Der Markt für Quantencomputer nimmt weiter an Fahrt auf – und die jüngsten Quartalszahlen deuten darauf hin, dass sich innerhalb der Branche erste klare Gewinner herauskristallisieren. Besonders IonQ und Quantinuum überzeugen mit starkem Wachstum, technologischen Fortschritten und einer hohen Präzision ihrer Quantenprozessoren.
IonQ-Aktie
IonQ
Noch deutlicher wird die Dynamik beim Auftragsbestand. Dieser kletterte innerhalb eines Jahres von 122 Millionen auf 485 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig hob IonQ seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 280 bis 290 Millionen US-Dollar an, wobei die erst kürzlich abgeschlossene Übernahme von SkyWater noch nicht berücksichtigt ist. Der Kauf des Halbleiter-Auftragsfertigers soll die technologische Entwicklung beschleunigen und langfristig dabei helfen, Quantenchips mit bis zu 10.000 Qubits zu entwickeln.
Auch auf der technologischen Seite arbeitet IonQ an einer Skalierung seiner Systeme. Das Unternehmen will sich zunehmend von laserbasierten Verfahren lösen und setzt auf seine proprietäre Electronic-Qubit-Control-Technologie. Dabei werden Mikrowellenantennen direkt in die Chips integriert. Das könnte den Aufbau größerer Systeme vereinfachen, Kosten senken und gleichzeitig den Energieverbrauch reduzieren.
Ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil von IonQ ist zudem die hohe Genauigkeit seiner Quantenoperationen. Das Unternehmen erreicht inzwischen eine sogenannte Zwei-Qubit-Gate-Fidelity von 99,99 Prozent. Damit gehört IonQ gemeinsam mit Quantinuum zu den technologisch führenden Unternehmen im derzeitigen Rennen um leistungsfähige Quantencomputer.
Quantinuum-Aktie
Auch Quantinuum
Im Rahmen der Partnerschaft soll Quantinuums Helios-System in die Cloud-Infrastruktur von Oracle integriert werden. Kunden sollen dadurch Zugang zu einer kombinierten Plattform für Quantencomputing und künstliche Intelligenz erhalten. Sollte sich dieses Konzept durchsetzen, könnte Quantinuum seine Technologie deutlich breiter verfügbar machen und von der wachsenden Nachfrage nach Lösungen an der Schnittstelle zwischen KI und Quantencomputing profitieren.
Auch der Auftragsbestand entwickelt sich positiv. Er stieg auf 74 Millionen US-Dollar und soll bis zum Jahresende auf mindestens 120 Millionen US-Dollar anwachsen. Gleichzeitig arbeitet Quantinuum an der nächsten Generation seiner Technologie. Das für 2027 erwartete System Sol soll eine logische Fidelity von 99,999 Prozent erreichen. Für 2026 prognostiziert das Unternehmen einen Umsatz von 28 bis 32 Millionen US-Dollar und rechnet für 2027 mit mehr als einer Verdoppelung.
Wie IonQ setzt auch Quantinuum auf sogenannte Trapped-Ion-Systeme. Diese Technologie gilt derzeit als besonders präzise. Quantinuum erreicht eine Zwei-Qubit-Gate-Fidelity von 99,92 Prozent und liegt damit ebenfalls deutlich über mehreren Konkurrenten.
Infleqtion-Aktie
Hinter den beiden Spitzenreitern folgt ein deutlich heterogeneres Feld. Infleqtion
Technologisch verfügt Infleqtion dennoch über interessante Perspektiven. Das Unternehmen ist bereits stärker im Bereich Quantensensorik etabliert und arbeitet zudem mit einer Neutral-Atom-Technologie. Dieser Ansatz ähnelt dem Trapped-Ion-Verfahren, verzichtet jedoch auf die elektrische Ladung der verwendeten Atome. Bis Ende 2026 will Infleqtion auf seiner Plattform den Nachweis von 30 logischen Qubits erreichen.
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D-Wave Quantum-Aktie
D-Wave Quantum
D-Wave nimmt innerhalb der Branche eine besondere Position ein, da das Unternehmen traditionell auf sogenannte Quantum-Annealing-Systeme spezialisiert ist. Gleichzeitig arbeitet es daran, in den Bereich universeller, gate-basierter Quantencomputer vorzustoßen. Dabei konnte die neue supraleitende Dual-Rail-Qubit-Architektur eine Zwei-Qubit-Gate-Fidelity von 99,9 Prozent erreichen.
Das ist technologisch durchaus beachtlich. Im direkten Vergleich mit IonQ und Quantinuum wird allerdings deutlich, wie groß der Abstand bei der Präzision derzeit noch ist. Während D-Wave vor allem bei der Geschwindigkeit punkten kann, bleibt die Genauigkeit seiner Systeme ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.
Rigetti Computing-Aktie
Rigetti Computing
Das aktuelle Cepheus-1-108Q-System erreicht eine mediane Zwei-Qubit-Gate-Fidelity von rund 99,1 Prozent. Ein kleineres Neun-Qubit-System konnte bereits 99,8 Prozent erreichen. Die Ergebnisse zeigen, dass Rigetti zwar bei der Geschwindigkeit seiner Systeme Fortschritte macht, bei der Präzision jedoch noch erheblichen Aufholbedarf hat.
Für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit wird deshalb entscheidend sein, ob Rigetti die Genauigkeit seiner Quantenprozessoren deutlich steigern kann. Im derzeitigen Rennen um kommerziell nutzbare Quantencomputer könnte eine hohe Rechengeschwindigkeit allein nicht ausreichen, wenn die Fehlerquote gleichzeitig zu hoch bleibt.
Die jüngsten Quartalszahlen zeichnen ein zunehmend klares Bild im noch jungen Markt für Quantencomputer. IonQ und Quantinuum scheinen derzeit die besten Voraussetzungen zu haben, sich vom restlichen Feld abzusetzen. Beide Unternehmen kombinieren starkes Umsatz- beziehungsweise Auftragswachstum mit einer außergewöhnlich hohen technologischen Präzision ihrer Quantenprozessoren.
Gleichzeitig ist der Wettbewerb noch lange nicht entschieden. Infleqtion verfügt über interessante Ansätze im Bereich der Neutral-Atom-Technologie und Quantensensorik, während D-Wave und Rigetti mit ihren eigenen Architekturen ebenfalls Fortschritte machen. Entscheidend wird letztlich sein, welche Unternehmen ihre Systeme nicht nur schneller und präziser, sondern auch wirtschaftlich skalierbar und für kommerzielle Anwendungen attraktiv machen können. IonQ und Quantinuum haben dabei derzeit einen Vorsprung – doch im Rennen um den Quantencomputer der Zukunft dürfte noch viel Bewegung bevorstehen.
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