Die Aktie von Rocket Lab hat in den vergangenen Monaten deutlich nachgegeben, zeigt seit unserem letzten Update von Ende Juli aber auch wieder deutliche Erholungstendenzen. Die operative Entwicklung des Raketenbauers und die zunehmende Zahl hochkarätiger Regierungsaufträge sprechen weiterhin für ein langfristig attraktives Wachstumsszenario.

Vertikale Integration erreicht ihr vorläufiges Ziel

Mit der geplanten Übernahme von Iridium vervollständigt Rocket Lab weitgehend den strategischen Ausbau seines Geschäftsmodells. Die Transaktion wird durch eine Kombination aus Bargeld, Aktien sowie der Übernahme der bestehenden Verbindlichkeiten von Iridium finanziert. Dafür wurde eine Kreditlinie mit einer Laufzeit von 364 Tagen eingerichtet.

Zwar sind weitere Akquisitionen in Zukunft keineswegs ausgeschlossen, doch die Übernahme von Iridium dürfte den Aufbau der Unternehmensstruktur weitgehend abschließen. Rocket Lab begann als Anbieter von Raketenstarts mit der Electron-Trägerrakete und arbeitet derzeit an der größeren Neutron-Rakete, die den Zugang zu deutlich attraktiveren Marktsegmenten eröffnen soll.

Parallel dazu hat das Unternehmen in den vergangenen Jahren gezielt Firmen übernommen, um sämtliche wichtigen Kompetenzen rund um Satellitenentwicklung und -produktion im eigenen Haus zu bündeln. Mit der Einführung der Flatellite-Plattform im Jahr 2025 wurde dieser Ausbau weiter vorangetrieben. Die Integration von Iridium verbindet nun Satellitenproduktion, Startdienstleistungen und den Betrieb eigener Satellitenkonstellationen unter einem Dach.

Langfristig könnte daraus eine Art „Iridium 2.0“ entstehen, bei der Rocket Labs eigene Satelliten- und Starttechnologie mit der etablierten Kundenbasis von Iridium kombiniert wird. Durch die weitgehende Eigenfertigung wichtiger Technologien verbessert das Unternehmen zugleich seine Wettbewerbsposition.

Diese Strategie ist seit Jahren erkennbar. Neu ist allerdings, dass sie inzwischen zunehmend durch konkrete Auftragserfolge bestätigt wird. Neben dem Fortschritt bei der Entwicklung der Neutron-Rakete werden deshalb vor allem neue Vertragsabschlüsse zum entscheidenden Gradmesser der operativen Entwicklung. Als wichtigste Risiken bleiben mögliche Verzögerungen beim Neutron-Programm sowie regulatorische Herausforderungen im Zusammenhang mit der Iridium-Übernahme bestehen.

Verteidigungsgeschäft entwickelt sich zum Wachstumsturbo

Rocket Labs Entwicklung beschränkt sich längst nicht mehr auf das klassische Startgeschäft. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren gezielt zu einem Anbieter von Raumfahrtlösungen für den Verteidigungssektor entwickelt. Besonders im Bereich Hyperschalltechnologie und militärischer Satellitensysteme gewinnt Rocket Lab kontinuierlich an Bedeutung.

Dieser strategische Wandel wird am Kapitalmarkt nach Einschätzung vieler Beobachter noch immer unterschätzt. Während sich die Aufmerksamkeit häufig fast ausschließlich auf die Neutron-Rakete richtet, bildet die bewährte Electron-Rakete bereits heute die Grundlage zahlreicher Verteidigungsprogramme.

Ursprünglich löste Rocket Lab ein Problem kleiner Satellitenbetreiber. Diese waren häufig darauf angewiesen, ihre Nutzlasten gemeinsam mit größeren Missionen ins All zu bringen und mussten sich dabei nach deren Zeitplänen richten. Verzögerte sich die Hauptmission, verschob sich automatisch auch der Start der kleineren Satelliten.

Mit Electron entstand eine speziell für kleinere Nutzlasten entwickelte Rakete, die Kunden deutlich mehr Flexibilität bei Startterminen und Zielorbits ermöglicht. Allerdings sind die Herstellungskosten von Satelliten in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen, wodurch der adressierbare Markt im kommerziellen Bereich begrenzt wurde.

