Die Evonik-Aktie befindet sich nach dem Rücksetzer im Juni wieder im Aufwärtstrend. Am Dienstag notiert sie aktuell bei 17,90 €. Seit Jahresbeginn hat das Papier damit rund +36% zugelegt. Hier stellt sich die Frage: Besteht jetzt noch weiteres Kurspotenzial?
Temporäre Sonderkonjunktur sorgt für Rückenwind
Evonik bestätigte die bereits Ende Juni veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal.
Das Unternehmen profitierte dabei von einer zeitweise höheren Nachfrage in einzelnen Geschäftsbereichen. Belastungen der globalen Lieferketten sowie geopolitische Spannungen führten in bestimmten Märkten zu einem verbesserten Preisumfeld.
Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 11% auf 3,9 Milliarden €. Besonders das Segment Advanced Technologies entwickelte sich mit einem Umsatzplus von 9% auf 1,6 Milliarden € erfreulich. Auch im Bereich Animal Nutrition konnten sowohl höhere Absatzmengen als auch verbesserte Verkaufspreise erzielt werden.
Die positive Umsatzentwicklung wirkte sich deutlich auf die operative Ertragslage aus. Das bereinigte EBITDA erhöhte sich um rund 25% auf 630 Millionen € und lag damit innerhalb der zuvor prognostizierten Bandbreite von 600 bis 650 Millionen €.
Unter dem Strich sank das Periodenergebnis allerdings um knapp ein Drittel auf 84 Millionen €, was vor allem auf Sondereffekte zurückzuführen ist.
Die bereits im Juni angehobene EBITDA-Prognose von 2,0 bis 2,2 Milliarden € wurde bestätigt. Im Vorjahr hatte Evonik ein EBITDA von 1,9 Milliarden € erzielt.
Vorstandschef Christian Kullmann ordnete die Entwicklung treffend ein:
Wir freuen uns über einen warmen Sommerregen. An den fundamentalen Problemen unserer Branche ändert das allerdings nichts.
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Effizienzprogramm wird konsequent fortgesetzt
Parallel arbeitet Evonik weiter an der Verbesserung seiner Profitabilität.
Im Rahmen des bereits 2024 gestarteten Programms „Evonik Tailor Made“ sollen bis Ende 2026 rund 2.800 Stellen abgebaut werden. Darüber hinaus plant der Konzern für den Zeitraum von 2027 bis 2029 weitere 3.200 Stellenstreichungen.
Mit den Maßnahmen sollen die Kosten nachhaltig gesenkt und die Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden.
Bewertung
Der jüngste Kursanstieg ist vor allem auf die verbesserte operative Entwicklung sowie die temporär günstigeren Marktbedingungen zurückzuführen.
Langfristig bleiben die strukturellen Herausforderungen der europäischen Chemieindustrie jedoch bestehen. Hohe Energiepreise, steigende Personalkosten und ein intensiver internationaler Wettbewerb belasten weiterhin die Ertragskraft der Branche.
Die aktuelle Sonderkonjunktur dürfte diese Probleme nur vorübergehend überdecken. Danach rücken wieder die bisherigen Probleme in den Vordergrund.
Der deutliche Kursanstieg erscheint kurzfristig nachvollziehbar, seine Nachhaltigkeit bleibt jedoch fraglich. Weitere Kursanstiege sind je nach der Lage im Iran nicht auszuschließen.
Mittelfristig dürften die strukturellen Herausforderungen der Chemiebranche wieder stärker in den Vordergrund rücken. Deshalb halte ich das aktuelle Kursniveau nur bedingt für attraktiv.
Neueinsteiger sollten zunächst eine günstigere Einstiegsgelegenheit abwarten. Anleger mit deutlichen Kursgewinnen können dagegen über eine Teilgewinnmitnahme nachdenken. Was weiterhin für die Aktie spricht, ist die aktuelle Dividendenrendite von 5,5%. Hier kann es jedoch zu einer Dividendenreduzierung kommen.
Hier sei angemerkt: Während sich viele auf Tech-Aktien konzentrieren, übersehen sie solide Dividendenzahler mit Aufwärtspotenzial. Diese Analyse beleuchtet zehn unterschätzte Kandidaten für das neue Jahr.
Evonik in Kürze
- Evonik Industries AG, kurz Evonik, ist ein weltweit führender Konzern für Spezialchemie. Die Produkte kommen sowohl im Nahrungsmittelbereich als auch im Industriebereich zum Einsatz.
- Neben dem Hauptsitz in Essen unterhält das Unternehmen 27 internationale Produktionsstandorte, und ist in mehr als 100 Ländern tätig.
- Das im MDAX gelistete Unternehmen wird an der Börse aktuell mit ca. 8,3 Milliarden € bewertet.
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