
AstraZeneca-Aktien fielen am frühen Montagshandel um mehr als 6 % , nachdem Berichte aufgetaucht waren, wonach der britische Pharmakonzern vorläufige Gespräche mit dem US-amerikanischen Bristol Myers Squibb über eine mögliche Fusion geführt habe – ein Schritt, der einen der weltweit größten Arzneimittelhersteller schaffen könnte.
Eine mit der Angelegenheit vertraute Person sagte Reuters, dass die Unternehmen eine mögliche Zusammenlegung geprüft hätten, und bestätigte damit einen früheren Bericht der Financial Times.
Den Berichten zufolge könnten die Gespräche in naher Zukunft zu einem Deal führen, sie könnten jedoch auch verschoben werden oder ganz scheitern.
Die Aussicht auf eine Transaktion überraschte Anleger, die sich fragten, warum AstraZeneca eine transformativen Übernahme anstreben sollte, während das eigene Geschäft weiterhin stark wächst.
Die Aktien fielen auch im US-Vorhandel um über 6 % .
Investoren sehen keine strategische Logik
Die Marktreaktion spiegelte eine weit verbreitete Skepsis hinsichtlich der industriellen Logik einer solchen Kombination wider.
„Eine Kombination mit Bristol ergibt strategisch oder finanziell keinen Sinn“, sagte Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment, einem AstraZeneca-Aktionär, gegenüber Reuters.
„Viele frühere Mega‑Fusionen haben Wert vernichtet und es besteht offensichtlich kein Bedarf für Astra, dies zu tun.“
Analysten von Jefferies unter der Leitung von Michael Leuchten zweifelten ebenfalls an den strategischen Vorteilen.
„Warum, ist uns vielleicht noch nicht klar: Wir vermuten, dass sich die meisten auf das Potenzial konzentrieren werden, eine noch größere Onkologie‑Schwergewichtsposition zu etablieren, wodurch das daraus resultierende Portfolio wahrscheinlich das breiteste der Branche wäre. Abgesehen von regulatorischen Hürden würden wir jedoch argumentieren, dass Pipeline‑Assets anderweitig beschafft werden könnten, wie AstraZeneca es bereits tut, insbesondere in China.“
Chris Beauchamp, Chief Market Analyst bei IG, teilte diese Bedenken und wies zugleich auf die politischen Implikationen einer stärkeren US‑Präsenz hin.
Experteneinschätzung
Auch wenn es eine seltene Ausnahme ist, dass ein großes britisches Unternehmen eine kleinere US‑Firma kauft und dies manch einem Briten sympathisch erscheinen mag, droht es, einen weiteren nationalen Champion zu verlieren. In jedem Fall stellen die großen Krebs‑Sparten beider Unternehmen ein erhebliches Hindernis für einen erfolgreichen Deal dar. BMS hat sich seit 2023 schwergetan, und einige Astra‑Aktionäre werden den Sinn teurer M&A infrage stellen, wenn ihre Aktien so gut laufen.
Ein Deal würde die Pharmaindustrie umformen
Basierend auf den Schlussbewertungen vom Freitag war AstraZeneca etwa 264,1 Milliarden USD (ca. 230,4 Milliarden €), während Bristol Myers Squibb eine Marktkapitalisierung von rund 133,4 Milliarden USD (ca. 116,4 Milliarden €) aufwies.
Eine Fusion würde eine Pharmagruppe im Wert von nahezu 400 Milliarden USD (ca. 348,9 Milliarden €) schaffen, womit sie nach Marktkapitalisierung der weltweit viertgrößte börsennotierte Arzneimittelhersteller und einer der größten je abgeschlossenen Healthcare‑Deals wäre.
Eine solche Transaktion würde auch AstraZenecas Präsenz in den Vereinigten Staaten deutlich ausweiten, einem Markt, der bereits nahezu die Hälfte des Konzernumsatzes ausmacht.
Das Unternehmen hat sich verpflichtet, bis 2030 50 Milliarden USD (ca. 43,6 Milliarden €) in Forschung und Produktion in den USA zu investieren und schloss im Juni ein Direktlisting an der New York Stock Exchange ab.
Eine Übernahme von Bristol Myers würde seine US‑Präsenz weiter stärken und in Großbritannien erneut Befürchtungen schüren, wonach bedeutende börsennotierte Unternehmen ihren Fokus vom Vereinigten Königreich wegverlagern könnten.
Das Direktlisting selbst war bereits als Rückschlag für den Aktienmarkt in London wahrgenommen worden.
Wachstumsziele sind bereits auf Kurs
AstraZeneca hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, bis 2030 einen Jahresumsatz von $80 billion 80 Milliarden USD (ca. 69,8 Milliarden €) zu erzielen, gegenüber 58,7 Milliarden USD (ca. 51,2 Milliarden €) im Vorjahr.
Trotz dieser Expansionspläne deutete Chief Executive Sir Pascal Soriot kürzlich an, dass Übernahmen nicht zwingend erforderlich seien, um die Ziele des Unternehmens zu erreichen.
Soriot sagte letzte Woche gegenüber Reportern, AstraZeneca „braucht M&A nicht, um zu liefern“, was das Umsatzziel für 2030 angeht.
Stattdessen hat sich das Unternehmen auf Lizenzvereinbarungen und Partnerschaften konzentriert, insbesondere in China, um seine Pipeline experimenteller Medikamente zu stärken.
Jede Übernahme von Bristol Myers würde die bisher größte Transaktion von AstraZeneca bei Weitem übertreffen — den 39 Milliarden USD (ca. 34 Milliarden €)‑Kauf des Spezialisten für seltene Krankheiten Alexion im Jahr 2021.
Bristol Myers steht vor wachsenden Herausforderungen
Für Bristol Myers Squibb könnte ein Deal die Gelegenheit bieten, Jahre der Underperformance anzugehen.
Der US‑Arzneimittelhersteller hat sich seit der 74 Milliarden USD (ca. 64,6 Milliarden €)‑Übernahme von Celgene im Jahr 2019 schwergetan und nicht die erwarteten Renditen geliefert.
Zugleich steht das Unternehmen unter erheblichem Umsatzdruck, da mehrere Blockbuster‑Medikamente das Ablaufdatum ihrer Patente erreichen.
Vor diesem Hintergrund sehen einige Investoren Bristol Myers als mögliches Übernahmekandidaten an, wobei die Kombination zweier Unternehmen mit umfangreichen Onkologie‑Portfolios voraussichtlich eine genaue Prüfung durch die Regulierungsbehörden nach sich ziehen würde.
Da beide Unternehmen zu den weltweit führenden Entwicklern von Krebsmedikamenten gehören, erwarten Analysten, dass jeder Fusionsvorschlag vor einer Genehmigung erhebliche kartellrechtliche Hürden überwinden muss.
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