Als Reaktion darauf verlagerte Rocket Lab seinen Schwerpunkt zunehmend auf den US-Verteidigungsmarkt. Bereits 2020 wurde der Unternehmenssitz in die Vereinigten Staaten verlegt. Dadurch verbesserten sich sowohl der Zugang zu staatlichen Aufträgen als auch die Positionierung im weltweit größten Markt für Raumfahrtstarts.

Electron schafft Zugang zu milliardenschweren Programmen

Der Einstieg in das Verteidigungsgeschäft erfolgte nicht über die künftige Neutron-Rakete, sondern über eine speziell angepasste Version der Electron. Mit der HASTE-Konfiguration wurde eine Plattform entwickelt, die suborbitale Hyperschalltests ermöglicht.

Diese Variante kommt unter anderem im MACH-TB-Programm zum Einsatz, das Tests von Hyperschallflugkörpern, Gleitkörpern, Sensoren, Antriebssystemen und Wiedereintrittstechnologien unterstützt. Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass HASTE auf der bereits vielfach erprobten Electron basiert und damit eine hohe Präzision mit vergleichsweise niedrigen Kosten verbindet.

Vor Kurzem sicherte sich Rocket Lab den bislang größten staatlichen Startauftrag seiner Unternehmensgeschichte. Der Vertrag hat ein Volumen von 266 Millionen US-Dollar und umfasst zunächst zwölf suborbitale Missionen sowie Optionen auf sechs weitere Starts. Rechnerisch entspricht dies einem Auftragswert von rund 22,2 Millionen US-Dollar pro Mission.

Besonders bemerkenswert ist, dass sich Rocket Lab in einem Wettbewerbsverfahren gegen mehrere Konkurrenten durchsetzen konnte. Das unterstreicht sowohl die technische Leistungsfähigkeit als auch die attraktive Kostenstruktur des Unternehmens.

Parallel dazu ist die noch in Entwicklung befindliche Neutron-Rakete bereits Teil eines bis zu 5,6 Milliarden US-Dollar schweren Rahmenprogramms für nationale Sicherheitsmissionen. Größere Vertragsabschlüsse werden jedoch voraussichtlich erst nach erfolgreicher Erprobung und Zertifizierung erfolgen. Rocket Lab verzichtet bewusst darauf, frühe Startplätze mit Preisnachlässen zu verkaufen, um langfristig eine hohe Preissetzungsmacht zu sichern.

Satellitensparte gewinnt ebenfalls an Dynamik

Nicht nur das Startgeschäft entwickelt sich positiv. Auch die Sparte Space Systems verzeichnet zunehmend bedeutende Auftragserfolge.

Bereits Ende vergangenen Jahres erhielt Rocket Lab einen Auftrag im Wert von 816 Millionen US-Dollar für die Entwicklung von 18 Satelliten im Rahmen des Tracking Layer Tranche 3-Programms.

Inzwischen folgte ein weiterer Vertrag über 397 Millionen US-Dollar im Rahmen des SB-AMTI-Programms. Dabei entwickelt und startet Rocket Lab mehrere Flatellite-Satelliten. Das Unternehmen etabliert sich damit gleichzeitig als Anbieter kommerziell und militärisch nutzbarer Satellitenplattformen und erschließt sich den Markt für Verteidigungskonstellationen.

Gerade diese Verträge besitzen derzeit eine größere Aussagekraft als mögliche Neutron-Aufträge. Während die Entwicklung der neuen Trägerrakete weiterhin erhebliche Investitionen erfordert und die Profitabilität belastet, liefern Electron und Flatellite bereits heute konkrete Hinweise auf die Wettbewerbsfähigkeit des Geschäftsmodells. Rocket Lab besteht inzwischen aus deutlich mehr als nur der Neutron-Rakete.

Quartalszahlen rücken in den Mittelpunkt

Für das zweite Quartal erwarten Analysten einen Umsatz zwischen 224 und 236,7 Millionen US-Dollar. Der Konsens liegt bei rund 230,9 Millionen US-Dollar und würde einem Wachstum von etwa 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen.

