Die Rekordgewinne der beiden US-Ölriesen ExxonMobil und Chevron sorgen in den USA für politischen Zündstoff. Nach der Vorlage der Quartalszahlen hat US-Präsident Donald Trump die Unternehmen scharf kritisiert und ihnen vorgeworfen, von der angespannten Lage auf dem globalen Ölmarkt übermäßig zu profitieren. Gleichzeitig forderte er niedrigere Benzinpreise für Verbraucher – eine Forderung, deren Umsetzung jedoch weit komplizierter ist, als sie auf den ersten Blick erscheint.
Milliardengewinne befeuern Kritik aus dem Weißen Haus
ExxonMobil
ExxonMobil erwirtschaftete im Berichtszeitraum einen Umsatz von 116 Milliarden US-Dollar und steigerte diesen damit gegenüber dem Vorjahresquartal um 42 Prozent. Der Nettogewinn belief sich auf 14,5 Milliarden US-Dollar und lag damit mehr als doppelt so hoch wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Fördermenge blieb mit rund 4,6 Millionen Barrel pro Tag nahezu unverändert, was darauf hindeutet, dass vor allem die höheren Ölpreise für den Gewinnsprung verantwortlich waren.
Auch Chevron legte kräftig zu. Der Konzern steigerte seinen Umsatz um 56 Prozent auf 70,1 Milliarden US-Dollar. Der Quartalsgewinn kletterte auf 12,1 Milliarden US-Dollar und fiel damit nahezu fünfmal so hoch aus wie ein Jahr zuvor. Gleichzeitig erhöhte Chevron seine weltweite Förderung um rund 20 Prozent auf vier Millionen Barrel Öl- und Gasäquivalent pro Tag.
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Trump: „Sie haben zu viel Geld verdient“
Die starken Geschäftszahlen riefen Präsident Donald Trump auf den Plan. Über seine Plattform Truth Social forderte er die Ölkonzerne unmissverständlich auf, die Preise für Verbraucher sofort zu senken. Vor Journalisten im Weißen Haus erklärte Trump mehrfach, ExxonMobil und Chevron hätten im vergangenen Quartal „zu viel Geld verdient“ und sollten einen Teil ihrer Gewinne an die Bevölkerung zurückgeben.
Dabei behauptete der Präsident unter anderem, eines der Unternehmen habe zwölfmal so viel verdient wie im Vorjahr. Ein Blick auf die veröffentlichten Geschäftszahlen zeigt jedoch, dass die Gewinnsteigerungen zwar erheblich ausfielen, aber deutlich unter einer Verzwölffachung lagen. Während ExxonMobil seinen Gewinn etwas mehr als verdoppelte, verzeichnete Chevron zwar einen außergewöhnlich starken Anstieg, erreichte jedoch ebenfalls nicht die von Trump genannte Größenordnung.
Warum die Konzerne die Benzinpreise nicht einfach senken können
Die Forderung nach niedrigeren Kraftstoffpreisen klingt aus Verbrauchersicht nachvollziehbar, lässt sich jedoch nur begrenzt direkt von einzelnen Ölkonzernen umsetzen. Zwar betreiben sowohl ExxonMobil als auch Chevron Raffinerien und Tankstellennetze in den Vereinigten Staaten, doch ihre Geschäfte sind eng in globale Lieferketten eingebunden.
Ein erheblicher Teil des geförderten Rohöls wird im Rahmen langfristiger Lieferverträge ins Ausland verkauft. Gleichzeitig durchläuft Rohöl auf dem Weg zum Endverbraucher ein komplexes Netzwerk aus Förderanlagen, Pipelines, Lagerterminals, Raffinerien und Vertriebspartnern. In diesem eng verzahnten Markt kann kein einzelnes Unternehmen die Kraftstoffpreise eigenständig und dauerhaft senken, ohne Auswirkungen auf die gesamte Lieferkette und die Wirtschaftlichkeit des Systems zu riskieren.
Welche Möglichkeiten Trump tatsächlich hat
Direkt kann die US-Regierung die börsennotierten Ölkonzerne kaum dazu zwingen, ihre Verkaufspreise zu reduzieren. Trump selbst verwies deshalb auf einen anderen Hebel: die geopolitische Lage.
Nach seiner Einschätzung seien die hohen Gewinne vor allem eine Folge der kriegsbedingten Angebotsverknappung auf dem Weltmarkt. Sollte der Konflikt mit Iran beendet und die Schifffahrt durch die Straße von Hormus wieder uneingeschränkt möglich werden, könnte das weltweite Ölangebot deutlich steigen. Ein höheres Angebot würde voraussichtlich sinkende Rohölpreise nach sich ziehen – mit entsprechenden Auswirkungen auf Benzinpreise und Unternehmensgewinne.
Ob und wann eine solche Entwicklung eintritt, bleibt jedoch ungewiss. Solange die geopolitischen Spannungen anhalten, dürften hohe Energiepreise den Ölkonzernen weiterhin starke Ergebnisse bescheren, während Verbraucher und Politik unter den steigenden Kosten leiden.
Anleger profitieren, Verbraucher zahlen
An den Finanzmärkten wurden die Geschäftszahlen positiv aufgenommen. Die Aktien von ExxonMobil und Chevron haben seit Jahresbeginn deutlich zugelegt, da Investoren auf anhaltend hohe Gewinne im Energiesektor setzen. Für Verbraucher bedeutet dieselbe Entwicklung allerdings weiterhin hohe Preise an den Zapfsäulen – ein Spannungsfeld, das den politischen Druck auf die Ölindustrie in den kommenden Monaten weiter erhöhen dürfte.
Die Debatte verdeutlicht einmal mehr den Zielkonflikt zwischen wirtschaftlichem Erfolg der Energieunternehmen und der Belastung privater Haushalte durch hohe Kraftstoffpreise. Während Trump öffentlich Druck auf die Ölkonzerne ausübt, hängen nachhaltige Preisrückgänge letztlich weniger von politischen Forderungen als von der weiteren Entwicklung der geopolitischen Lage und des globalen Ölmarktes ab.
Für Anleger bleibt die Entwicklung ein zweischneidiges Signal. Einerseits sprechen die Rekordgewinne von ExxonMobil und Chevron sowie das anhaltend hohe Ölpreisniveau kurzfristig weiterhin für eine starke Ertragskraft der beiden Energiekonzerne. Andererseits könnten eine Entspannung der geopolitischen Lage, sinkende Rohölpreise oder zunehmender politischer Druck auf die Branche die Gewinnentwicklung und damit auch das weitere Kurspotenzial der Aktien mittelfristig begrenzen.
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