Die jüngste Kurskorrektur bei Micron hat die Diskussion über die Perspektiven des Speicherchip-Herstellers neu entfacht. Während der Boom rund um künstliche Intelligenz die Nachfrage weiterhin antreibt, stellt sich für Anleger die Frage, ob der Rücksetzer lediglich eine Verschnaufpause oder der Beginn einer größeren Korrektur ist.
Die Aktie von Micron Technology hat in den vergangenen Jahren eine außergewöhnliche Rally hingelegt und dennoch wirkt die Bewertung auf Basis der erwarteten Gewinne der kommenden Geschäftsjahre weiterhin moderat. Nach dem kräftigen Rücksetzer im Juli könnte sich für langfristig orientierte Anleger eine attraktive Einstiegsgelegenheit ergeben. Gleichzeitig bleibt der zyklische Charakter des Speichermarktes ein wesentlicher Risikofaktor, den Investoren nicht unterschätzen sollten.
KI-Sektor kurzfristig unter Druck
Der gesamte KI-Sektor stand im Juli erheblich unter Verkaufsdruck. Auslöser waren unter anderem Aussagen von Meta, wonach das Unternehmen künftig stärker als Anbieter von KI-Cloud-Diensten auftreten könnte. Viele Marktteilnehmer interpretierten dies zunächst als Hinweis auf eine mögliche Überkapazität bei KI-Rechenleistung.
Bei genauerer Betrachtung vermittelte Meta-Chef Mark Zuckerberg jedoch ein anderes Bild. Demnach seien KI-Dienste mit intelligenzbasierten Anwendungen langfristig deutlich profitabler als der reine Verkauf von Rechenleistung. Gleichzeitig bleibe der Markt für Cloud-Kapazitäten attraktiv.
Zusätzliche Unsicherheit entstand durch die Schieflage des Hedgefonds von Leopold Aschenbrenner. Nach hohen kreditfinanzierten Positionen musste der Fonds infolge der Kursverluste Beteiligungen verkaufen. Diese Zwangsliquidierungen verstärkten den Druck auf zahlreiche KI-Aktien, darunter auch Micron, dessen Kurs seit Ende Juni deutlich nachgab.
Langfristige Nachfrage nach Speicher wächst weiter
Trotz der kurzfristigen Turbulenzen bleiben die strukturellen Wachstumstreiber intakt. Micron profitiert weiterhin von der stark steigenden Nachfrage nach Hochleistungsspeichern für Anwendungen im Bereich der künstlichen Intelligenz.
Das Unternehmen verfügt inzwischen über 16 Kunden aus dem Bereich sogenannter Strategic Customer Agreements, die langfristige Lieferverträge mit einem Mindestvolumen von mehr als 100 Milliarden US-Dollar abgeschlossen haben. Hinzu kommen Vorauszahlungen in Höhe von rund 22 Milliarden US-Dollar.
Nach Unternehmensangaben könnten künftig bis zu 50 Prozent des Umsatzes aus langfristigen Lieferverträgen mit festen Preisen stammen. Solche Vereinbarungen schaffen Planungssicherheit und erleichtern die Finanzierung der hohen Investitionen in neue Produktionskapazitäten. Langfristig dürfte sich das Preisniveau allerdings wieder stärker am Markt orientieren.
Tesla setzt auf Micron für KI und Roboter
Ein zusätzlicher Wachstumstreiber könnte die Zusammenarbeit mit Tesla werden. Elon Musk bestätigte, dass Micron Speicherkapazitäten sowohl für KI-Systeme als auch für die Entwicklung humanoider Roboter bereitstellt.
Besonders für das Optimus-Projekt sieht Musk ausreichende Verfügbarkeit von Speicherchips als entscheidenden Faktor für den geplanten Produktionshochlauf. Gleichzeitig bedankte er sich ausdrücklich bei Micron für die zugesagten Liefermengen in einem Marktumfeld mit knappen Kapazitäten und hohen Speicherpreisen.
Micron geht davon aus, dass humanoide Roboter künftig etwa zehnmal so viel Speicher benötigen werden wie ein durchschnittliches Fahrzeug mit fortgeschrittenen Fahrerassistenzsystemen. Zusammen mit dem Ausbau von KI-Rechenzentren und Robotaxi-Flotten könnte daraus eine weitere starke Nachfragewelle entstehen.
