuletzt deutlich aufgehellt. In den letzten Monaten hielt das 2-Jahrestief bei 110 € mehrfachen Angriffen stand.
Ende Juni führte eine weitere erfolgreiche Verteidigung der Unterstützung zur Trendwende. Seitdem befindet sich der Shipping-Titel in einem leichten Aufwärtstrend und notiert inzwischen auf einem neuen 3-Monatshoch. Charttechnisch spricht viel für eine Fortsetzung dieses Trends.
Deshalb steigt der Aktienkurs
Die jüngste Kurserholung der Hapag-Lloyd-Aktie hat fundamentale Gründe. Der Markt hat seine Erwartungen an den Schifffahrtsmarkt für 2026 wieder nach oben korrigiert.
Nach einem schwachen Jahresauftakt sind die Spotraten und Transportmengen im zweiten Quartal deutlich gestiegen. Die durchschnittliche Frachtrate lag bei mit rund 1.475 US$ je TEU 9% über dem Vorjahresquartal. Für Containerreedereien wie Hapag-Lloyd haben bereits kleine Veränderungen der Frachtraten und Spotpreise einen erheblichen Einfluss auf den Gewinn. Angesichts dieser Entwicklung hoben die Hamburger ihre EBITDA-Prognosen für 2026 von bislang 0,9 bis 2,6 Milliarden € deutlich auf 2,3 bis 3,2 Milliarden € an.
Gleichzeitig funktioniert das neue Gemini-Netzwerk besser als erwartet. Hapag-Lloyd ist seit Februar 2025 Teil des Gemini Cooperation-Netzwerks mit dem dänischen Giganten Maersk. Die neue Struktur erreicht laut Hapag-Lloyd eine sehr hohe Fahrplantreue, was wiederum die Kundenbindung erhöht.
Hinzu kommt das immer wichtiger werdende Terminalgeschäft. Hapag-Lloyd entwickelt sich zunehmend von einer reinen Containerreederei zu einem integrierten Logistikkonzern. Das Segment Terminal & Infrastruktur*erzielte im zweiten Quartal bereits einen Umsatz von 164 Millionen € und Hapag-Lloyd baut seine Beteiligungen an weiteren Terminals kontinuierlich aus. Diese Entwicklung ist für die Bewertung interessant, weil Terminalgeschäfte tendenziell stabilere Cashflows liefern als das stark zyklische reine Reedereigeschäft.
Und nicht zuletzt will sich Hapag-Lloyd durch die Übernahme des israelischen Wettbewerbers ZIM Integrated Shipping zu einem der Branchenführer im Container Shipping entwickelt. Die Übernahme von ZIM ist aber bislang noch nicht über die Bühne gegangen. Zum einen, weil kartellrechtliche Prüfungen anstehen. Zum anderen, weil der Staat Israel, der eine goldene Aktie besitzt, die Akquisition durch die deutsche Reederei noch verhindern kann.
Zum Schluss: Wenn Du Dich für Dividendenaktien wie Hapag-Lloyd interessierst, solltest Du auchunsere Top 10 Dividenden Picks 2026 kennen.
Unter dem Strich sprechen viele Entwicklungen für einen Kauf der Hapag-Lloyd-Aktie, wäre da nicht die Bewertung. Sie ist mit einem Forward-KGV von 25 nach meinem Dafürhalten recht sportlich und preist bereits viel Fantasie ein.
Auch für Dividendenanleger hat die Hapag-Lloyd-Aktie in den letzten Jahren ihren Reiz verloren. Nach vielen Jahren mit gewaltigen Gewinnausschüttungen ist die Dividendenrendite der Hapag-Lloyd-Aktie zuletzt auf magere 2,2% gesunken. Für eine Reederei ein sehr schwacher Wert.
Hapag Lloyd in Kürze
- Mit einer Flotte von 305 modernen Containerschiffen mit einer Kapazität von ca. 2,5 Millionen TEU (Standardcontainer) ist Hapag-Lloyd AG (WKN: HLA647) die fünftgrößte Reederei der Welt.
- Neben dem Hauptsitz in Hamburg ist der Konzern mit über 330 Büros weltweit vertreten.
- Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 24 Milliarden €.
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