USA Rare Earth hat in den vergangenen Monaten eine außergewöhnlich volatile Entwicklung erlebt und gleichzeitig seine strategische Ausrichtung erheblich erweitert. Mit der geplanten Übernahme von Serra Verde rückt der Aufbau einer nahezu vollständig integrierten Wertschöpfungskette für Seltene Erden und Permanentmagnete in den Mittelpunkt der weiteren Unternehmensentwicklung.

Nachdem sich die Papiere des Bergbauunternehmens zwischen April und Juni im Wert kurzerhand verdoppeln konnten, folgte jüngst eine tiefgreifende Korrektur auf den tiefsten Stand seit Jahresbeginn.

Solche Kursverläufe sind für ereignisgetriebene Investmentstorys nicht ungewöhnlich. Gleichzeitig hat sich das Unternehmen operativ deutlich weiterentwickelt. Allerdings wurde dieser Fortschritt mit einer erheblichen Verwässerung der bestehenden Aktionäre sowie einer komplexeren Kapitalstruktur erkauft.

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Übernahme von Serra Verde verändert Investmentstory

Die bedeutendste Entwicklung seit April ist die geplante Übernahme des brasilianischen Seltene-Erden-Produzenten Serra Verde. Das Unternehmen wird mit rund 2,8 Milliarden US-Dollar bewertet. Lediglich 300 Millionen US-Dollar sollen in bar gezahlt werden, während der überwiegende Teil des Kaufpreises über die Ausgabe von 126,8 Millionen neuen Aktien finanziert wird.

Dadurch erhöht sich die Anzahl der ausstehenden Aktien um rund 51,5 Prozent. Nach Abschluss der Transaktion sollen die bisherigen Eigentümer von Serra Verde etwa 34 Prozent am fusionierten Unternehmen halten.

Mit dieser Akquisition gewinnt die Strategie vom Bergwerk bis zum fertigen Magneten erheblich an Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig verändert sich die Investmentstory von USA Rare Earth grundlegend.

Vor der angekündigten Übernahme verfügte das Unternehmen bereits über mehrere wichtige Bestandteile der Wertschöpfungskette. Dazu zählen das Round-Top-Projekt in Texas für den zukünftigen Abbau und die Verarbeitung von Seltenen Erden, Less Common Metals in Großbritannien zur Herstellung von Metallen und Legierungen sowie das Werk Stillwater in Oklahoma zur Produktion von Permanentmagneten.

Das zentrale Problem bestand jedoch darin, dass Round Top noch nicht in Produktion ist. Bis zur geplanten Inbetriebnahme gegen Ende des Jahres 2028 wäre USA Rare Earth weiterhin auf externe Lieferanten für die benötigten Rohstoffe angewiesen gewesen. Die gesamte Strategie wies daher eine erhebliche Lücke zwischen Rohstoffgewinnung und Magnetproduktion auf.

Serra Verde schließt entscheidende Versorgungslücke

Genau diese Lücke soll Serra Verde schließen. Das brasilianische Unternehmen nahm 2024 die kommerzielle Produktion auf. Die Mine Pela Ema im Bundesstaat Goiás liefert ein Konzentrat mit den vier wichtigsten magnetischen Seltenen Erden Neodym, Praseodym, Dysprosium und Terbium. Nach vollständiger Optimierung soll die erste Ausbaustufe jährlich rund 6.400 Tonnen Seltenerdoxide produzieren.

Mit der Übernahme erzielt USA Rare Earth gleich mehrere strategische Vorteile. Zum einen erhält das Unternehmen deutlich früher Zugang zu einer eigenen Rohstoffquelle und muss nicht mehr auf den Produktionsstart von Round Top warten. Zum anderen erweitert Serra Verde das Portfolio um schwere Seltene Erden wie Dysprosium und Terbium, die insbesondere für Hochleistungsmagnete in der Verteidigungsindustrie, für Elektrofahrzeuge und Windkraftanlagen unverzichtbar sind.

Hinzu kommt eine höhere Planungssicherheit. Serra Verde verfügt bereits über langfristige Lieferverträge für die gesamte Produktion der ersten Ausbaustufe und kann auf ein Finanzierungspaket über 565 Millionen US-Dollar zurückgreifen, das den weiteren Ausbau unterstützen soll.

Integration bleibt größte Herausforderung

Trotz der strategischen Vorteile ist die vollständige Integration der Wertschöpfungskette noch längst nicht abgeschlossen. Zwar könnte das von Serra Verde geförderte Material künftig die Weiterverarbeitung in den einzelnen Unternehmensbereichen versorgen, doch mehrere Bausteine befinden sich selbst noch im Aufbau.

So entsteht die Trennkapazität für die Rohstoffe erst schrittweise, während das Magnetwerk Stillwater seine kommerzielle Produktion ebenfalls erst hochfährt. Zusätzlich stellt die geografische Verteilung der einzelnen Standorte in Brasilien, den USA, Frankreich und Großbritannien hohe Anforderungen an Logistik und Koordination.

Rechtfertigt der Zukauf die massive Verwässerung?

Eine Verwässerung der bestehenden Aktionäre ist nicht zwangsläufig nachteilig. Entscheidend ist, ob der erworbene Unternehmenswert den Anteilsausgleich langfristig kompensiert.