Niedrige Bewertung trotz kräftiger Gewinnsteigerungen
Trotz der starken Kursentwicklung wird Micron derzeit lediglich mit dem Fünf- bis Sechsfachen der erwarteten Gewinne bewertet. Analysten rechnen für das Geschäftsjahr 2027 mit einem Gewinn von mehr als 150 US-Dollar je Aktie.
Selbst wenn die Aktie wieder ihr bisheriges Hoch erreichen sollte, läge das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis dieser Gewinnschätzungen lediglich bei rund acht. Damit erscheint die Bewertung im Vergleich zu vielen anderen KI-Unternehmen weiterhin vergleichsweise günstig.
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Zyklischer Speichermarkt bleibt größtes Risiko
Dem attraktiven Bewertungsniveau steht jedoch die hohe Zyklik des Speichergeschäfts gegenüber. Die Vergangenheit zeigt, dass Micron immer wieder extreme Boom- und Abschwungphasen durchlaufen hat.
Nach den Rekordgewinnen im Geschäftsjahr 2022 rutschte das Unternehmen bereits ein Jahr später tief in die Verlustzone. Im Geschäftsjahr 2023 fiel ein Verlust von 4,45 US-Dollar je Aktie an. Solche Entwicklungen sind typisch für den Speichermarkt, in dem Angebot und Nachfrage häufig stark schwanken.
Besonders deutlich wird dies bei der Bruttomarge. Während Micron in Hochphasen Margen von rund 50 Prozent oder sogar deutlich darüber erzielen kann, kam es in früheren Abschwüngen mehrfach zu negativen Bruttomargen. In solchen Phasen werden Speicherchips unter den Herstellungskosten verkauft – ein Szenario, das in den meisten anderen Industrien kaum vorkommt.
Preisentwicklung entscheidet über weiteren Kursverlauf
Sollten die Bruttomargen künftig wieder auf etwa 50 Prozent oder darunter zurückfallen, würde sich der Gewinn des Unternehmens erheblich verringern. Hinzu kommt, dass das erwartete Umsatzwachstum nicht allein auf steigenden Absatzmengen beruht, sondern zu einem großen Teil auf höheren Verkaufspreisen für Speicherprodukte.
Nach Einschätzung von TrendForce wird der Anteil der HBM-Produktion an der gesamten DRAM-Fertigung bis Ende 2027 zwar deutlich steigen. Gleichzeitig dürfte dieser Speichertyp jedoch nur rund 13 Prozent des gesamten DRAM-Bitangebots ausmachen. Dadurch bleibt grundsätzlich das Risiko bestehen, dass die Branche mittelfristig erneut Überkapazitäten aufbaut.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist die Marktstruktur. Mit Samsung, SK hynix und Micron dominieren lediglich drei Unternehmen den weltweiten DRAM-Markt. Sollte einer dieser Hersteller seine Produktionskapazitäten zu stark ausweiten, könnten die Speicherpreise erheblich unter Druck geraten.
Nach Einschätzung von UBS dürfte das Angebot die Nachfrage im DRAM-Markt jedoch frühestens im zweiten Quartal 2028 vollständig einholen. Bis dahin sprechen die anhaltend hohe Nachfrage nach KI-Hardware sowie neue Anwendungen im Robotikbereich weiterhin für ein günstiges Marktumfeld.
Micron bleibt einer der aussichtsreichsten Profiteure des KI-Booms und überzeugt trotz der starken Kursentwicklung weiterhin mit einer vergleichsweise niedrigen Bewertung. Anleger sollten jedoch die hohe Zyklik des Speichermarktes im Blick behalten, denn auf Boomphasen folgten in der Vergangenheit regelmäßig deutliche Abschwünge.
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Micron in Kürze
- Micron Technology Inc. (WKN: 869020) mit Sitz in Boise im US-Bundesstaat Idaho ist ein weltweit führender Anbieter von Computerspeichern, die in einer Vielzahl von Anwendungen zum Einsatz kommen.
- Hauptprodukte des Technologiekonzerns sind dynamische Random-access Memories (RAM), Flash-Speicher und USB-Flash-Laufwerke.
- Das Unternehmen ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und an der Börse ca. 930 Milliarden US$ wert.
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