Die Palantir-Aktie befindet sich seit dem Rekordhoch von Anfang November in einer klaren Abwärtsbewegung. In der Spitze korrigierte der Kurs um fast -50%, was Ende Juni zum Rücklauf bis auf 106,37 US$ führte. Nun hat der US-Datenanalysespezialist frische Zahlen präsentiert. Sorgen diese nun für den langersehnten Turnaround?
Quartal sprengt sämtliche Erwartungen
Die Antwort der Wall Street fällt eindeutig aus. Palantir hat im zweiten Quartal auf ganzer Linie überzeugt und die ohnehin hohen Erwartungen deutlich übertroffen. Der Umsatz schnellte im Jahresvergleich um 93% auf 1,94 Milliarden US$ nach oben und lag damit klar über dem Analystenkonsens von rund 1,80 Milliarden US$. Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie lieferte das Unternehmen mit 0,41 US$ statt der erwarteten 0,35 US$ eine deutliche Überraschung.
Besonders beeindruckend entwickelte sich die Profitabilität. Der Nettogewinn sprang auf 1,07 Milliarden US$ und hat sich damit binnen eines Jahres mehr als verdreifacht. CEO Alex Karp sprach bei der Bilanzvorlage von einem Wachstum, das in dieser Unternehmensgröße derzeit konkurrenzlos sei.
Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.
Das Wachstum kommt aus den USA
Der Star des Quartals war erneut das US-Geschäft. Die Erlöse im Heimatmarkt stiegen auf 1,57 Milliarden US$ und haben sich damit im Jahresvergleich mehr als verdoppelt.
Vor allem das Geschäft mit Unternehmenskunden entwickelt sich inzwischen zum wichtigsten Wachstumstreiber. Der Umsatz im US-Kommerzgeschäft explodierte um 149% auf 764 Millionen US$. Gleichzeitig legten die Umsätze mit US-Behörden um starke 90% auf 809 Millionen US$ zu. Damit profitiert Palantir sowohl von der anhaltend hohen Nachfrage nach KI-Lösungen in der Privatwirtschaft als auch von steigenden Investitionen staatlicher Institutionen in Datenanalyse- und Verteidigungssoftware.
Ausblick setzt das entscheidende Ausrufezeichen
Mindestens ebenso wichtig wie die Quartalszahlen war jedoch der Blick nach vorn. Palantir hob seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr deutlich auf 8,15 bis 8,16 Milliarden US$ an. Zuvor hatte das Management lediglich 7,65 bis 7,66 Milliarden US$ in Aussicht gestellt. Auch der Ausblick für das dritte Quartal übertraf mit erwarteten Erlösen von 2,16 Milliarden US$ die bisherigen Marktschätzungen klar.
Genau diese kräftige Prognoseanhebung dürfte für Anleger das wichtigste Signal sein. Ein bloßes Übertreffen der Erwartungen wäre angesichts der hohen Bewertung vermutlich nicht ausreichend gewesen. Das Management zeigt stattdessen, dass die Nachfrage nach den KI-Plattformen weiter an Dynamik gewinnt und der Wachstumskurs noch längst nicht beendet sein muss.
Analysten bullisch – Bewertung bleibt der Knackpunkt
Die ersten Analystenreaktionen fielen überwiegend positiv aus. Mehrere Häuser bestätigten ihre Kaufempfehlungen oder hoben ihre Einschätzung an und verwiesen auf das außergewöhnliche Wachstum des US-Kommerzgeschäfts sowie die hohe operative Marge. Im Durchschnitt sehen sie Palantir mit 193 US$ fair bewertet. Gleichzeitig bleibt die Diskussion über die Bewertung bestehen.
Denn trotz der kräftig steigenden Gewinne bewegt sich das erwartete KGV für 2026 noch immer im Bereich von rund 90 und liegt damit deutlich über den meisten Softwareunternehmen. Das bedeutet: Palantir muss seine beeindruckende Wachstumsstory auch in den kommenden Quartalen bestätigen. Jede operative Enttäuschung könnte angesichts der hohen Erwartungen schnell zu stärkeren Kursreaktionen führen.
Charttechnisch wird es jetzt spannend
Der Kurssprung von rund +17% im vorbörslichen Handel könnte nun auch das Chartbild deutlich aufhellen. Gelingt es, die Gewinne im regulären Handel zu verteidigen, dürfte die Aktie die zuletzt hartnäckige 50-Tage-Linie zurückerobern. Anschließend rückt bereits die 200-Tage-Linie bei 152,62 US$ in den Fokus. Genau dort scheiterte der Wert sowohl im März als auch Anfang Juni.
Ein nachhaltiger Ausbruch über diesen Widerstand wäre daher als echter charttechnischer Befreiungsschlag zu werten und könnte die Tür für eine Fortsetzung der Erholung bis in Richtung des Rekordhochs öffnen.
Palantir hat mit seinen Quartalszahlen ein starkes Signal an den Markt gesendet. Das Unternehmen wächst außergewöhnlich schnell, hebt die Prognose deutlich an und untermauert seine Führungsrolle bei der Monetarisierung von KI-Anwendungen. Auch charttechnisch eröffnet sich nach dem Kurssprung die Chance auf eine nachhaltige Trendwende.
Dennoch sollten Anleger nicht in Euphorie verfallen. Bereits nach den Zahlen im Februar und Mai folgten auf kräftige Kurssprünge wieder deutliche Rücksetzer. Hinzu kommt, dass die Bewertung trotz sinkender Multiples weiterhin ausgesprochen ambitioniert bleibt.
Die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Turnaround haben sich damit spürbar verbessert – endgültig bestätigen muss die Aktie diesen allerdings erst noch.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
Palantir in Kürze
- Palantir Technologies (WKN: A2QA4J) ist ein US-Technologieunternehmen, das Software und Dienstleistungen zur Analyse großer Datenmengen anbietet.
- Das Unternehmen hat zwei Geschäftsbereiche: Während sich Palantir Gotham an Armeen, Geheimdienste, Polizeibehörden und sonstige staatliche Einrichtungen richtet, kommt Palantir Foundry bei gewerblichen Kunden in verschiedensten Branchen zum Einsatz.
- Das Unternehmen mit Sitz in Denver im US-Bundesstaat Colorado notiert an der New York Stock Exchange und ist derzeit ca. 301 Milliarden US$ wert.
The post Palantir-Aktie +17%: Ist das der ultimative Befreiungsschlag? first appeared on sharedeals.de.