Die Rheinmetall-Aktie gewinnt zum Wochenauftakt erneut knapp +4% und bestätigt damit den kurzfristigen Aufwärtstrend. Seit den Tiefs von Ende Juni belaufen sich die Kursgewinne mittlerweile auf über +30%. Was treibt den Rüstungstitel an und sollten Anleger weiter auf die Trendwende setzen?
Vorläufige Zahlen senden ein starkes Signal
Den entscheidenden Impuls für die jüngste Rallye lieferte der Rüstungskonzern Ende Juli mit seinen vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal. Rheinmetall übertraf die Erwartungen der Analysten klar: Der Umsatz sprang um rund 69% auf 3,289 Milliarden €, während das operative Ergebnis mit 562 Millionen € rund 20% über dem Marktkonsens lag. Gleichzeitig überschritt der Auftragsbestand erstmals die Marke von 80 Milliarden € – ein Rekordwert, der die außergewöhnlich hohe Visibilität für die kommenden Jahre unterstreicht.
Damit sendete der Konzern gleich mehrere positive Signale an den Markt. Zum einen bleibt die Nachfrage nach Verteidigungsgütern ungebrochen hoch, zum anderen gelingt es Rheinmetall, das starke Umsatzwachstum auch in steigende Gewinne umzuwandeln. Einziger Wermutstropfen war der negative operative freie Cashflow. Dieser ist allerdings vor allem auf hohe Investitionen in neue Produktionskapazitäten, gestiegene Vorräte und Vorleistungen für Großaufträge zurückzuführen – Faktoren, die angesichts des rasanten Wachstums nicht ungewöhnlich sind.
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Neue Großaufträge stärken die Investmentstory
Seit der Vorlage der Zahlen reißt der positive Nachrichtenfluss nicht ab. Besonders aufmerksam verfolgte der Markt den neuen Auftrag der US-Armee für das Programm „Project Sustainment“. American Rheinmetall entwickelt dabei autonome, hybridbetriebene Logistikfahrzeuge, die Nachschub selbstständig an die Front transportieren sollen. Unterstützt wird das Projekt von den Technologiepartnern Harbinger, Forterra und Primordial Labs.
Auch aus Großbritannien kamen gute Nachrichten. Rheinmetall liefert Waffenanlagen für insgesamt 72 Radhaubitzen des Typs RCH 155. Der Auftrag bewegt sich im niedrigen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich und unterstreicht die zunehmende internationale Diversifizierung des Geschäfts. Zusammen mit weiteren Projekten für die Bundeswehr und die Deutsche Marine festigt der Konzern seine Position als einer der wichtigsten westlichen Rüstungslieferanten.
Analysten bleiben überzeugt
Die starken Quartalszahlen haben auch die Experten überzeugt. Bernstein bestätigte seine positive Einschätzung und hob das Kursziel auf 1.900 € an. Auch Jefferies sieht weiteres Potenzial (1.300 €) und bleibt bei einer Kaufempfehlung. Insgesamt überwiegen die positiven Stimmen deutlich: Die große Mehrheit der Analysten empfiehlt weiterhin den Einstieg, das durchschnittliche Kursziel beträgt 1.679 €.
Die Zuversicht stützt sich vor allem auf den Rekord-Auftragsbestand und die hohe Planungssicherheit. Gleichzeitig bleibt der Blick auf den freien Cashflow und den weiteren Kapazitätsausbau gerichtet. Genau hier erwarten Investoren im vollständigen Halbjahresbericht am Donnerstag zusätzliche Informationen.
Charttechnik: Die entscheidende Hürde rückt näher
Auch aus charttechnischer Sicht wird die Lage zunehmend spannend. Seit Ende Juni befindet sich die Aktie in einer dynamischen Erholungsbewegung. Zwar kam es in der ersten Julihälfte noch einmal zu einem scharfen Rücksetzer, seit Mitte des Monats dominieren jedoch wieder klar die Käufer.
Inzwischen testet die Aktie den seit dem Januar-Hoch bestehenden Abwärtstrend. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre ein starkes technisches Kaufsignal und könnte den Weg bis zur 200-Tage-Linie bei derzeit 1.467 € freimachen. Scheitert der Kurs dagegen an der Trendlinie, dürfte nach dem kräftigen Anstieg zunächst eine erneute Konsolidierung einsetzen.
Operativ präsentiert sich Rheinmetall derzeit stärker denn je. Rekordaufträge, ein historisch hoher Auftragsbestand und deutlich besser als erwartete Quartalszahlen sprechen für eine anhaltend robuste Geschäftsentwicklung. Entsprechend bleibt auch die Mehrheit der Analysten langfristig optimistisch.
Kurzfristig entscheidet nun allerdings die Charttechnik über den weiteren Verlauf. Gelingt der Ausbruch über den seit Januar bestehenden Abwärtstrend und bestätigt der Halbjahresbericht am Donnerstag die starke operative Entwicklung, dürfte die Erholung in die nächste Runde gehen.
Anleger sollten sich jedoch auf eine hohe Schwankungsbreite einstellen. Nach dem kräftigen Kursanstieg sind zwischenzeitliche Rücksetzer jederzeit möglich. Langfristig bleibt die Investmentstory intakt – der Weg nach oben dürfte allerdings alles andere als geradlinig verlaufen.
Ergänzend sei erwähnt: Während Panzerproduktion boomt, deckt „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ zwei Unternehmen auf, die dank des Nachfrageschubs den entsprechenden Rohstoffe bald massiv profitieren werden.
Rheinmetall AG in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 55 Milliarden €.
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