Zwar hat sich Bitcoin nach dem kräftigen Ausverkauf der vergangenen Monate oberhalb der Marke von 60.000 US$ stabilisiert, von einer echten Trendwende kann aber noch keine Rede sein. Dafür sorgen gleich mehrere Unsicherheitsfaktoren – von der US-Geldpolitik über regulatorische Fragen bis hin zur Zurückhaltung institutioneller Investoren. Gleichzeitig mehren sich jedoch die Signale, dass sich im Hintergrund erneut Kapital im Kryptomarkt positioniert.

Regulierung und Geldpolitik bremsen den Markt

Für Enttäuschung sorgt aktuell die Nachricht aus Washington, dass der US-Senat den viel beachteten Clarity Act erst nach der Sommerpause behandeln wird. Das Gesetz soll endlich klare Zuständigkeiten zwischen der Börsenaufsicht SEC und der Terminmarktaufsicht CFTC schaffen und gilt als wichtiger Schritt für mehr regulatorische Sicherheit. Die Verschiebung verlängert allerdings die Unsicherheit und dämpft kurzfristig die Hoffnungen auf einen schnellen positiven Impuls.

Mindestens genauso wichtig bleiben die Erwartungen an die US-Notenbank. Die aktuellen Arbeitsmarktdaten dürften erneut maßgeblich darüber entscheiden, wann und in welchem Umfang die Federal Reserve ihre Geldpolitik lockern könnte. Niedrigere Zinsen gelten als Rückenwind für Risikoanlagen wie Bitcoin, während eine länger restriktive Geldpolitik die Erholung ausbremsen dürfte.

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Institutionelle Investoren senden gemischte Signale

Trotz der Unsicherheit zeigen sich hinter den Kulissen erste positive Entwicklungen. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt wieder kräftige Nettozuflüsse und steuern auf die stärkste Handelswoche seit Monaten zu. Gleichzeitig bauen größere Wallets ihre Bestände weiter aus. Nach Daten des Analysehauses Santiment haben Adressen mit 10 bis 10.000 Bitcoin seit Ende Juli mehr als 20.000 Bitcoin zusätzlich eingesammelt – ein Hinweis darauf, dass größere Marktteilnehmer die aktuellen Kurse zum Positionsaufbau nutzen.

Auf der anderen Seite sorgt ausgerechnet Strategy für Verunsicherung. Das von Michael Saylor aufgebaute Unternehmen hat in den vergangenen Wochen erneut Bitcoin verkauft, obwohl der frühere CEO jahrelang das HODL-Prinzip propagierte. Die Verkäufe gelten vielen Investoren als Warnsignal, dass selbst die größten Bitcoin-Bullen im aktuellen Marktumfeld zunehmend unter Druck geraten.

Analysten bleiben langfristig optimistisch

Die Einschätzungen der Experten gehen kurzfristig zwar auseinander, langfristig bleibt der Grundtenor jedoch überwiegend positiv. Standard Chartered hält trotz der jüngsten Schwäche an einem Kursziel von 100.000 US$ bis Ende 2026 fest. Noch optimistischer zeigen sich zahlreiche Vermögensverwalter für die Zeit danach. ARK Invest sieht je nach Szenario bis 2030 Kurse zwischen 300.000 und 1,5 Millionen US$, während Standard Chartered langfristig rund 500.000 US$ für möglich hält.

Die Argumente der Bullen sind bekannt: Das Angebot bleibt dauerhaft auf 21 Millionen Bitcoin begrenzt, während institutionelle Investoren über Spot-ETFs heute deutlich einfacher investieren können als noch vor wenigen Jahren. BlackRock-Chef Larry Fink bezeichnet Bitcoin inzwischen sogar als internationales Anlagegut. Skeptiker wie JPMorgan-Chef Jamie Dimon oder der Ökonom Kenneth Rogoff verweisen dagegen auf die weiterhin hohe Volatilität und den bislang fehlenden Nachweis, dass sich Bitcoin in größeren Krisen tatsächlich als sicherer Hafen eignet.

Charttechnik vor einer entscheidenden Weichenstellung

Aus charttechnischer Sicht befindet sich Bitcoin an einer hochinteressanten Stelle. Nach dem gut 50-prozentigen Einbruch vom Rekordhoch stabilisiert sich die Kryptowährung aktuell im Bereich der langfristig bedeutenden 200-Wochen-Linie. Bereits in den Bärenmärkten 2015, 2018/2019 sowie während des Corona-Crashs 2020 markierte genau diese Zone den Ausgangspunkt einer neuen Aufwärtsbewegung.

Für eine nachhaltige Trendwende muss nun allerdings auch die 200-Tage-Linie zurückerobert werden, die derzeit knapp oberhalb von 70.000 US$ verläuft. Sie wurde seit November nicht mehr überwunden und stellt damit den wichtigsten Widerstand im Chart dar. Gelingt dort ein nachhaltiger Ausbruch, dürfte dies ein starkes technisches Kaufsignal liefern. Rutscht Bitcoin dagegen unter die Unterstützung bei 60.000 US$, würde sich das Chartbild wieder deutlich eintrüben und ein erneuter Abverkauf wäre wahrscheinlich.

Kurzfristig bleibt Bitcoin ein Spielball von Zinserwartungen, regulatorischen Entscheidungen und der Stimmung an den Finanzmärkten. Gleichzeitig sprechen die wieder anziehenden ETF-Zuflüsse, die Akkumulation großer Investoren und die Stabilisierung an einer historisch wichtigen Unterstützungszone dafür, dass sich der Markt in einer Bodenbildungsphase befinden könnte.

Noch fehlt zwar das entscheidende Kaufsignal oberhalb der 200-Tage-Linie, langfristig überwiegen jedoch weiterhin die Chancen. Sollte Bitcoin den Bereich über 70.000 US$ zurückerobern, könnte dies der Startschuss für den nächsten Bullenmarkt sein. Bis dahin bleibt Geduld gefragt – strategisch orientierte Anleger dürften die aktuelle Schwächephase jedoch eher als Chance denn als Risiko betrachten.

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ℹ Bitcoin in Kürze

  • Bitcoin (BTCUSD) ist die erste und größte Kryptowährung, dient primär als digitales, knappes Wertaufbewahrungsmittel und wird häufig als „digitales Gold“ bezeichnet.
  • Die Kryptowährung basiert auf einem dezentral organisierten Buchungssystem, bei dem Zahlungen kryptografisch legitimiert und über ein Peer-to-Peer-Netzwerk (P2P) abgewickelt werden.
  • Diese dezentrale Datenbank ist die sogenannte Blockchain.

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