Nach den optimistischsten Prognosen des Managements könnte Serra Verde bis Ende 2027 ein jährliches EBITDA zwischen 550 und 650 Millionen US-Dollar erzielen, sofern künftig höherwertige Seltenerdoxide ausgeliefert werden. Bezogen auf den Kaufpreis entspräche dies einem attraktiven Bewertungsniveau.

Deutlich vorsichtiger fällt allerdings das Szenario aus, in dem weiterhin hauptsächlich Konzentrate verkauft werden. In diesem Fall erwartet das Management lediglich ein EBITDA zwischen 300 und 400 Millionen US-Dollar jährlich. Unter diesen Voraussetzungen würde die Übernahme aus finanzieller Sicht wesentlich weniger attraktiv erscheinen und die Verwässerung der bisherigen Aktionäre stärker ins Gewicht fallen.

Nach den eigenen Prognosen des Unternehmens soll USA Rare Earth im Jahr 2030 insgesamt rund 1,85 Milliarden US-Dollar EBITDA erzielen. Davon würden etwa 650 Millionen US-Dollar auf Serra Verde entfallen. Damit würde der brasilianische Geschäftsbereich rund 35 Prozent zum operativen Ergebnis beitragen, während die bisherigen Eigentümer rund 34 Prozent der Anteile halten würden. Daraus ergäbe sich lediglich ein geringer positiver Effekt auf das EBITDA je Aktie.

Die Spielräume bleiben jedoch eng. Sollte Serra Verde die angestrebten Ergebnisziele verfehlen, könnte sich die Verwässerung zunehmend negativ auf den Wert je Aktie auswirken. Strategisch könnte die Übernahme dennoch sinnvoll bleiben, sofern die langfristigen Synergien innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette realisiert werden.

Bewertung signalisiert weiteres Kurspotenzial

Zur Bewertung lässt sich analysieren, welcher Anteil der langfristigen Unternehmensziele bereits im aktuellen Börsenwert enthalten ist.

Ausgehend von einem Unternehmenswert zwischen rund 4,1 und 4,6 Milliarden US-Dollar, einer konservativen Renditeanforderung von 18 Prozent und einem EBITDA-Multiplikator von sieben bis acht ergibt sich, dass der Markt derzeit lediglich etwa 60 bis 69 Prozent des für 2030 angestrebten EBITDA einpreist.

Damit scheint der aktuelle Aktienkurs bereits einen Teil der erwarteten Entwicklung zu berücksichtigen, lässt jedoch weiterhin Raum für zusätzliche Kursgewinne, sofern die Integration von Serra Verde gelingt und die gesamte Strategie vom Bergwerk bis zum Magneten erfolgreich umgesetzt wird.

Quartalszahlen liefern wichtige Hinweise

Der nächste bedeutende Meilenstein ist die Vorlage der Ergebnisse für das zweite Quartal 2026.

Dabei dürfte weniger die kurzfristige Gewinnentwicklung im Mittelpunkt stehen als vielmehr der operative Fortschritt. Im ersten Quartal stammten sämtliche Umsätze von Less Common Metals, während Stillwater und die Rohstoffprojekte noch keine Erlöse erzielten.

Besonders wichtig wird deshalb sein, ob Stillwater inzwischen erste kommerzielle Lieferungen aufgenommen hat. Das Unternehmen hatte angekündigt, dass die erste Produktionslinie im zweiten Quartal Kundenaufträge erfüllen und bis Ende des Jahres eine annualisierte Produktionskapazität von 600 Tonnen erreichen soll.

Auch bei Less Common Metals wird auf eine Verbesserung der Umsatzentwicklung und der Gewinnmargen geachtet. Zusätzlich dürften Investoren Informationen zu den Auswirkungen der chinesischen Exportbeschränkungen erwarten, nachdem USA Rare Earth bereits auf Schwierigkeiten bei der Beschaffung wichtiger Rohstoffe hingewiesen hatte.

Langfristige Perspektive bleibt aussichtsreich

Trotz der erheblichen Risiken spricht weiterhin vieles für die langfristige Strategie des Unternehmens. Mit Serra Verde erhält USA Rare Earth erstmals Zugang zu einer bereits produzierenden Rohstoffquelle und stärkt damit den Aufbau einer weitgehend integrierten Wertschöpfungskette.

Ob sich die Verwässerung für die Aktionäre auszahlt, hängt letztlich davon ab, ob Serra Verde die geplanten Ergebnisziele erreicht und die operative Verzahnung der einzelnen Unternehmensbereiche erfolgreich umgesetzt wird. Gelingt dies, erscheint auf Basis der langfristigen Unternehmensziele weiteres Aufwärtspotenzial für die Aktie möglich.

Die Übernahme von Serra Verde erhöht die strategische Attraktivität von USA Rare Earth deutlich, bringt jedoch zugleich Integrations- und Verwässerungsrisiken mit sich. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird sein, ob das Unternehmen seine operative Umsetzung in den kommenden Quartalen planmäßig vorantreibt. Aus unserer Sicht eröffnet die starke Kurskorrektur Anlegern neue Chancen und die Aktie ist aus unserer Sicht zu Kursen um 13 US-Dollar wieder deutlich kaufenswert.

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