Beim Ergebnis je Aktie rechnen Analysten mit einem Verlust zwischen 0,15 und 0,02 US-Dollar. Der Konsens liegt bei minus 0,05 US-Dollar und würde ebenfalls eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahresquartal bedeuten.

Bei der Vorlage der Zahlen dürfte neben der Entwicklung des Startgeschäfts insbesondere der Ausbau der Space-Systems-Sparte im Mittelpunkt stehen. Ebenso entscheidend werden neue Aussagen zum Zeitplan der Neutron-Rakete, zu zusätzlichen Chancen im stark wachsenden US-Verteidigungshaushalt sowie zu möglichen weiteren Satellitenkonstellationen im staatlichen und kommerziellen Bereich sein. Darüber hinaus wird der Markt aufmerksam verfolgen, ob das Management die Phase der vertikalen Integration als abgeschlossen betrachtet oder weitere Übernahmen in Betracht zieht.

Langfristiges Kurspotenzial bleibt bestehen

Trotz der hohen Bewertung sehen viele Investoren weiterhin erhebliches Wachstumspotenzial. Die Übernahme von Iridium könnte den Weg zur Profitabilität beschleunigen und gleichzeitig wiederkehrende Umsätze deutlich ausbauen.

Mit dem vollständig integrierten Angebot aus Satellitenfertigung, Startdienstleistungen und Satellitenbetrieb verfügt Rocket Lab über eine außergewöhnlich breite Wertschöpfungskette. Gelingt es dem Unternehmen, die operative Hebelwirkung mit zunehmender Auslastung zu steigern und die Belastungen durch die Entwicklung der Neutron-Rakete schrittweise abzubauen, dürften sich auch die Margen und der freie Cashflow nachhaltig verbessern.

Übrigens: 3 Trend-Aktien sollest Du jetzt auf dem Zettel haben. Hier geht’s zum Gratis-Report für das Schlussquartal 2026!

Verträge bestätigen strategische Ausrichtung

Rocket Lab hat in den vergangenen Jahren konsequent eine nahezu vollständig integrierte Raumfahrtplattform aufgebaut – von einzelnen Satellitenkomponenten über die Fertigung kompletter Satelliten bis hin zu Raketenstarts und dem Betrieb eigener Konstellationen. Diese weitgehende Unabhängigkeit reduziert Abhängigkeiten von externen Zulieferern und verschafft dem Unternehmen im internationalen Wettbewerb einen strategischen Vorteil.

Die jüngsten Großaufträge zeigen nun erstmals deutlich, dass diese langfristige Strategie nicht nur technologisch überzeugt, sondern zunehmend auch vom Markt honoriert wird. Sowohl die Electron-Rakete im Hyperschallbereich als auch die Flatellite-Plattform im Verteidigungssegment entwickeln sich zu wichtigen Wachstumstreibern.

Die jüngsten Vertragsabschlüsse liefern starke Hinweise darauf, dass Rocket Labs integriertes Geschäftsmodell zunehmend Früchte trägt. Bleiben die Fortschritte bei Neutron im Zeitplan und gelingt die Integration von Iridium, könnte das Unternehmen seine Position im globalen Raumfahrt- und Verteidigungsmarkt weiter deutlich ausbauen.

Echte Top-Rendite: Als Mitglied bei sharedealsPlus profitierst Du von wahren Börsenstars (+13.000% in 7 Jahren) und den richtigen Aktientipps zur richtigen Zeit!

ℹ Rocket Lab USA in Kürze

  • Rocket Lab USA (WKN: A419CG) ist ein in Long Beach in Kalifornien ansässiger Hersteller von Luft- und Raumfahrtprodukten und Anbieter von Raketentransporten.
  • Das 2006 gegründete Unternehmen entwickelt und betreibt die Trägerrakete Electron, die Kleinsatelliten ins All transportiert.
  • Darüber hinaus stellt Rocket Lab USA Satellitenkomponenten wie Star Tracker, Reaktionsräder, Solarzellen und -anordnungen, Satellitenfunkgeräte, Trennsysteme sowie Flug- und Bodensoftware her.
  • Rocket Lab USA ist Mitglied im Nasdaq 100 und ist ca. 47 Milliarden US$ wert.

The post Rocket Lab-Aktie: Neuer Kurs-Boom voraus? first appeared on sharedeals.de.